Gesundheit

„Der Geist wird wieder jünger, wenn man sich mit den Enkelkindern beschäftigt.“

Internistin Irene Kührer über die Bedeutung von Vorsorgeuntersuchungen ab dem 50. Lebensjahr, vor allem im Bereich der Krebsfrüherkennung, und die belebende Wirkung der Enkelkinder auf Körper und Geist der Großeltern.

Welche Untersuchungen raten Sie als Internistin allen Personen ab 50 Jahren?

Irene Kührer: Die Basis ist das Vorsorgeuntersuchungsprogramm der ÖGK. Dieses sollten alle Österreicherinnen und Österreicher ab 50 Jahren jährlich durchführen lassen. Dazu zählt bei Frauen die Mammographie alle zwei Jahre, Männer sollten jährlich zur Prostatauntersuchung zum Urologen. Und alle fünf Jahre sollte bei Frau und Mann eine Koloskopie durchgeführt werden. Im realen Leben bedeutet das, dass man einen Vormittag an Zeit im Jahr in seine Gesundheit investiert. Dadurch können viele Krankheiten, etwa Krebserkrankungen, in einem sehr frühen Stadium erkannt und behandelt werden. Bei vielen Krebsarten sind hier die Heilungschancen inzwischen sehr gut, vorausgesetzt, die Behandlung beginnt eben in einem möglichst frühen Stadium. Das bringt den Patientinnen und Patienten ein Plus an gesunden und aktiven Jahren.

Was kann man mit 50+ tun, um seine Gesundheit möglichst lange aufrecht zu erhalten?

Gleich vorweg, es gibt keine Patentrezepte für den Erhalt der eigenen Gesundheit. Die Basis ist aber immer eine gesunde Lebenseinstellung und viel Bewegung. Sie fördert den Muskelaufbau und sorgt für ein gutes Immunsystem. Gerade die Bewegung mit Enkelkindern kann da jung halten. 

Viele ältere Personen haben Angst, sich bei der Betreuung von Enkelkindern zu überfordern. Ist diese Angst berechtigt?

Nein, die ist gar nicht berechtigt. Man kann sich nicht überfordern. Es ist aber immer gut, wenn man gemeinsam mit den Eltern der Kinder ein passendes Programm ausarbeitet um dann gut vorbereitet in ein Bewegungswochenende mit den Enkelkindern zu gehen. Dazu zählt etwa die Wahl kindgerechter Ziele bei Ausflügen oder das Einplanen von genügend Zeit für Spaß und Spiele während eines Ausflugs. Kindern ist nicht das Erreichen eines Berggipfels wichtig, sondern das gemeinsame Erlebnis mit den Großeltern. Und das müssen gar nicht immer die großen Sensationen sein. Da reicht manchmal auch das Sammeln von Kastanien und buntem Laub aus.

Sind Patientinnen und Patienten, die ihre Zeit mit Enkelkindern verbringen, auch geistig aktiver?

Ich bemerke bei meinen Patientinnen und Patienten, dass der Geist jünger wird, wenn sich Ältere mit der jüngsten Generation aktiv beschäftigen. Sie trauen sich auch wieder mehr im Leben zu, etwa zu zeichnen, zu formen oder zu basteln. Sie freuen sich, im Team mit ihren Enkelkindern arbeiten zu dürfen. Das gibt ihrem Leben wieder Sinn. Und es muss ja nicht immer eine handwerkliche oder künstlerische Tätigkeit sein. Das Erfinden von Geschichten, die Bildung von Wortketten und viele andere Sprachspiele machen sie geistig wieder beweglich. Oder man unternimmt mit den Enkelkindern eine Zeitreise, indem man mit ihnen gemeinsam ein Fotoalbum durchblättert und von früher erzählt. Kinder lieben das und die Älteren fühlen sich gebraucht und verstanden. Das tut auch deren Gesundheit gut. Das gilt auch für Patientinnen und Patienten mit eingeschränkten motorischen Fähigkeiten, etwa wenn sie im Rollstuhl sitzen. Auch für diese Gruppe ist der Kontakt mit den Enkelkindern positiv und tut ihnen gut. Und Kinder sind sehr empathisch, sie stellen sich von ganz alleine auf die körperlichen Möglichkeiten ihres Gegenübers ein. 

Wie wirkt sich das im Alltag Ihrer Patientinnen und Patienten aus?

Sie sind beweglicher und erhalten etwa beim Gehen wieder mehr Sicherheit. Sie verfügen wieder über eine erhöhte Merkfähigkeit und ihre Feinmotorik verbessert sich. Und sie haben Freude am Leben, denn sie sehen, dass ihre Enkelkinder sie brauchen, dass sich diese freuen, wenn man sich trifft. Das tut der Seele gut. Und das tut letztendlich auch der Gesundheit gut, da sich die älteren Personen trotz zunehmender körperlicher Gebrechen, die Freude am Leben erhalten. 

„Enkelkinder tun der Seele und der Gesundheit der Großeltern gut.“

Dr. Irene Kührer 

Internistin und Expertin für Krebsvorsorge

www.irenekuehrer.at 

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