Erziehung

Die Digitale Nabelschnur

Soziale Medien dienen Kindern und Jugendlichen vermehrt als Kommunikationsplattformen, auf denen sie sich austauschen und Kontakt halten können. Die Begleitung durch die Eltern ist trotzdem notwendig.

Für viele Kinder und Jugendliche sind Soziale Netzwerke längst zentraler Bestandteil ihres Lebens. Während der Corona-Pandemie hat der Stellenwert von WhatsApp & Co aber nochmals massiv zugelegt. Sie dienen jungen Menschen heute auch als „digitalen Nabelschnur“ nach außen. Da das Kontakthalten mit Familie, Freunden und Schulkollegen über Monate hinweg schwierig war, haben Soziale Netzwerke massiv an Bedeutung als Kommunikationsplattformen zum Austausch miteinander gewonnen. „Kinder und Jugendliche haben sich in dieser für sie schwierigen Zeit digitale Räume geschaffen, wo sie gemeinsam abhängen konnten. Es war zwar kein vollwertiger Ersatz, aber sie haben versucht, das Beste daraus zu machen. Das Thema Kontakt halten online über digitale Medien ist daher auf jeden Fall wichtiger geworden und hat zugenommen“, erklärt Matthias Jax, Projektleiter von saferinternet.at.

„TikTok ist aktuell eine der wichtigsten Plattformen für Kinder und Jugendliche.“

Matthias Jax

Projektleiter von saferinternet.at

Kontakthalten im Vordergrund

Kinder treten mit durchschnittlich 11 Jahren ihrem ersten Sozialen Netzwerk bei und verwenden dann zwei bis drei Plattformen parallel. Die Netzwerke werden dabei bewusst für unterschiedliche Zwecke eingesetzt. Diese differenzierte Nutzung zeigt sich umso deutlicher, je älter die Kinder und Jugendlichen sind. Stand früher die Selbstdarstellung im Vordergrund, so ist nun das Kontakthalten und Kommunizieren mit anderen eindeutig die Hauptfunktion von Sozialen Netzwerken, ergab die Studie „Das Leben im Online-Stream: Soziale Netzwerke & Selbstdarstellung“ von saferinternet.at. An zweiter Stelle rangieren Information bzw. Unterhaltung. Erst dann folgen eigene Postings und Selbstdarstellung. Andere am eigenen Leben virtuell teilhaben zu lassen ist damit weniger wichtig geworden. „Die gezielte Auswahl von Plattformen und ein bewussterer Umgang mit Online-Selbstdarstellung sind Anzeichen einer Entwicklung hin zu einer reiferen Nutzung von Sozialen Netzwerken durch Jugendliche“, so Jax.

 

Beliebte Internetplattformen

Diese veränderten Nutzungsweisen bringen auch Verschiebungen im Ranking der verbreitetsten Internetplattformen österreichischer Kinder und Jugendlicher mit sich. Laut dem „Jugend-Internet-Monitor 2021“ ist WhatsApp mit 98 Prozent der klare Favorit bei jungen Nutzern, da es die wichtigste Plattform zum Kontakthalten mit Familie, Freunden und Schulkollegen ist und während der Pandemie auch für Lerngruppen bzw. zur gegenseitigen Unterstützung beim   Homeschooling Verwendung fand. Auf dem zweiten Platz landet YouTube (93 Prozent) als Info- und Entertainment-Channel, auf dem dritten Rang liegt Instagram mit 84 Prozent, das ebenfalls zum Kontakthalten sowie zur Information verwendet wird. Die Video-App TikTok (57 Prozent) hat während der Pandemie deutlich an Beliebheit gewonnen (+15 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr). Matthias Jax dazu: „TikTok ist aktuell eine der wichtigsten Plattformen für Kinder und Jugendliche, aber auch spannend für junge Erwachsene. Die Videos sind perfekt gemacht und man muss nicht lange überlegen, denn man schaut sich durch die 15 Sekunden langen Videos und braucht dafür nicht viel Aufmerksamkeit. Eine Stunde später hat man sich 100 Videos angesehen.“

Begleitung durch die Eltern

Auch wenn Jugendliche einen zunehmend „reiferen“ Umgang mit Sozialen Netzwerken pflegen und stärkeres Risikobewusstsein entwickelt haben, sind sie vor negativen Erfahrungen im Internet nicht gefeit. Daher ist es wichtig, gemeinsam mit dem Kind Rahmenbedingungen zu erarbeiten und es im Umgang mit den Sozialen Netzwerken zu begleiten und zu unterstützen. Eltern sollten sich aktiv dafür interessieren und in diese digitale Welt einmal gemeinsam mit dem Kind eintauchen und sich die Influencer und TikToker ansehen. Und ganz wichtig  –  nicht sofort die Augen verdrehen. Da die Protagonisten meist Kinder und Jugendliche sind, ist es eine ganz andere Lebensrealität als die eigene. „Man sollte sich erklären lassen, was das Spannende an der Person ist, warum sich das Kind dafür interessiert, was cool ist und auch was nicht gefällt. Und dann auch gemeinsam reflektieren, was einem als erwachsene Bezugsperson auffällt an dieser Person. Redet sie besonders brutal oder hat sie besonders wenig an. Man sollte ansprechen worauf man achten sollte. Zum Beispiel, dass keine Wertgegenstände im Hintergrund zu sehen sind usw. Das gibt dem Kind auch so ein bisschen das Gefühl, dass es ernst genommen wird in dem was es tut und hilft dabei, das Feedback anzunehmen“ so Jax.

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