Endlich Oma! Endlich Oma? So kann das Miteinander von Großeltern, Kindern und Enkelkindern gelingen
Die Freude über das Enkelkind ist riesengroß und du möchtest die Familie gerne unterstützen, eine Beziehung aufbauen und deine Rolle mit viel Liebe ausfüllen. Auf der anderen Seite ist da das Bedürfnis, dein eigenes Leben unabhängig zu führen und endlich lang hintangestellte Träume verwirklichen.

Ein Enkelkind ist unterwegs! Mit dieser Nachricht verändert sich nicht nur der Familienkosmos der Kinder und Schwiegerkinder. Auch die Großeltern sind gefragt, sich Gedanken über die neue Rolle im System zu machen.
Mit ihrem Buch „Oma werden, Oma sein. Der eigene Weg in ein gutes Miteinander mit Enkeln und Kindern“ haben die Psychologin und Psychotherapeutin Gundi Mayer-Rönne und Autorin Carina Manutscheri einen Wegbegleiter für werdende Großeltern geschrieben und gehen damit der Frage auf den Grund: Wie viel Oma (oder Opa) will ich sein?
Die gute Nachricht: Das Klischee der Kuchen backenden Großmütter und bebrillten Großväter im Schaukelstuhl ist längst passé. Die Generation 50 + hat eben erst erlebt, wie die eigenen Kinder selbstständig werden und flügge werden. Und jetzt soll das Nest bald wieder voll sein?

Unverzichtbare Unterstützung
Die Großeltern haben hohe Ansprüche an diesen Lebensabschnitt. Die eigene Karriere, ein erfülltes Berufsleben, Sport, Reisen, die Zweisamkeit mit dem Partner oder der Partnerin und die Belebung von Freundschaften sind wieder in den Mittelpunkt gerückt. Gleichzeitig möchten sie am Leben der Kinder und Enkel teilhaben, präsent sein und mit voller Kraft und Liebe unterstützen. Wie aber schafft man den Spagat zwischen den eigenen Bedürfnissen und dem inneren Anspruch für Kinder und Enkelkinder dazu sein? „Es war uns ein Anliegen, ein Mutmachbuch für alle werdenden und bereits aktiven Großmütter, die diesen neuen Abschnitt bewusst, liebevoll und im Einklang mit sich selbst gestalten möchten, zu verfassen. Denn diese Rolle birgt unglaublich viele neue Facette, um mit den kommenden Generationen in Verbindung zu sein“, meint Gundi Mayer Rönne, „Es gibt nicht die eine richtige Art, Oma zu sein – sondern viele individuelle Wege.“
Je nachdem, welche Ressourcen zur Verfügung stehen und in welchem Ausmaß diese dem Kind, Schwieger- und Enkelkind zur Unterstützung angeboten werden können. „Was ist im Moment wirklich wichtig für mich als Oma, als Frau, als Mutter, wo liegen meine Prioritäten? Mit einem klaren Nein können Eltern nämlich viel besser umgehen als mit einem halbherzigen Ja!“, erklärt Co-Autorin Carina Manutscheri, selbst Mama von zwei Buben, aus eigener Erfahrung.Unsere Gesellschaft hat sich in vielerlei Hinsicht wesentlich verändert, seitdem die Generation Oma selbst Kind war. Berufstätige Eltern sind auf die Unterstützung der Großeltern angewiesen, sie leisten in vielen Familien einen wesentlichen Beitrag zur Carearbeit. Ein oder mehrere fixe Wochentage nach dem Kindergarten, spontane Krankenbetreuung, Begleitung zu Sport- und Freizeitspaß der Kinder, aber auch Übernachtungsbesuche, damit die Eltern auch wieder einmal Zeit für sich haben – in allen Bereichen sind Großeltern unverzichtbare Stützen im Alltag der Jungfamilie.

Das A und O
Dass hier Konfliktpotenzial liegt, ist wenig überraschend. „Unser Idealbild von Familie schließt Differenzen aus. Dabei ist es so wichtig, zu lernen, unsere Bedürfnisse wahrzunehmen und zu kommunizieren“, ist Gundi Mayer-Rönne überzeugt. Aber auch Fragen zum Thema Kindererziehung, hinderliche Glaubenssätze, die uns prägen, aber auch zwischenmenschliche Erwartungshaltungen geben – oft auch unausgesprochen – Anlass für Krisen im Familiensystem. „Mit dem Blick der Allempathie gelingt es uns, die Haltung, die momentane Emotion oder Erwartungen des Gegenübers besser zu verstehen. Diesen großzügig und verständnisvoll Raum zu geben, erleichtert es uns, Gefühle einzuordnen“, so Gundi Mayer-Rönne. Die 5-fache Oma weiß: „Die eigenen Gefühle offen zu benennen, ist in unserer Gesellschaft nicht üblich, doch es ist ein wirksames Instrument. Es ist nie zu spät, zu üben!“ Mit den „10 goldenen Regeln der Kommunikation“ möchte sie Familien ein Werkzeug dafür in die Hand legen. Denn das A und O ist in Beziehung sein.
10 goldene Regeln der Kommunikation
1. Gib niemals Ratschläge – Lösungsangebote sind nur dann angebracht, wenn du ausdrücklich darum gebeten wirst.
2. Sei dir bewusst, welches Ziel du mit deinen Handlungen und deinen Worten verfolgst.
3. Wenn du dich beim Abwerten ertappst (gleichgültig, um welches Familienmitglied es sich handelt), sei dir bewusst, dass du die Motive dieser Person noch nicht verstanden hast. Liebevolles Nachfragen (statt negativer Unterstellungen) hilft!
4. Die Eltern haben alle Fähigkeiten, ihre Probleme zu lösen. Du kannst sie dabei unterstützen, mehr nicht.
5. Es gibt kein Paradies auf Erden, die Lösung eines Problems erzeugt neue Herausforderungen. Bleib im Fluss des Lebens.
6. Sei demütig. Du kannst von jedem Menschen und jeder Situation lernen.
7. Genieße die schönen Momente, auch sie gehen vorbei.
8. Erkenne deine Grenzen, und sorge gut für dich, auch wenn Eltern und Enkelkinder enttäuscht sind.
9. Nimm die Gefühle aller Beteiligten ernst, auch deine eigenen. Hinter Wut, Ärger, Eifersucht, Schmerz oder Angst stecken tiefe Bedürfnisse, die es zu benennen gilt. Erst dann finden wir angemessene Lösungen.
10. Wenn du merkst, dass du einen Vorwurf formulierst, mache daraus eine Bitte. Aber Achtung, bitte immer um etwas Konkretes. Wir können nicht um Liebe, Respekt oder darum bitten, dass der andere etwas nicht tut. Es macht einen großen Unterschied, ob ich jemand bitte, »nicht immer nur so herumzuliegen«, oder »bitte geh für mich einkaufen«. Auch abstrakte Bitten ohne konkrete Umschreibung, wie »bitte hilf mir«, haben wenig Aussicht auf Erfolg.
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