Golden Generation

Leihoma, bitte kommen!

Sind die Großeltern nicht in Reichweite, bieten auch Leihomas (und -opas) Gelassenheit, Lebenserfahrung und liebevolle Unterstützung. In der Südoststeiermark hat sich ein Netzwerk formiert. Zwei Omas erzählen. 

„Man soll sich nicht täuschen“, sagt Edith Rath, „gerade auch auf dem Land ist der Bedarf enorm. Wir waren wirklich überrascht, wie viele Leute sich gemeldet haben.“ Eigentlich hatte sich Rath, der zu Hause als Hausfrau ein „bissl fad“ gewesen war, bloß überreden lassen, an einem Kurs teilzunehmen: einem „Leihomakurs“, kostenlos organisiert von Innova, die Frauen- und Mädchenservicestelle in Feldbach. Über ein halbes Jahr lang wurde darin alles vermittelt, was eine ordentliche Leihoma braucht: kreative Spielideen, gesunde Ernährung, auch ein Erste-Hilfe-für-Kinder-Kurs beim Roten Kreuz stand auf dem Programm. Mittlerweile wird Edith Rath nicht mehr langweilig. Sieben Kinder in fünf Familien betreut die 54-Jährige regelmäßig. Milli, Marika, Matteo, Kilian, Aurelia, Fabian und Florian. Auf 15 Leihoma-Stunden kommt sie in der Woche; nachmittags, an Wochenenden, manchmal auch abends („damit die Eltern ausgehen können“), immer zu Hause bei den Familien. „Wir sind der verlängerte Arm von Mama und Papa, wir richten uns ganz nach den Vorgaben der Eltern: Dürfen die Kinder naschen, dann dürfen sie das auch bei uns. Dürfen sie es nicht, dann sind wir auch konsequent.“ 

Leihoma, steuerfrei zum Stundensatz

 

Wenn Edith Rath von „wir“ spricht, dann meint sie jene sechs Omas und einen Opa, die sich nach dem Absolvieren des Kurses zusammengetan haben und auf einer Website ihre Services anbieten. Genau genommen handelt es sich um eine Dienstleistung. Verrechnet wird über einen Dienstleistungsscheck. Den kaufen die Eltern, füllen ihn gemeinsam mit der Leihoma aus, die damit für die Betreuungs-zeit auch versichert ist, und das Honorar – 13 Euro 40 die Stunde – landet steuerfrei am Konto des Dienstleistenden. Edith Rath ist keine Anfängerin. Vor 30 Jahren hat sie als Tagesmutter gearbeitet. „Vor allem mit Kleinen kann ich richtig gut – deshalb biete ich mich auf meinem Steckbrief auch für Kleinkinder bis zum Volksschulalter an.“ 

„Aufgrund der Entfernung sehe ich meine Enkeltochter viel zu selten“, bedauert Gabriele Pillinger. Seit Anfang 2021 bietet sie in der Südoststeiermark ihre Dienste als Leihoma an. Im Foto hat sie ihre leibliche Enkeltochter am Schoß. 

Achtsamkeit, Spiele und Bewegung

 

Trotz ihrer Erfahrung im Umgang mit Kindern ist Rath eines wichtig: „Man darf uns nicht mit Kindergärtnerinnen verwechseln. Wir haben keine pädagogische Ausbildung. Wir sind einfach nur da, schauen was das Kind braucht und entlasten die Eltern.“ Am liebsten ist sie mit den Kleinen an der frischen Luft und draußen in der Natur. „Sport, Spazieren-gehen, Bewegung draußen, das ist wunderbar“, sagt sie. „Laufen, Ballspielen, Schauen. Gerade Kleinere schauen ja noch viel. Das ist eine sehr achtsame Tätigkeit. Da ist es dann egal, ob wir im Garten der Eltern bleiben, in einen Park gehen oder im Wald sind.“ 

„Ich kann sagen, dass alle Beteiligten von dieser Form der Kinderbetreuung profitieren“, sagt Gabriele Pillinger. Auch sie ist Leihoma, eine der sechs Kursabsolventinnen, und fühlt sich durch ihre neu gewonnenen Leihenkerln gut ausgelastet und bereichert. „Seit Februar 2020 bin ich das erste Mal Oma geworden. Aufgrund der Entfernung sehe ich meine Enkeltochter viel zu selten“, steht auf ihrem Steckbrief. Für Kinder im Babyalter ist sie ebenso zu haben wie für Pubertierende bis 14, die Betreuung brauchen. Mit zwei Zweijährigen spielt sie regelmäßig, erkundet die Gegend („Wenn wir genug Zeit haben, marschieren wir in den Wald, um die Hexe zu besuchen – leider konnten wir ihr Haus immer noch nicht finden.“), einer der Buben liebt Schmetterlinge, singt gerne. Ein 9-jähriges Mädchen holt sie zweimal wöchentlich von der Schule ab, weil da die Mutter länger arbeitet. „Dann gehen wir mit den beiden Hündinnen Gassi. Anschließend lernen wir – oder spielen gleich Spiele, machen Handarbeiten, schauen gemeinsam Serien oder haben einfach Spaß.“ Der Bedarf an Leihomas steige, meint Gabriele Pillinger. „Sehr viele Eltern wünschen sich zur Betreuung ihrer Kinder eine Oma – oder einen Opa – anstelle einer Studentin oder eines Studenten.“ Woran das liegt? „Ich kann mir vorstellen, dass Omas einfach gelassen und ruhig bleiben“, schmunzelt sie. Gelassenheit und Lebenserfahrung kommen schließlich nicht von heute auf morgen. 

 

INFOS:

Service in der Südoststeiermark: www. leihopa-oma.at 

Bundesweite Vermittlung: www.babysits.at 

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