Familienleben

‚Getrennte‘ Weihnachten

In Familien, in denen die Eltern getrennt sind, können die Feiertage zur Herausforderung werden. Wie Weihnachten feiern, wenn Mama und Papa kein Paar mehr sind?

 

Rückblickend würde Hannah es heute anders machen: Das allererste Weihnachten nach der Trennung von ihrem Exmann feierte sie zusammen mit ihm und den gemeinsamen Kindern – und das entpuppte sich als keine gute Idee. „Es war wirklich schlimm“, erinnert sich die Steierin. Ein emotionaler Supergau für alle Beteiligten. Dabei war die Absicht hinter dem gemeinsamen Fest eine gute. Im Sommer davor hatte sich Hannah vom Vater ihrer beiden Kinder, damals sechs und drei Jahre, getrennt. Endgültig, darin waren sich beide einig. Doch war da die Sehnsucht, den Heiligenabend wenigstens noch einmal in der gewohnten Familienkonstellation zu erleben und den Kindern dadurch Sicherheit zu geben. Hannah und ihr Exmann bereiteten die Kinder auf das gemeinsame Feiern vor. „Wir haben ihnen erklärt, wie der Abend ablaufen wird und dass der Papa nach dem Feiern wieder nach Hause geht. Und trotzdem waren sie dann sehr traurig. Es war sehr schwierig.“ 

Erstes Fest nach der Trennung

Im Jahr 2023 waren laut Statistik knapp 18.000 Kinder in Österreich von der Scheidung ihrer Eltern betroffen. Dazu kommen jene Kinder unverheirateter Paare, die sich getrennt haben. Für die Eltern stellte sich die Frage, wie das erste Weihnachtsfest nach der Trennung aussehen sollte. Eine emotional intensive Herausforderung. Denn: „Weihnachten gilt als Fest der Familie“, sagt Dagmar Bojdunyk-Rack. Sie ist Geschäftsführerin von Rainbows, eines Vereins, der Kinder und Jugendliche bei der Trennung ihrer Eltern begleitet. Das Bild von Mama, Papa und Kindern in Eintracht unterm Christbaum hat sich bei vielen tief im Herzen eingebrannt. Scheitert die Partnerschaft, müssen Eltern mit der Enttäuschung umgehen, diesem Ideal nicht gerecht zu werden. Und die Kinder mit der Traurigkeit darüber, dass Mama und Papa kein Paar mehr sind.

 

 

Fest der Kinder 

Weihnachten, sagt Bojdunyk-Rack, sei aber vor allem auch das ‚Fest der Kinder‘ – im Umgang mit ihrem eigenen Schmerz über die Trennung sollten sich Eltern das immer wieder ins Gedächtnis rufen. „Eltern, die in ihrem Kummer zerfließen, können für Kinder höchst irritierend sein.“ Sicher, auch die Erwachsenen dürften dem Kind gegenüber ihre Enttäuschung äußern, es sei auch kein Drama, wenn es am Heiligenabend Tränen gibt. So stark der Schmerz über die Trennung aber gerade zu Weihnachten sei: Die Feiertage seien nicht der richtige Moment, der eigenen Trauer freien Lauf zu lassen. 

Für Kinder gilt das nicht: Für ihre Traurigkeit müsse immer Platz sein. „Die Aufgabe von Eltern ist es, diese auszuhalten und für das Kind da zu sein“, sagt Bojdunyk-Rack. Und sich nicht davon irritieren zu lassen, wenn sich Kummer und Fröhlichkeit innerhalb kurzer Zeit abwechseln. Ein Kind kann weinen, weil es den Papa vermisst – und im nächsten Moment begeistert mit dem neuen Legoset spielen. Ein solches Wechselbad der Gefühle sei völlig normal. 

Dagmar Bojdunyk-Rack empfiehlt übrigens nicht, das erste Weihnachten nach der Trennung mit dem Expartner oder der Expartnerin zu feiern. „Kinder haben ganz lange den Wunsch, dass die Eltern wieder zusammen kommen. Das gemeinsame Feiern kann diesen begünstigen.“ Und später? In welcher Konstellation man sich trifft, sei sehr individuell. Für manche getrennte Elternpaare klappe ein gemeinsames Fest sehr gut, für andere gar nicht. „Wichtig ist, dass es für beide Elternteile stimmig ist.“

Noch mehr Organisieren

Hannah und ihr Exmann haben nach der Erfahrung an ihrem ersten Weihnachten entschieden, fortan getrennt zu feiern. Mittlerweile habe sich das gut eingespielt. Klarheit darüber, wer wann mit wem feiert, habe die Tage sehr entspannt. Heute wissen auch die Kinder: Mama liebt Rituale und Bräuche, bei ihr gibt es einen Christbaum, Weihnachtslieder und eine Krippe. Bei Papa läuft es anders. Zum Glück haben Hannah und ihr Exmann eine gute Gesprächsbasis, vieles lasse sich ohnehin einfach übers Telefonieren und schriftliche Kommunikation am Handy klären. „Nur manchmal bleibt dann doch etwas auf der Strecke. Weil man sich nicht mehr wie früher jeden Tag sieht und austauscht.“ Einmal zum Beispiel kam ein Geschenk doppelt, von der Mama und der Oma väterlicherseits. Kein Drama, aber ein Vorfall, der zeigt, dass Weihnachten bei getrennten Elternteilen ein Stück mehr an Organisation und Flexibilität braucht. 

Entscheidung treffen Eltern 

Überhaupt, von allzu starren Vorstellungen, wie die Feiertage abzulaufen haben, sollte man sich nach einer Trennung verabschieden. „Man kann auch ganz anders feiern als man es gewohnt war“, sagt Dagmar Bojdunyk-Rack. Eine ‚Hauptbescherung‘ am Heiligenabend wie früher mit beiden Elternteilen ist oft nicht möglich – also heißt es, kreativ zu werden und sich neue Formen zu überlegen. Vorfeiern, nachfeiern, zu Hause oder unterwegs – vieles sei möglich. „Die Kinder sollte man auf jeden Fall bei der Planung miteinbeziehen. Die letzte Entscheidung treffen allerdings immer die Eltern.“ Eltern sollten ihrem Kind auf keinen Fall die Entscheidung darüber überlassen, ob es lieber mit Mama oder Papa feiern möchte. „Das bringt sie in eine große Zerrissenheit, weil sie immer im Kopf haben: Wenn ich mich für den einen entscheide, ist der andere traurig.“ Für Frischgetrennte hat Bojdunyk-Rack eine hoffnungsvolle Perspektive: „Es kann dauern, bis sie die neue Lebenssituation gut eingependelt hat. Aber mit der Zeit finden die allermeisten Eltern eine gute Kommunikationsebene, um auch Weihnachten meistern zu können.“

 

 

Getrennt Weihnachten feiern 

Sich Zeit geben. Das erste Weihnachten nach der Trennung kann sehr herausfordernd sein. Je mehr Zeit vergeht, desto einfacher wird es in der Regel. Mit der Zeit spielt sich vieles ein. 

Einander beim Schenken nicht ausstechen. Wer schenkt was? Idealerweise sprechen sich die Eltern im Vorfeld ab und versuchen einander nicht bei den Geschenken zu übertrumpfen. 

Jeder schenkt auf seine Weise. Vom Expartner bekommt das Kind die Spielkonsole, selbst hält man nicht viel vom Computerspielen. Was tun? Akzeptieren! Was der andere schenkt, kann einem egal sein – auch wenn es nicht der eigenen Werthaltung entspricht. 

Teenager im Blick behalten. Größere Kinder mögen zwar intellektuell verstehen, was es bedeutet, wenn eine Beziehung scheitert. Ihr Zuhause bleibt aber ihre sichere Basis – das gilt auch für Weihnachten. Die Bedürfnisse von Jugendlichen sollte man in diesen Tagen nicht aus den Augen verlieren. 

Patchwork. Wenn neue Partnerinnen und Partner im Alltag des Kindes präsent sind, spricht nichts dagegen, sie auch zu Weihnachten dabei zu haben. Sie sollten aber nicht den Platz des leiblichen Elternteils einnehmen wollen – und sich auch bei den Geschenken zurückhalten. 

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