Golden Generation

Spielkameraden & Lebensberater

Durch das enge Verhältnis zwischen Großeltern und Enkelkindern kommt Oma und Opa eine wichtige, vertrauensvolle Rolle zu. So sind sie auch oft Ansprechpartner bei Sorgen und Problemen.

Die Beziehung zwischen Großeltern und Enkelkindern ist etwas Besonderes. Als Mitglieder der engeren Familie sind sie wichtige Bezugspersonen für Kinder und meist ist die Beziehung auch von einem besonderen Vertrauensverhältnis geprägt. Kinder profitieren von der großelterlichen Ruhe und Geduld, die vielen Eltern im Alltagsstress manchmal abhanden kommt. Auch wenn Großeltern heutzutage manchmal selbst noch im Arbeitsprozess stehen und eine aktive Freizeitgestaltung haben, nehmen sie sich die Zeit, für ihre Enkelkinder da zu sein und sie in den Mittelpunkt zu stellen. Großeltern möchten einfach die Zeit mit ihren Enkelkindern genießen und für sie da sein. Durch das enge Verhältnis sind sie aber nicht nur Spielkameraden, sondern auch gute Zuhörer und Ratgeber bei Problemen, die Kinder mit den Eltern vielleicht nicht so gerne besprechen möchten. Laut dem „Generationen-Barometer“ des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag des Forums „Familie Stark Machen“, gaben zwei Drittel der 16- bis 29-jährigen Befragten an, die Großeltern hätten sie geprägt oder sie hätten etwas von ihnen gelernt.

Sicherheit und Unterstützung

 

„Großeltern geben Sicherheit und Unterstützung. Durch ihr Alter haben sie eine andere Perspektive, viele Dinge werden nicht mehr so tragisch genommen und entspannter gesehen. Sie stehen nicht mehr so unter Druck, sind eine Generation weiter. Man hat nicht mehr diese Erziehungsaufgabe und steht nicht mehr voll in der Verantwortung. Als Großeltern hat man mehr Ruhe, mehr Zeit und oft auch mehr Spaß und mehr Luft für seine Funktion. Das Vertrauensverhältnis ist ungezwungener, lockerer. Großeltern sind in einer beratenden Funktion, aber nicht in einer Erziehungsfunktion. Sie haben da eine sehr weiche Rolle inne“, erklärt Karoline Wekerle, Klinische- und Gesundheitspsychologin und Diplompädagogin. Durch das ungezwungene Verhältnis vermitteln Großeltern ihren Enkeln viel Geborgenheit und Liebe. Hinzu kommt, dass es bei Oma und Opa oft weniger Regeln einzuhalten gibt. Weil Großeltern sich nicht um Alltagsdinge kümmern müssen, können sie großzügiger und toleranter sein. Kinder dürfen vielleicht länger aufbleiben, mehr Süßigkeiten naschen oder Dinge tun, die zu Hause nicht erlaubt sind. Doch auch dabei können Kinder etwas lernen. „Durch die unterschiedlichen Regeln erleben Kinder, dass nicht alle Erwachsenen gleich sind, dass die Großeltern vieles ganz anders machen als Mama und Papa. Das erweitert das kindlichen Erfahrungsfeld ungemein und sie lernen auch ein breiteres Leben kennen“, so Wekerle. Wichtig ist, klar zu definieren, dass es in Ordnung ist, dass zu Hause bestimmte Regeln gelten und bei Oma und Opa eben andere. Wenn Eltern mit etwas nicht einverstanden sind, sollten sie das ebenfalls klar sagen. So ist es für die Kinder leicht zu leben und sie kommen nicht in einen Loyalitätskonflikt.

Gemeinsam Zeit verbringen

 

Damit ein Kind eine enge Bindung zu seinen Großeltern aufbauen kann, ist vor allem gemeinsam verbrachte Zeit ein wichtiger Faktor. Kommen Oma und Opa nur alle paar Monate vorbei, da sie vielleicht weiter weg oder in einer anderen Stadt wohnen, werden sich die Enkel schwertun, ein vertrauensvolles Verhältnis zu ihnen aufzubauen. Denn gemeinsame Erlebnisse schaffen Vertrauen und Liebe. Zu den verbindenden Erlebnissen gehören, gerade auch durch die Corona-Krise und die damit verbundenen Lockdowns, Telefonate, WhatsApp Nachrichten und Skype-Anrufe. Denn was zählt ist die gemeinsam verbrachte Zeit, es geht um die Qualität der Gespräche und den Austausch von Gefühlen und Erlebtem.

Emotionaler Anker

 

Die Beziehung zwischen Enkel und Großeltern baut sich schon von Geburt an auf. Sind die Großeltern bei den Kleinen zunächst vor allem Babysitter, geduldige Spielpartner und beliebte Begleiter bei Ausflügen, werden sie später, wenn die Kinder älter werden und auch ihre Sorgen und Nöte wachsen, zum wichtigen Gesprächs- und Diskussionspartner. Die positiven Gefühle und der liebe- volle Umgang zwischen Enkeln und Großeltern führt zu einem Gefühl der Geborgenheit, und so werden Großeltern gerade in Konfliktsituationen zu einer stabilen Konstante oder einem „emotionale Anker“ in stürmischen Zeiten, indem sie emotionale und soziale Unterstützungsfunktionen übernehmen. Wo sich Eltern und Kinder schon einmal in die Haare geraten, können Oma und Opa oft mit mehr Abstand vermitteln und helfen. Unter günstigsten Umständen kann diese Brückenfunktion auch während der Pubertät bestehen bleiben. Da Großeltern keine direkte Erziehungsverantwortung haben, fällt es Kindern auch leichter, sich ihnen anzuvertrauen und Sorgen sowie Probleme, die sie beschäftigen, zu besprechen. Wo Eltern vielleicht ängstlich reagieren oder Kinder Strafe befürchten, bleiben Großeltern gelassener und erteilen in ruhigem Ton Ratschläge. „Großeltern lieben ihre Enkel uneingeschränkt ohne Wenn und Aber. Ihre Rolle ist weicher als die der Eltern, deshalb fällt es Kindern auch leichter, Ratschläge anzunehmen. Als Großelternteil vermittelt man keine fixe Idee, man bietet seine Wertvorstellung oder seine Idee zu diesem Thema an. Ein nigerianisches Sprichwort lautet: „Um ein Kind aufzuziehen, braucht es ein ganzes Dorf“. Großeltern gehören dabei in den engsten Kreis des „Dorfes“. Außerdem verfügen Oma und Opa über Wissen und Erfahrungen, die sie an ihre Enkel weitergeben und von denen diese profitieren können“, so Wekerle. Enkel können aber auch handwerklich viel von ihren Großeltern lernen. Eltern fehlen oftmals die Gelegenheiten, ihren Kindern ein paar handwerkliche Fähigkeiten beizubringen. Großeltern haben dagegen nicht nur die Zeit ihren Enkeln Dinge wie Handarbeiten, ein Flugzeug basteln oder backen beizubringen, sie haben auch die nötige Geduld dazu.

Viele Omas und Opas sind „Spaßgroßeltern“, mit denen man sportlich aktiv sein und herumtoben kann.

Rücksichtnahme lernen

 

Viele Omas und Opas sind „Spaßgroßeltern“, mit denen man sportlich aktiv sein und herumtoben kann. Aber das trifft natürlich nicht auf alle zu, denn durch Krankheit oder körperliche Gebrechen sind manche Großeltern nicht mehr in der Lage, aktiv mit ihren Enkeln zu spielen. Kinder lernen auch durch die Rücksichtnahme auf ihre Großeltern. Das tut der Enkel-/Großelternbeziehung aber keinen Abbruch. „In der Regel sind Kinder empathisch. Sie sehen was die Großeltern noch können und passen sich an. Sie merken, die Großmutter kann jetzt nicht mehr herumlaufen im Garten, aber sie kann sitzen und spielen und sie nehmen auch diese Spielangebote gerne an. Kinder haben mit Altwerden oder Krankheit kein Problem. Kleinere Kinder nehmen die Situation so an, wie sie ist. Wenn die Großeltern nicht mehr so gut gehen können, machen sie mit ihnen halt etwas anderes. Sie schauen ein Bilderbuch an oder bauen einen Turm. Kinder brauchen gar nicht das große Entertainment. Es geht mehr darum, Zeit mit den Großeltern zu verbringen. Es geht grundsätzlich um die Beziehung, um die Qualität des Beisammenseins“, so Karoline Wekerle.

Die Beziehung zwischen Enkel und Großeltern baut sich schon von Geburt an auf. Mit Oma und Opa können Kinder eine ungezwungene Zeit verbringen.

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