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„Die Lurchpolizei gibt es eh nur in meinem Kopf!“

Erziehungsberaterin Linda Syllaba erklärt, wie Selbstfürsorge vor Überlastung schützen kann und zeigt auf, an welchen Stellschrauben Mamas drehen können, um sich besser abzugrenzen, öfters mal Nein zu sagen oder fünf gerade sein zu lassen.

Wie kann Selbstfürsorge konkret im Alltag ausschauen?

Linda Syllaba: Meiner Überzeugung nach findet Selfcare jeden Tag in kleinen Dosen statt: wie ich mit mir selbst umgehe, esse, schlafe, dusche, mit den Kindern spiele, meinen Kaffee trinke. Auftanken kann man an vielen Stellen – etwas Bewusstsein dafür und eigenverantwortliches Umsetzen hilft schon mal sehr. Natürlich kann es auch bedeuten, externe Ressourcen anzuzapfen, um sich Hilfe von außen zu holen, andere Familienmitglieder in die Pflicht zunehmen – den Partner etwa. Das alles wird aber erst dann möglich, wenn es ein Bewusstsein für die Wichtigkeit elterlicher Selbstfürsorge gibt. Und darüber, dass diese nichts mit Egoismus zu tun hat.

Wo liegen denn die Grenzen zwischen dem „sich ein dickes Fell zulegen“, also dem Aushalten dessen, was im nervenaufreibenden Familienalltag zumutbar ist und der typischen Überforderung?

Das ist sicher individuell verschieden. Wichtig ist meines Erachtens ein möglichst achtsamer Umgang mit sich selbst, damit es nicht zu einer Überlastung kommt. Eigene Grenzen zu achten und sich selbst zu schützen, ist für jeden Menschen wichtig. Und sich darüber klar zu sein, was wirklich wichtig ist im eigenen Leben, um die richtigen Prioritäten zu setzen. Dann braucht das Fell vielleicht ja gar nicht so dick zu sein. Wer genießen kann, wer weiß, wie man sich selbst gut abgrenzt und Freude an der Begegnung mit den eigenen Liebsten findet, hat schon sehr viel gewonnen!

 

„Eigene Grenzen zu achten, ist für jeden Menschen wichtig!“

Elterncoach Linda Syllaba

 

Wie können Mütter lernen, sich besser abzugrenzen, öfters Nein zu sagen und geduldiger mit sich selbst zu sein?

Mütter sollten sich in erster Linie selbst ernst nehmen und sich ebenso fürsorglich behandeln wie ihre Kinder. Nach dem Motto: Ich darf es auch mir recht machen. Hilfreich kann oft auch der Gedanke sein, dass es gar keine Lurch- polizei gibt (sondern eh nur in meinem Kopf) oder die Erkenntnis, dass man keineswegs immer alles alleine schaffen muss. Stichwort Väter, die oft nicht rangelassen werden an Kinder und Haushalt, weil die Frauen es vermeintlich besser wissen oder können. Da gibt es viele gedankliche Stellschrauben, an denen man drehen kann. Und man kann natürlich auch einfach mal Nein sagen, wo man bisher Ja gesagt hat, aber eigentlich Nein meint. Grenzen zu haben ist essenziell wichtig – auch in der Vorbildwirkung! Im Übrigen kann man ja auch sehr liebevoll Nein sagen.

Welche Rolle spielen Männer bzw. Väter in dieser Thematik?

Die elterliche Paarbeziehung kommt in unserer „Fürsorge-Hierarchie“ gleich nach dem „ich“. Sie bildet das Fundament der Familie. Wie die Statistik zeigt, zerbrechen ganz viele Liebesbeziehungen an Elternschaft. Mit einem Kind ändert sich einfach das ganze Leben, auch das der Väter! Die Paarbeziehung darf man sozusagen als das erstgeborene Kind in einer Liebesbeziehung behandeln, das Fürsorge und Pflege braucht, damit die Partnerschaft für beide Seiten eine nährende Ressource bleibt. Denn eine Liebesbeziehung bedeutet ja, sich für den anderen zu interessieren, sich zu sorgen, den anderen bei Bedarf zu entlasten. So viele Paare schaffen das nicht, im Gegenteil, sie entfremden sich immer weiter, beschuldigen einander, machen sich Vorwürfe. (Eigen)verantwortung zu übernehmen – das ist ein großes Defizit in unserer Gesellschaft. Kinder brauchen ihre Väter genauso wie die Mütter. Soviel ist fix. Und die Frauen brauchen ihre Männer, das macht das Familienleben soviel leichter und schöner, wenn man sich die Elternaufgabe in Liebe teilen darf. Natürlich müssen Väter auch Selbstfürsorge pflegen, weil auch sie sind sich selbst der wichtigste Mensch im eigenen Leben und können, genau wie die Mütter, nur dann gut für andere da sein, wenn sie selbst gut versorgt sind.

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