Geld

Stoppen wir den finanziellen Analphabetismus

Talent ist wie eine wilde Pflanze: Es wächst überall. Aber Chancen tun das nicht. Wie wir mit einem Buch in Indien und einem USB-Stick in Österreich die Lücke zwischen Herkunft und Zukunft schließen.

 

Es gibt eine ungerechte Lotterie, an der jedes Kind teilnimmt, sobald es den ersten Atemzug tut: die Lotterie der Geburt. Ob ein junger Mensch seine Talente entfalten kann, hängt oft weniger von seiner Begabung ab, als von der Postleitzahl, in der er aufwächst. In den staubigen Gassen von Mumbai bedeutet das oft, dass strategisches Denken im Überlebenskampf untergeht. In den Kinderzimmern von Österreich hingegen manifestiert sich die Chancenungleichheit anders: Hier fehlt trotz Schulbildung häufig das Verständnis für die einfachsten Regeln unserer Wirtschaft. Als Bildungsbotschafterin und „ZukunftsMacherin“ habe ich mich entschieden, diese Lotterie nicht länger als gegeben hinzunehmen. Mein Werkzeugkasten ist dabei so analog wie effektiv: Er besteht aus inspirierenden Geschichten und fundiertem Wissen. Denn echte Zukunftskompetenz kennt keine Landesgrenzen.

 

Ein Leuchtturm aus Papier: Aaravs Spiel des Lebens

In Indien ist die Not offensichtlich, aber die Lösung muss tiefer gehen als reine materielle Hilfe. Gemeinsam mit der lokalen NGO „The Right Pitch“ haben wir einen Weg gefunden, der Bildung mit Leidenschaft verknüpft. „The Right Pitch“ nutzt Cricket – in Indien weit mehr als nur ein Sport, eher eine Religion – als Vehikel für soziale Entwicklung.Genau dort klinkt sich mein Buch „Aarav´s Winning Game – From Streets to Stadium“ ein. Die Geschichte, die wir bewusst zweisprachig in Englisch und Hindi zu den Kindern bringen, ist weit mehr als eine Sport-Story. Sie erzählt von Aarav, der es von der Straße ins Stadion schafft – aber nicht durch Glück, sondern durch Strategie, Disziplin und kluge Entscheidungen.

Dieses Buch lehrt Erfolg. Es vermittelt Kindern, die oft am Rande der Gesellschaft stehen, dass sie Gestalter ihres eigenen Schicksals sein können. Wenn wir den Mädchen und Jungen in Indien diese Bücher in die Hand drücken, schenken wir ihnen nicht nur bedrucktes Papier. Wir schenken ihnen eine Identifikationsfigur und den Glauben an die eigene Wirksamkeit. Ein Amazon-Rezensent nannte es treffend: „Eine kraftvolle Geschichte, die Strategie, Resilienz und Hoffnung lehrt“. Genau das ist der Treibstoff, den diese „Rising Stars“ brauchen.

 

„Oft entscheidet die Postleitzahlt, ob ein Kind seine Talente entfalten kann.“

Mag. Iris Haiderer, Buchautorin und Bildungsbotschafterin

Zitatzeichen

 

Der Wirtschafts-Kompass für den DACH-Raum

Wechseln wir die Perspektive nach Europa. Hier verhungern Kinder nicht, aber sie starten oft „finanziell analphabetisch“ ins Leben. Geld kommt für viele magisch aus dem Bankautomaten, und Begriffe wie Inflation oder Steuern sind abstrakte Monster. Doch wer die Wirtschaft nicht versteht, kann in unserer Gesellschaft nicht mündig agieren.Deshalb habe ich den digitalen Lehrgang „Abenteuer Wirtschaft“ entwickelt. Er ist das logische Gegenstück zum indischen Buchprojekt. Hier geht es um Hard Skills, verpackt in ein Format, das Spaß macht. Der Kurs (erhältlich auf USB-Stick) erklärt 10- bis 14-Jährigen spielerisch, wie Preise entstehen, was Unternehmertum bedeutet und wie man clever mit Ressourcen umgeht.

Im Rahmen des „Rising Stars Project“ in Österreich sorgen wir dafür, dass dieser Kurs genau dort landet, wo er am dringendsten gebraucht wird: bei Kindern, die es im Leben schwerer haben. Wir stellen Organisationen wie SOS Kinderdorf, Ein Herz für Kinder, Pro Juventute und der Caritas die Kurse zur Verfügung, um diese Bildungslücke zu schließen.

Die Wirkung ist berührend und konkret. Da ist Hans, ein 72-jähriger Großvater, der mir schrieb: „Theodor (11) erklärt mir jetzt, wie Angebot und Nachfrage funktionieren. Ich merke richtig, wie er mit Spaß lernt.“ Oder Alexandra, eine HR-Managerin, deren 10-jährige Tochter ihr beim Abendessen plötzlich die Inflation erklärte – besser, als es manch erwachsener Bewerber konnte. Das ist der Beweis: Wirtschaftskompetenz ist kein trockenes Schulfach, sondern ein Schutzschild gegen Fehlentscheidungen im späteren Leben.

 

Die Mission: Warum eine Autorin Brücken baut

Vielleicht fragen Sie sich: Was verbindet diese beiden Welten? Warum engagiert man sich gleichzeitig für Wirtschaftsbildung in Indien und in Österreich?Weil beides auf denselben Nenner zurückführt: Selbstbestimmung. Als Autorin und Expertin für Wirtschaftsbildung ist es meine tiefste Überzeugung, dass wir Kindern Wurzeln und Flügel geben müssen. Die Wurzeln sind das Verständnis für die Welt, in der sie leben (Wirtschaft). Die Flügel sind die Geschichten, die ihnen zeigen, was möglich ist (Bücher).Meine privaten Leidenschaften – das Reisen, das Erlernen von Fremdsprachen, das Schreiben – fließen hier nahtlos in meine berufliche Mission ein. Ich möchte keine Generation von passiven Konsumenten, sondern eine Generation von aktiven Gestaltern. Ob sie nun einen Cricketschläger oder einen Businessplan in der Hand halten, ist dabei zweitrangig. Wichtig ist, dass sie wissen, wie man das Spiel spielt.

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