Erziehung

„Ich bestimme das, weil du noch jung bist und lernen musst, wie das Leben funktioniert!“

Psychiater Hans-Otto Thomashoff erklärt, warum gute Antworten auf Kinderfragen zur Schule des Lebens gehören. Wie Eltern mit ihren Erklärungen Orientierung und Halt schaffen. Und warum gerade kleine Leute auf die großen Fragen des Lebens ehrliche Antworten verdienen.

Welche Rolle spielen Kinderfragen in unserer Erziehung?

Sie sind ein wesentlicher Teil der Erziehung, weil Eltern mit den Inhalten ihrer Erklärungen bestimmen, welche Werte sie ihren Kindern vermitteln. Kurzum: Die Inhalte unserer Antworten geben vor, ob wir unsere Kinder im Rahmen einer liebevollen Beziehung dazu befähigen können, ein glückliches und stabiles Leben zu führen.

Inwiefern können unsere Antworten Stabilität und Orientierung vermitteln?

Indem Eltern ehrliche, nachvollziehbare Erklärungen liefern. Genau darum geht es in der Erziehung. Und mehr noch durch das gelebte Vorbild, indem all das Wissen vermittelt wird, dass Kinder zum Leben brauchen. Dazu gehört auch, dass ich wegen der Kinder nicht alles stehen und liegen lasse. Wenn ich keine Zeit für Antworten bzw. Erklärungen habe, dann muss ich das ehrlich sagen. Eltern geraten häufig in Stress, weil sie ständig ihren Kindern gerecht werden wollen und dabei oft ihre eigenen Bedürfnisse und Grenzen kaum wahrnehmen. Damit wird den Kindern ein schlechtes Bild von Elternschaft vorgelebt: nämlich dem, dass Eltern sein bedeute, den Kindern hinterherzurennen und selbst zurück zu stecken.

Wie gehen also gute Eltern-Antworten?

Gute Antworten sind ehrliche, authentische Antworten. Wenn ich selber keine Antwort habe, dann ist das o. k. und das soll auch so kommuniziert werden. Eltern sollen sich klar darüber werden, welche Dinge ihnen wichtig sind und was sie weitergeben möchten. Das Kind fragt zum Beispiel, warum es immer machen muss, was die Eltern wollen. „Weil ich es sage“ ist zwar eine beliebte Pauschalantwort, aber keine Erklärung.

Was wäre eine gute Antwort?

„Ich bestimme das, weil du noch jung bist und erst lernen musst, wie das Leben funktioniert.“ Klar haben Grenzsetzungen oft heftige Gefühlsausbrüche zur Folge, aber gehört zum Erziehen. Schließlich ist Erziehung die wirkliche Schule des Lebens. Elternwünsche sind dabei genauso erlaubt wie alle unsere Gefühle.

DDr. Hans-Otto Thomashoff

ist Psychiater, Erziehungsexperte und Bestsellerautor.

Welche Rolle spielen elterlichen Gefühle im Rahmen unserer Erklärungen?

Zu den psychischen Voraussetzungen für einen erfüllten Lebensentwurf zählt neben einer sicheren Bindung auch die Impulskontrolle. Also die Fähigkeit, Impulse gezielt zu steuern. Voraussetzung dafür ist wiederum der eigene Umgang mit Gefühlen – vor allem auch mit den schlechten. Genau dafür sollten Eltern ihren Kindern ein authentisches Vorbild sein.

Keine leichte Aufgabe! Was tun, wenn es ordentlich kracht und der Überblick fehlt?

Wir können uns unsere Gefühle nicht verbieten. Entscheidend ist, wie wir mit Wut & Co. umgehen und ob unser Verhalten für Kinder nachvollziehbar bleibt. Beschämen wir einander anschließend oder schieben wir uns gegenseitig die Schuld zu? Oder gehen wir ehrlich mit unseren Schwächen um? Kinder brauchen jedenfalls Berechenbarkeit, um sich sicher zu fühlen und bestimmt keine perfekten Eltern ohne Fehler.

Wie gehen Eltern mit Fragen um, die auf den ersten Blick eine Nummer zu groß sind?

Es ist unsere Aufgabe, Kindern gerade bei übergeordneten Fragen etwa zu Tod, Liebe oder Existenz Stabilität zu vermitteln, damit sie lernen, einmal selbst die für sich passenden Antworten zu finden. Sich etwa damit abzufinden, dass der Tod unausweichlich ist. Aus der Forschung ist bekannt, dass Menschen, die keine sichere Bindung erfahren haben, mit dem Thema Tod oder Abschied schwer zu Rande kommen.

Wie können unsere Antworten bezüglich Tod oder Gott lauten?

Das hängt natürlich von unserer kulturellen Prägung ab. Im Grunde läuft es immer darauf hinaus, welche Werte wir weitergeben möchten. Und gerade auch bei existentiellen Fragen zählt einmal mehr die sichere Bindung. Kinder brauchen Sicherheit, Halt, körperliche Nähe im Hier und Jetzt. Es ist absolut o. k., dass man selber keine Anwort hat – und das auch sagt. Dafür braucht das Kind die Gewissheit: Ich bin für dich da – und darauf kannst du zählen.

Nicht verzagen, Eltern fragen: In seinem neuen Buch „Was ist wirklich wichtig im Leben“ beschreibt Thomashoff, wie Eltern ihren Kindern Werte vermitteln.

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