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Bayerwald: Faszinierende „Eiszeit“-Erlebnisse vor großer Kulisse

Die Region um den höchsten Gipfel des Bayerwalds gilt als faszinierendes und besonders ursprüngliches Wunder der Natur mit botanischen Überraschungen und seltenen Tieren.

Abendstimmung am Großen Arbersee mit Schwinggrasinseln. Foto: obx-news/TVO/Eberl-Walter

Eiszeitliche Seen und steilabfallende Seewände, schwimmende Inseln und botanische Raritäten wie man sie sonst nur in den Alpen antrifft, begeistern Wanderer wie Naturlieber: Das über 550 Hektar große Naturrefugium rund um den 1.456 Meter hohen Arbergipfel im Bayerischen Wald fasziniert Urlauber besonders deshalb, weil es gelang, den unverwechselbaren Charakter zu konservieren.

Im Frühjahr und Sommer treiben sie als blühende Tupfer an der Oberfläche der Seen, im Herbst schimmern sie golden im Licht: Das Naturphänomen der schwimmenden Inseln lässt sich an beiden Arberseen beobachten, dem Großen und dem Kleinen Arbersee. Entstanden sind die Inseln im 19. Jahrhundert, als die Seen für die Holztrift angestaut wurden. Teile eines ehemals meterdicken Moores lösten sich vom Seeboden ab und schwimmen nun lose im See.

Rund um den Arbersee

Mächtige Gletscher mit bis zu einhundert Meter dicker Eisdecke formten einst den Landstrich, der heute zu den ältesten Naturschutzgebieten Deutschlands zählt. Die beiden Seen sind ein Relikt der Eiszeit: Als vor 10.000 Jahren die Eismassen schmolzen und ins Tal flossen, hinterließen sie im Tal große Mulden im Gesteinsgrund, die sich mit Wasser füllten.
An den Ufern der eiszeitlichen Seen ist bis heute mächtig viel los. Ein zwei Kilometer langer Rundwanderweg führt auf Holzstegen und Wurzelpfaden um den Großen Arbersee. Die Route ermöglicht schöne Ausblicke auf den See und die Inseln. Werden und Vergehen verschmelzen miteinander, wenn Baumwinzlinge am Totholz wachsen oder Moose, Flechten und Pilze gefallene Baumriesen besiedeln und ihren Lebensraum zu einem Naturkunstwerk machen. Fleißige Biber, Fischotter und Enten füllen die Uferbereiche mit Leben. Über dem See erhebt sich die mächtige Arberseewand. Das dortige Mikroklima gilt als Paradies für eiszeitliche Pflanze und seltene Tiere.
„Die Kulisse von See und Arberseewand ist gigantisch“, sagt Johannes Matt. Der Gebietsbetreuer in der Arberregion schwärmt: „Man hat hier noch eine regelrechte Urwald-Parzelle. An beschatteten Stellen der 400 Meter hohen Steilwand bleibt der Schnee bis zu einem halben Jahr lang liegen. Insgesamt sind die Hänge stark durchfeuchtet, die Luftfeuchtigkeit ist hoch. Urwaldartige Bergmischwälder, aber auch Eiszeitrelikte gedeihen in diesem rauen Mikroklima vortrefflich.

Seltene Tiere und Pflanzen entdecken

An Kälte angepasste, lichtempfindliche Pflanzen wie Wild-Schnittlauch, Bleiches Habichtskraut, Sumpfenzian, Nordisches Labkraut, Herz-Zweiblatt oder der nur im Bayerischen Wald festgestellte Rosenwurz, haben sich nach der Eiszeit dorthin zurückgezogen. Der seltene und scheue Weißrückenspecht bewohnt die oberen, von Rotbuche, Berg-Ahorn und Berg-Ulme bewachsenen Hanglagen. Auch Dreizehenspecht, Sperlingskauz, Ringdrossel, Auerhuhn und der seltene Grüne Laubsänger sowie Fledermäuse fühlen sich an der Arberseewand wohl. Die Seewand ist als Naturschutzgebiet ausschließlich der Natur vorbehalten und kann nicht begangen werden.
Eine Gipfeltour auf dem Großen Arber lohnt sich. Verschiedene Wanderwege oder die Arbergondel führen nach oben. Der baumlose Gipfel bietet nicht nur einen atemberaubenden Fernblick bis in die Alpen. „Direkt am Arbergipfel gibt es verschiedene Lebensräume. Da muss man erst in die Alpen gehen, um das zu finden“, sagt der Gebietsbetreuer. In den oftmals kalten und windigen Hochlagen in unmittelbarer Gipfelnähe sind botanische Raritäten heimisch. Dazu gehören beispielsweise Arnika, Felsstraußgras, Krauser Rollfarn oder Alpenflachbärlapp.
Johannes Matt, Gebietsbetreuer in der Arberregion.

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