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Berufstätigkeit der Mutter hat keine Auswirkung auf das Sozialverhalten des Kindes

Dass Mütter arbeiten, ist heutzutage längst der Normalfall. Doch noch immer ist umstritten, ob Kinder unter der Berufstätigkeit ihrer Mütter leiden; viele Eltern plagt ein schlechtes Gewissen. Möglicherweise zu Unrecht, wie jetzt Kölner Wissenschaftler ermittelt haben.

Tochter umarmt Mutter

och immer steigt die Erwerbsbeteiligung von Müttern in vielen europäischen Ländern stark an. Die Gesellschaften stehen dieser Entwicklung überwiegend positiv gegenüber. Auch in Deutschland stehen Frauen unter starkem sozialem Rechtfertigungsdruck, wenn sie länger als die ersten drei Lebensjahre ihrer Kinder „nur“ Hausfrau und Mutter sein wollen. Kinderbetreuungsangebote sind teilweise massiv ausgebaut worden, bis in den „U3-Bereich“. Dennoch empfinden viele Eltern den Schuleintritt ihrer Kinder in diesem Sinne als starke Entlastung der familiären Praxis. Um die möglichen Folgen für die Entwicklung der Kinder gibt es kontrovers geführte Debatten, in der breiten Öffentlichkeit, wie in der Wissenschaft. Vielfach wird argumentiert, arbeitende Mütter hätten weniger Zeit für ihre Kinder und könnten weder Beruf noch Erziehung gerecht werden.

Untersuchung mit 2.000 Kindern in Schottland

n einer aktuellen Studie haben nun Marita Jacob und Michael Kühhirt vom Kölner Institut für Soziologie und Sozialpsychologie den Zusammenhang zwischen mütterlichen Erwerbsgeschichten in den ersten sechs Jahren nach der Geburt von Kindern und Verhaltensproblemen im Alter von etwa acht Jahren untersucht. Anhand von Längsschnittdaten von fast 2000 Kindern und deren Familien in Schottland konnten sie die gesamte Erwerbshistorie von der Geburt bis zum Alter des Kindes von sechs Jahren erfassen.

Im Ergebnis zeigte sich zunächst, dass Kinder von Müttern mit höherer Erwerbsbeteiligung im Durchschnitt sogar weniger Verhaltensprobleme aufwiesen. Auch wenn die Herausrechnung von Störfaktoren diesen Befund relativierte, bleibe festzuhalten, dass sich aus der mütterlichen Erwerbstätigkeit keine nachweisbaren negativen Effekte auf das Verhalten von Kindern im Alter von acht Jahren ergeben hätten.

Keine negativen Aspekte mütterlicher Erwerbstätigkeit nachweisbar

Keine statistisch signifikanten Unterschiede zeigten sich hinsichtlich des Zusammenhangs von mütterlicher Erwerbstätigkeit und Verhaltensproblemen beim Blick auf den Bildungsgrad der Mütter. Lediglich bezogen auf die Merkmale Hyperaktivität und Unaufmerksamkeit zeigten die Kinder von Müttern mit höherer Bildung leicht höhere Werte.

Ein Befund mit Folgen, denn die fehlenden Unterschiede in den Raten der verhaltensauffälligen Kinder höher und weniger gebildeter Mütter ließen einige Zweifel an in früheren Untersuchungen aufgestellten Hypothesen aufkommen. Ökonomische Ressourcen, mütterliche Gesundheit oder Familienstruktur etwa seien keine entscheidenden Faktoren, die apostrophierte negative Effekte der mütterlichen Erwerbstätigkeit auf die Verhaltensprobleme der Kinder relativierten, so Jacob und Kühhirt.

Positives Umfeld für die Kinderziehung ist wichtig

Für die Politik ergäben sich gerade daraus einige Implikationen: Wenn etwa Kinder aus benachteiligten Haushalten durch die Erwerbstätigkeit ihrer Mütter kein größeres Risiko für Verhaltensauffälligkeiten trügen, seien Maßnahmen, die direkt auf die Erwerbsbeteiligung von Müttern abzielen, „möglicherweise keine wirksame Strategie“, so Jacob und Kühhirt, um die Benachteiligung von Kindern zu reduzieren und die soziale Mobilität zu fördern.

Als wirksamer könnten sich Maßnahmen erweisen, die darauf abzielen, ein positives Umfeld für die Kindererziehung zu schaffen und aufrechtzuerhalten. Die Bereitstellung einer qualitativ hochwertigen Kinderbetreuung, die Förderung des sozialen und kognitiven Lernens von Kindern oder das Aufwachsen in einer sicheren Nachbarschaft könnten erfolgreicher sein, um soziale Ungleichheiten in der Entwicklung von Kindern abzumildern.

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