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Home » Angst auf der Schulbank
Bildung

Angst auf der Schulbank

Marlene MayerVon Marlene MayerOktober 19, 20195 Minuten Lesezeit
© Shutterstock
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Mit Bauchweh in den Unterricht, traurig in die Pause. In beinahe jeder Klasse ist ein Kind von Schulangst betroffen. Die häufigsten Ursachen und was man dagegen machen kann im Überblick.

Aggression oder Rückzug, körperliches Unwohlsein, ständig neue Ausreden, um nicht in die Schule gehen zu müssen – die Anzeichen für Schulangst sind vielfältig. Gerade deswegen sind sie aber auch schwer zuordenbar. Ist es nur Faulheit oder ein echtes Problem? Wird sich diese Phase von alleine geben oder besteht dringender Handlungsbedarf? Für viele Eltern ist es gar nicht so leicht, das Verhalten ihrer Kinder richtig zu deuten.

„Da muss man wirklich genau hinschauen. Auch weil es verschiedene Typen von Angst gibt und sich die je nach Temperament ganz unterschiedlich äußern können“, weiß auch Kinderpsychologin Karoline Wekerle, die in ihrer Praxis regelmäßig betroffene Kinder begleitet. Doch warum haben eigentlich so viele Kinder richtiggehend Angst, wenn es um das Thema Schule geht? Immerhin ein bis zwei Kinder pro Klasse sollen hierzulande davon betroffen sein. Laut Wekerle hat das zumindest zwei Gründe. Erstens befinden sich Schulkinder ohnehin in einer Entwicklungsphase, in der das Thema Angst allgegenwärtig ist, und zweitens ist Schule ein Schmelztiegel, in dem gleich mehrere typische Auslöser für solche Ängste zusammenkommen.

© Shutterstock

Ein bisschen Angst gehört dazu

Die gute Nachricht lautet dabei also zunächst, dass Ängste bis zu einem gewissen Grad völlig normal und nicht automatisch besorgniserregend sind. Im Gegenteil: Sie schützen uns – indem wir uns unseren Ängsten stellen und sie meistern, werden wir kompetenter, lebenstüchtiger. Und in den allermeisten Fällen treten sie nur vorübergehend auf. Bei der Überwindung dieser typischen Entwicklungsängste können Eltern ihre Kinder gut unterstützen. „Die meisten Eltern reagieren da ohnehin sehr empathisch“, beobachtet Wekerle. Dabei geht es vor allem darum, das Kind zu stärken, es nicht zusätzlich zu kritisieren oder die Schuld gar beim Kind zu suchen. „Gespräche führen, Vertrauen und Bindung bilden – das hilft dem Kind am meisten.“ Wichtig ist es, das Kind nicht vorschnell aus der Situation zu nehmen, sondern es dabei zu unterstützen, sich der Angst zu stellen, in den allermeisten Fällen löst sie sich dann von alleine auf. Dennoch gibt es aber natürlich auch Fälle, in denen gutes Zureden und Warten einfach nicht ausreichen. „Man muss wachsam sein, ganz genau hinsehen“, sagt auch Wekerle, immerhin haben die meisten Hilfsstrategien vor allem dann gute Chancen auf Erfolg, wenn sie früh genug zum Einsatz kommen.

Schlaflose Nächte, Angstschweiß, Bauchweh

Spätestens wenn die Symptome körperlich werden, braucht das Kind Hilfe. Bauch- und Kopfschmerzen, Unwohlsein am Morgen – Schulangst äußert sich sehr oft psychosomatisch. Aber auch exzessives Trödeln am Morgen, Vermeidungstaktiken, später auch Leistungsabfall und sozialer Rückzug sind sichere Zeichen dafür, dass etwas nicht stimmt. Sind die Beschwerden am Wochenende dann wie weggeblasen, sollten die Alarmglocken schrillen. Hält der Leidensdruck außerdem über einen längeren Zeitraum, etwa länger als sechs Wochen, an und besteht die Verunsicherung auch ohne konkreten Anlassfall, etwa eine schwere Schularbeit, sollte man sich jedenfalls Unterstützung von außen suchen. „Eltern sollten zunächst das Gespräch mit dem Lehrer suchen.“ An den meisten Schulen gibt es auch Beratungslehrer, die weiterhelfen können. Krankschreibungen sind auf Dauer eher nicht zu empfehlen, sie wirken kontraproduktiv, verstärken die Ängste eher noch. Dennoch ist es natürlich wichtig, die Ängste des Kindes sehr ernst zu nehmen. Wird es bloß als Simulant hingestellt, der keine Lust auf Schule hat, verhärtet sich das Problem automatisch weiter.

© Shutterstock

Leistungsdruck und Mobbing

In den allermeisten Fällen hängen die Ursachen mit einem gewissen Leistungsdruck zusammen. Dabei sind es nicht selten die fleißigen Kinder, jene, die die Aufgaben in der Schule besonders ernst nehmen, die schwer zurechtkommen. Im Zuge der Ursachenklärung steht dann meist auch eine Leistungs- und Intelligenzmessung auf dem Programm. „Es kann natürlich sein, dass das Kind einfach auf der falschen Schule ist“, so Wekerle, eine schulische Überforderung sollte ausgeschlossen werden. Immerhin könnte eine unentdeckte Lese- oder Schreibschwäche ebenso eine Ursache sein wie die anhaltende Unterforderung Hochbegabter. Genauso häufig wie in der Schule liegen die Gründe aber auch zu Hause. Profis grenzen hier die Schulangst von der Schulphobie ab, bei der eher Trennungsängste dahinterstehen: Bei häuslichen Problemen haben Kinder etwa häufig das Gefühl, sie werden zu Hause gebraucht, und wollen deswegen nicht in die Schule gehen. Aber auch Unsicherheiten im sozialen Umgang, Schwierigkeiten in der Gruppe und Hänseleien können Schulangst auslösen. „Ab etwa zehn Jahren wird der Einfluss der Peergroup, der sozialen Gruppe, immer stärker“, weiß Wekerle. Hier können positive soziale Erfahrungen helfen, die Ängste schrittweise abzubauen. Eltern sollten Freundschaften jedenfalls fördern, indem sie auch Kontakte zu gleichaltrigen Kindern außerhalb der Schule pflegen. Generell gilt: das Kind stärken, Interessen und Hobbys in den Vordergrund stellen, den Dialog suchen. Wekerle: „Es ist gut, das Kind in der Autonomie zu stärken, es positiv zu motivieren und mit ihm über Gefühle zu sprechen. Damit das Kind auch kommunizieren kann, wenn etwas nicht stimmt.“

Adressen und Ansprechpartner

• Beratungslehrer. Pflichtschullehrer mit einer Zusatzausbildung für pädagogische Betreuung und Beratung. In der Regel hat jede Schule einen Beratungslehrer.
• Niedergelassene Kinderpsychologen. Gute Plattformen sind: www.kinderpsychologie.at, www.psychologie.at oder https://www.familiii.at/orte/kinderaerzte/
• Schulpsychologie. Ist dem Bildungsministerium unterstellt und bietet kostenfreie Information in zahlreichen Beratungsstellen bundesweit. www.schulpsychologie.at
• Projekt Schlangenfuß. Ein Schulprojekt für Schulphobiker und Kinder mit Angststörungen. In schweren Fällen – etwa wenn der Besuch der Regelschule nicht mehr möglich ist – eine mögliche Anlaufstelle. https://spz11.schule.wien.at/


Weitere Infos zum Thema Bildung auf:

Interview zum Thema:

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Marlene Mayer

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