Jede Rolle muss besetzt werden – auch die Bösen
Der aktuelle Kinofilm „Das geheime Stockwerk“ begegnet der Zeit des Nationalsozialismus aus der Sicht von Kindern. Schauspieler Ben Winkler spielt darin einen Buben, der auf der falschen Seite der Geschichte steht

Der 9-jährige Ben Winkler – bekannt auch aus der schwarzen Komödie „Rickerl“ mit Voodoo Jürgens – verkörpert in „Das geheime Stockwerk“ den Burschen Hermann, der aus einem Nazi-Elternhaus stammt. „familiii“ traf den niederösterreichischen Schauspieler zum exklusiven Interview im Kaffeehaus und um zu erfahren, was Kinder von einem Kinder-Schauspieler so wissen wollen, stammen die Fragen diesmal von zwei Kinderreportern. Ben erzählt den Brüdern Oskar (9) und Jakob Jasch (11), wie es am FilmSet zugeht, wie er mit dem ernsten Thema des Films umgeht und wie es ist, einen „Unsympathler“ zu spielen.
Man kann eigentlich nichtsfalsch machen – wozu also nervös sein?
STECKBRIEF
BEN WINKLER
Schauspieler, Kinderdarsteller & Schüler
Alter: 9 Jahre
Wohnort: Wampersdorf (NÖ)
Hobbys: Fußball, Eishockey, Rollenspiele
FILME & ROLLEN:
Das geheime Stockwerk (2025), ROLLE: Hermann Hartwig
Zwei gegen die Bank (2024), ROLLE: Trystan
Die Fälle der Gerti B. (2024), ROLLE: Kleiner Rüpel
Rickerl – Musik is höchstens a Hobby (2023), ROLLE: Rickerls Sohn Dominik

Oskar: Ben, wie bist du zum Schauspielen gekommen?
Ben: Mein älterer Bruder, der bereits Theater und Musical gespielt hat, nahm mich mal mit zu seiner Agentur. Da machten wir auch Fotos von mir und kurz darauf wurde ich für meinen ersten Film angefragt. Da war ich vier und das was auch noch eine kleinere Rolle.
Oskar: Was ist für dich das Aufregendste am Film-Set?
Ben: Eigentlich ist das Drehen mehr anstrengend als aufregend. Manchmal wird einem auch langweilig, weil viele Szenen sehr oft wiederholt und verschiedenen Einstellungen gedreht werden. Daher habe ich immer ein Buch dabei. Oder Spiele. Es braucht jedenfalls viel Geduld.
Oskar: Also bist du sehr geduldig?
Ben: Beim Filmdrehen auf jeden Fall. Was Schule oder Hausaufgaben betrifft, eher weniger. (lacht).
Jakob: Apropos. Wie vereinbarst du Dreharbeiten mit der Schule?
Ben: Das ist manchmal schon stressig, aber beim „Geheimen Stockwerk“ fand ein Großteil der Dreharbeiten in den Ferien statt. Meine Mama schaut immer drauf, dass ich alles für die Schule gleich erledige, auch an hektischen Drehtagen. Denn die Schule steht immer an erster Stelle.
Oskar: Wie fühlt es sich an, sich selbst in einem Film zu sehen?
Ben: Jetzt bin ich schon daran gewöhnt. Am Anfang war es schon sehr beeindruckend.
Oskar: Wie gelingt es dir, in eine Rolle zu schlüpfen oder bestimmte Gefühle zu zeigen, obwohl du vielleicht gerade ganz anders drauf bist?
Ben: Ich muss am Set kurz allein sein. Da konzentriere ich mich ganz auf die Rolle und stelle mir die Situation oder eben das Gefühl vor. Und dann ist es plötzlich da.
Jakob: Wie war es für dich, den unsympathischen, böswilligen Hermann zu spielen?
Ben: Im Film müssen nun mal alle Figuren besetzt werden und ich spiele die Rolle, die ich bekomme.
Oskar: Wie merkst du dir deinen Text?
Ben: Ich lerne ihn zwar auswendig, aber beim Drehen sage ich die Sätze oft in meinen eigenen Worten.
Jakob: Wie hast du dich auf das Themen des Nationalsozialismus vorbereitet?
Ben: Der Regisseur hat mit uns darüber gesprochen und wir hatten die Möglichkeit, Zeitzeugen zu treffen. Außerdem hat mir meine Mama viel darüber vorgelesen und meine Lehrerin hat anlässlich des Films das Thema in der Schule aufgegriffen, obwohl es noch nicht am Lehrplan steht. Wir haben mit der Klasse sogar einen Zeitzeugen besucht.

Jakob: Was hat dich auf der „Zeitreise“ in das Jahr 1938 besonders bewegt?
Ben: Furchtbar, was in dieser Zeit passiert ist. Allein die Vorstellung, dass man nicht einmal seine eigene Meinung sagen darf, finde ich erschreckend.
Oskar: Wie wurden die Szenen mit dem Aufzug gedreht?
Ben: Dieser Lift war gar nicht in einem Hotel, sondern in einem Studio in Luxenburg nachgebaut.
Jakob: Ihr habt am Semmering, in Bad Gastein und in Luxemburg gedreht. Warst du da alleine?
Ben: Meine Mama begleitet mich meistens zu den Drehorten.
Oskar: Entstehen beim Drehen auch Freundschaften?
Ben: Schon. Wobei die meisten Kinder aus dem „Geheimen Stockwerk“ aus Deutschland stammen. Am ehesten sehe ich den Maxi (red. Anm.: Maximilian Reinwald), der den Schuhputzer Georg spielt und in Salzburg lebt.
Oskar: Im Film trägst du Lederhosen und einen typischen Nazi-Kurzhaarschnitt mit Seitenscheitel. Wie ist es dir mit diesem Styling ergangen?
Ben: Die Lederhose war sehr kurz und eng – Lederhosen halt. Meine Haare waren sehr schief geschnitten, was nicht so toll war. Aber was soll’s. Das Kostüm ist nun einmal Teil der Rolle, auch wenn ich selber am liebsten ein Fußball-Dress anhab’.
Jakob: Wie finden es eigentlich deine Freunde, dass du Filmdarsteller bist?
Ben: Mein bester Freund findet das richtig cool. Manche Kinder sind auch ein bisschen neidisch.
Oskar: Wurdest du schon einmal in der Öffentlichkeit erkannt?
Ben: Ja, in einem Eiscafé in Hamburg, nach der Welt-Premiere von „Rickerl“.
Oskar: Was steht bei dir in den Freundschaftsbüchern bei Berufswunsch?
Ben: Früher Fußballer. Jetzt schreibe ich immer Schauspieler (schmunzelt).
Oskar: Du spielst aber noch Fußball, nicht wahr?
Ben: Ja, beim VS Wimpassing und Eishockey spiele ich auch.
Oskar: Was tust du gegen Lampenfieber – also speziell auch bei Interviews oder Premieren?
Ben: Ich bin bei sowas nicht so angespannt, auch nicht beim Drehen. Meine Mama hat einmal gesagt: Es gibt keine falsche Antwort und ich muss auch nicht antworten, wenn ich nicht möchte. Und deshalb denke ich mir: Wenn ich nichts falsch machen kann, warum soll ich dann nervös sein?

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