Kleine Naturforscher unterwegs
Barfuß über den Waldboden laufen, die Füße in den kalten Bach strecken oder Bachflohkrebse und anderes Getier im Wasser beobachten: Bei Rangerführungen erleben Kinder Natur hautnah.

Zuerst hören die Kinder nur das leise Brummen eines LKWs und das Rauschen der Autos auf der entfernten Bundesstraße. Es dauert ein paar Augenblicke, bis sie auch andere Geräusche im Wald wahrnehmen. Das sanfte Säuseln des Windes, das Zwitschern der Vögel, ein Rascheln im Geäst. Was könnte das gewesen sein? Behutsam leitet Doris Ramschek, Rangerin im Nationalpark Gesäuse und im Nationalpark Kalkalpen, ihre jungen Gäste an, die Ohren zu spitzen. „Wie bei einem Puzzlespiel überlegen wir gemeinsam, woher die Geräusche kommen. Je öfter die Kinder das machen und je länger sie im Wald sind, desto mehr werden auch ihre Sinne geschärft.“
Doris Ramschek führt regelmäßig Gruppen von Kindern und Jugendlichen durch den Wald, an den Bach und über die Wiesen des Nationalparkgeländes. Mit allen Sinnen erleben die jungen Besucher bei diesen Führungen die Natur hautnah. Laufen barfuß über den Waldboden, riechen an feuchtem Moos, liegen im Gras und beobachten krabbelndes Getier. „Ein Erlebnis für alle“, sagt Ramschek. „Kinder sind definitiv kleine Naturforscher, die von sich aus neugierig sind. Kinder und Natur, das gehört zusammen“, ist die Rangerin überzeugt.

Mit Fangnetzen nach Wassertierchen fischen
Am Bach strecken die Kinder Hände und Füße ins kalte Wasser, riechen und schmecken das Wasser und machen sich auf die Suche nach seinen Bewohnern. Mit kleinen Fangnetzen fischen sie nach Bachflohkrebsen und Eintagsfliegenlarven, um sie in den mitgebrachten Wasserwannen näher zu begutachten. Besonders spannend: Die Köcherfliegenlarve, die sich aus Steinchen und Schilfstückchen eine Behausung baut. Ganz vorsichtig dürfen die Kinder die kleinen Köcher der Larve aus dem Wasser heben. „Uns ist es ein großes Anliegen zu vermitteln, dass man auch mit den ganz kleinen Tieren sorgsam umgeht. Oft fehlt den Kindern der Bezug zu Tieren wie Fliegen oder Gelsen, die sie hauptsächlich als lästig erleben. Sie staunen, wenn sie erfahren, dass jedes Tier ein Teil der Nahrungskette und wichtig ist.“ Mit diesem Wissen wird auch die Ameise, die über das Jausenbrot krabbelt, auf einmal ganz anders wahrgenommen. Richtig große Tiere bekommt man im Nationalpark eher selten zu Gesicht. „Es kann sein, dass eine Gämse vorbeiläuft oder der Adler aufsteigt und seine Kreise zieht. Aber im Nationalpark ist es nicht wie im Zoo, wo man die Tiere im Gehege beobachten kann“, erklärt Ramschek.

Unterschlupf aus Ästen und Moos bauen
Interessantes gibt es für die Kinder trotzdem viel zu entdecken, selbst dort, wo sie es nicht erwarten. „Viele können mit Pflanzen zunächst einmal nicht so viel anfangen. Wenn ich ihnen aber erzähle, wie sich manche Pflanzen mit den Wurzeln im Schotterfeld festklammern, um zu überleben oder wie sie Insekten anlocken können, merken sie, dass auch Pflanzen etwas ganz Tolles sind. Wichtig ist, die Informationen in spannende Geschichten zu verpacken.“ Neben vielen Infos bieten die von Rangern angeleiteten Führungen den Kindern auch die Möglichkeit, sich alleine in der Natur zu beschäftigen. „Wir geben ihnen zum Beispiel auf unserem Waldspielgelände viel Zeit, in der sie aus Ästen oder Moos einen Unterschlupf oder im Sand am Wasser Landschaften aus Bergen und Tälern bauen.“ Dreckig oder nass werden? Kein Problem. Dafür haben die Kinder Reservekleidung mit. Doris Ramschek ist zufrieden, wenn sie Kinder und Jugendliche für die Flora und Fauna im Nationalpark begeistern kann – so wie sie selbst von der Natur begeistert ist. Noch mehr freut es sie, wenn die Führungen sich auch langfristig auf die Einstellung zu Natur und Umwelt der jungen Menschen auswirken. „Im Nationalpark stehen Tiere und Pflanzen unter strengem Schutz. Unser Ziel ist es, das Verständnis für die Umwelt und den Umweltschutz auch außerhalb des Nationalparks zu schärfen.“

Doris Ramschek, Rangerin im Nationalpark Gesäuse und Nationalpark Kalkalpen

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