„Alternativen statt Verbote“
Die Medienpädagogin Elisabeth Eder-Janca hält regelmäßig auch in Schulen Workshops rund um digitale Medien und Internet ab.

Was sind die Themen, die Schüler und Eltern im Moment am meisten bewegen?
Eder-Janca: Viele Fragen drehen sich aktuell um Whatsapp, Online-Games, Cybermobbing, Kettenbriefe und mehr. Üblicherweise besprechen die LehrerInnen zuerst mit den Schülern, was sie bewegt, und darauf stimme ich mein Programm ab.
Wie sieht das dann in der Schule aus?
Eder-Janca: Wichtig ist es, keinen Frontalvortrag anzubieten, sondern die Kinder die Themen in Form von Workshops selbst erarbeiten zu lassen. Etwa indem sie erst in Gruppen das Thema recherchieren, und dann einander ihre Ergebnisse vorstellen. Was man selbst erarbeitet hat, bleibt ja besser in Erinnerung.
Für welche Altersgruppen sind diese Workshops geeignet?
Eder-Janca: Es beginnt schon im Kindergarten, wo man sich primär an die Eltern richtet. Diese wissen oft wenig über die Funktionen der gerade angesagten Apps Bescheid. Dass man generell Privatsphäre-Einstellungen beachten sollte, dass die Kinder bei TikTok-Videos etc. nicht in Unterhosen auftreten sollen, dass es in Whatsapp-Gruppen oft durch unbedachte Äußerungen zu Situationen kommt, bei denen sich Kinder gemobbt fühlen. Dazu geraten Kinder bekanntlich relativ leicht in eine gewisse Abhängigkeit von Apps und vom Handy generell – wenn sie keine Alternative sehen. Da reagieren auch 16- oder 17-jährige manchmal so beim Verlust von Flammen in Snapchat, wie eine Generation zuvor schlimmstenfalls bei der Auflösung der Backstreet Boys reagiert hat.
Soll man den Umgang mit digitalen Medien verbieten?
Eder-Janca: Nein, grundsätzlich nicht. Für viele ist das Internet ja der einzige Freiraum, den sie noch haben. Die heutige Elterngeneration ist zum Teil selbst eine „Lost Generation“, die vieles selbst nicht mehr kennengelernt hat. Unterstützung für Kinder sind Regeln und vor allem den Kindern Alternativen zu digitalen Medien anzubieten, Handy- und Spielkonsolen-freie Zonen und Zeiten festzulegen. Etwa bei Projektwochen in der Schule. Meist sind sie dann für kreative Ideen statt bloßer Handy-Verbote sehr dankbar, vor allem wenn sie spüren, dass sich die Eltern Zeit für sie nehmen.
Welche sind ihre Zielgruppen als Medienpädagogin?
Eder-Janca: Ich arbeite auch viel direkt in der Fortbildung von LehrerInnen und KindergartenpädagogInnen und für saferinternet.at an Handbüchern und Leitfäden für alle Altersgruppen.

Elisabeth Eder-Janca
zertifizierte Medienpädagogin und Saferinternet-Trainerin
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