Geocaching: gesucht und gefunden!
Ist man erst einmal vom Fieber gepackt, wird Geocaching schnell zum Hobby für die ganze Familie.

„Nicht schon wieder!“ Das sagt das Gesicht von Gubi, wenn seine outdoorbegeisterten Eltern wieder einmal einen Ausflug in die Natur vorschlagen. Gubi ist neun Jahre alt und wohnt im 14. Bezirk in Wien. Sobald er hört, dass er einen Ausflug nach draußen mitmachen soll, sucht er sich eine Ausrede und bleibt gerne bei einer der Nachbarsfamilien im Haus. Doch seit einiger Zeit gehen die Kinder selbst gerne raus – wenn auch teilweise nur für kurze Streifzüge in die Umgebung. Sie haben auf ihren Smartphones Geocaching installiert und begeben sich damit auf die Suche nach den in dem Programm angegebenen Punkten. Manchmal besteht die Belohnung nur daraus, an einem Punkt eine kleine Dose zu finden, ein anderes Mal gilt es, vor Ort ein kleines Rätsel zu lösen, und in wieder anderen Geocaches sind kleine Boxen versteckt. In diesen haben andere Spieler kleine Gegenstände oder Spielsachen hinterlegt, und die Kinder bringen eigene mit, um sie zu tauschen. Es würde ihnen nie einfallen, diese einfach zu stehlen, dazu nehmen sie das Spiel viel zu ernst.
Digitale Schnitzeljagd
Die altbekannte Schnitzeljagd war immer schon eine Möglichkeit, durch das Spiel und den damit verbundenen Gewinn zusätzlichen Anreiz zu schaffen, die Couch und das Haus zu verlassen. Nicht umsonst nennen Erwachsene diesen Vorgang kleiner Belohnungen in Job oder Privatleben Gamification. Hinter dem Namen Geocaching verbirgt sich eine moderne Form der Schnitzeljagd, die mit GPS-Gerät oder GPS-fähigem Smartphone funktioniert und sowohl für Kinder als auch für Erwachsene geeignet ist. „Bei einem derart schnell wachsenden Angebot an TV-Serien, Handy- und Play- Station-Spielen wird es immer schwieriger, die Kinder nach draußen zu locken. Können sie bei diesen Entwicklungen nicht mitreden, werden sie in der Schule außerdem schnell zu Außenseitern“, ist auch Christian Harzl, Mitbetreiber der Informationsplattform geocaching.at, der Meinung. Er glaubt an den Anreiz, der durch die Jagd nach den Dosen geschaffen wird, und ist auch davon überzeugt, dass Geocaching für alle Altersklassen geeignet ist: „Anfangen kann man eigentlich schon mit vier Jahren, wenn Kinder dem Richtungspfeil am GPS-Gerät oder Smartphone folgen können“, ergänzt er.
Caches sind überall!
Im Jahr 2000 wurde in der US-amerikanischen Stadt Portland der erste Cache versteckt. Die Geschichte des Geocaching ist also noch vergleichsweise jung. Umso beeindruckender, dass die Zahl der in Österreich versteckten Caches bei circa 84.000 liegt. „Es ist also praktisch unmöglich, nicht von Geocaches umgeben zu sein oder in der Nähe eines Caches zu wohnen. Wenn man möchte, kann man also direkt vor der eigenen Haustüre starten“, erklärt Harzl. Geocacher sind sowohl am Land als auch in den Städten aktiv und sorgen mit ihren oft ausgefallenen Verstecken dafür, dass man sich plötzlich in bislang völlig unbekannten Ecken der eigenen Stadt wiederfindet.
Obwohl beim Geocaching natürlich der Spaß im Vordergrund stehen soll, ergibt sich gerade für Kinder und Jugendliche eine ganze Reihe unterschiedlicher Lerneffekte. „Man bringt den Kindern nicht nur bei, mit offenen Augen durch die Natur zu laufen, sondern lernt immer wieder neue Orte kennen und dadurch auch viele neue Bauwerke, Kirchen und Städte“, erklärt Autor Frank Trepte, der mit seinen Romanen dazu beitragen möchte, dass Geocaching bekannter wird. Auch Christian Harzl betont, dass es in erster Linie darum geht, Spaß zu haben und draußen zu sein, ergänzt aber, dass die Kinder so ihren Orientierungssinn trainieren und lernen, Karten zu deuten. Es hilft, das Spiel selbst versucht zu haben, um die Begeisterung eines Geocachers für sein Hobby zu verstehen.
Wie der deutsche Comedian Ingo Oschmann in seinem Buch „Jäger des versteckten Schatzes“ erklärt, geht es schließlich in erster Linie um den Moment, in dem man den gefundenen Schatz endlich in Händen hält. Die größte Enttäuschung für Gubi und seine Nachbarn ist dann auch, wenn sie einem Punkt folgen, das Versteck aber nicht finden. Glücklicherweise sind die nächsten begehrten Geocaches meist in direkter Umgebung.
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