Familienleben

Rituale für Durchschläfer

Probleme mit dem Einschlafen gehören beim Heranwachsen dazu. Ein neuer Schlafratgeber hilft Eltern dabei, das passende Einschlafritual für ihr Kind zu finden.

 

Das hat wohl jeder, der Kinder hat, schon erlebt: Der geliebte Nachwuchs will nach einem anstrengenden und erfüllten Tag einfach nicht einschlafen, trödelt herum und quängelt. Und spätestens zwei Stunden nach dem Einschlafen steht das Kind putzmunter neben dem elterlichen Bett und begehrt Einlass.

Es gibt wohl kaum ein Thema, das für frischgebackene Eltern wichtiger ist, als der Schlaf ihres Kindes. Wir wissen alle, dass wir weniger Energie haben und allgemein reizbarer sind, wenn unser Grundbedürfnis nach ausreichendem und qualitativ hochwertigem Schlaf nicht gestillt wird. Das gilt besonders für Kleinkinder. 

 

Achtsamkeit als Basis des Schlafs

Schlaf-Ratgeber gibt es unendliche viele, doch die wenigsten gehen auf die individuellen Bedürfnisse des Kindes ein. Das will Autorin und Pädagogin Ksenija Rodos mit ihrem Buch „Einschlafrituale für dein Kind“ ändern. Basis ihrer Tipps ist Achtsamkeit, die für sie nicht beim bewussten Zuhören und dem liebevollen Begleiten endet. Ihr wichtigster Tipp: Es ist viel wichtiger, auf das eigene Wohlbefinden und jenes des Kindes zu achten, als die Schlafstunden des Kindes akribisch zu zählen. Die Basis für Wohlbefinden beim Schlafen liegt für sie im Einhalten regelmäßiger Schlafenszeiten und konsistenter Schlafrituale, an denen sich Kinder orientieren können und die ihnen im Tagesablauf Halt geben. Ksenija Rodos: „Wir dürfen uns die Freiheit nehmen, die Schlafenszeiten unserer Kinder individuell an unseren Alltag und unsere Bedürfnisse anzupassen.“ So gehen Kleinkinder in Deutschland oder Österreich üblicherweise zwischen 18.00 und 19.00 Uhr schlafen, in Spanien nicht vor 21.00 oder 22.00 Uhr. Dort beginnt der Tag allerdings wesentlich später als bei uns. In Summe schlafen Kinder im Alter von zwei Jahren in jedem Land der Welt rund 13 Stunden, bei Vierjährigen sinkt die Schlafzeit auf 12 Stunden, bei Sechsjährigen liegt sie im Durchschnitt bei 11 Stunden. Das Wichtigste für gesunden Schlaf ist, so Rodos, ein auf die individuellen Bedürfnisse des Kindes perfekt eingehendes, sich täglich wiederholendes Einschlafritual, dass dem Kind vertraut ist und ihm Sicherheit und Liebe vermittelt. Durch das Betonen positiver Tagesereignisse wird dabei dafür gesorgt, dass Negatives beim Einschlafen so gut wie möglich ausgeklammert wird. 

 

 

Einschlafrituale für Babys bis 2 Jahre

Neugeborene haben ein tiefes Bedürfnis nach körperlicher Nähe, besonders beim Einschlafen. Diese Nähe ist nicht nur ein emotionaler Trost, sondern spielt auch eine zentrale Rolle in ihrer neurobiologischen Entwicklung. In den ersten Lebensmonaten befinden sich die Gehirne von Babys in einer intensiven Wachstums- und Reifungsphase. Körperlicher Kontakt wie Kuscheln und direkter Hautkontakt helfen dabei, das Nervensystem des Kindes zu regulieren und zu stabilisieren. Daher liegt der Fokus bei Einschlafritualen in dieser Altersgruppe auf der Einschlafbegleitung. Durch körperliche Nähe und innere Ruhe vermitteln Eltern dem Kind ein Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit.

 

Zwischen 2 und 4: Klare Abendroutinen

Für Kinder im Alter von 2 bis 4 Jahren ist es besonders wertvoll, wiederholende Abendroutinen zu etablieren, da sie Sicherheit, Vorhersehbarkeit und Struktur bieten. Sie fördert die emotionale Stabilität des Kindes und geben ihm Orientierung im Tagesablauf. Gleichzeitig fördert eine regelmäßige Abfolge das Selbstbewusstsein und die Autonomie des Kindes. Wenn es weiß, was als Nächstes kommt, kann es aktiver daran teilnehmen und fühlt sich kompetent und von den Eltern verstanden.Wichtig: Vermeiden Sie Energieschübe wie spätes aktives Spielen oder Fernsehen, denn sie erschweren dem Kind das Einschlafen. Kinder in dieser Altergruppe haben oft Angst vor den Monstern unter dem Bett. Da kann der DIY-Anti-Monster-Spray wahre Wunder wirken.

 

Einschlafrituale für Kleinkinder

Im Alter zwischen 4 und 6 Jahren befinden sich Kinder in einer Übergangsphase, in der sie ihre Umwelt ganz bewusst wahrnehmen und täglich unendliche viele Reize verarbeiten. Kinder entwickeln ein Verständnis für Zeit und Abläufe, lernen Sprechen und setzen sich bewußt mit ihrer Umwelt auseinander. Jeder Tag ist für sie aufregend und bietet viele spannende Erlebnisse. Die wollen mental verabreitet werden. Gerade jetzt sind fixe Rituale, die das Kind vom Tag sanft zum Schlaf begleiten, wichtig. Eine Möglichkeit sind Affirmationskarten. Diese können mit Kindern gemeinsam gestaltet werden und jeden Abend suchen sich Eltern und Kind je eine Karte aus, die laut vorgelesen wird. Dann sprechen sie gemeinsam über der Erlebte. Genauso wirksam ist Dankbarkeit als Abendritual. Eltern und Kind sagen einander, für welche drei Dinge sie an diesem Tag besonders dankbar waren und warum. Hier ist für Eltern genaues Zuhören und Interaktion besonders wichtig.

 

Einschlafrituale für Volksschulkinder

Mit dem Einstieg ins Schulleben steigt bei Kindern der Stresslevel. Umso wichtiger ist es für Eltern, ihnen beim Abendritual genau zuzuhören und auf ihre Erlebnisse tagsüber aktiv einzugehen. Ein mögliches Ritual ist hier das gemeinsame Schreiben von Tagebüchern. Hier trägt jeder seine Erlebnisse am Tag ein und liest sie dem jeweils anderen vor. So hat das Kind den Tag schon vor dem Schlafengehen verarbeitet.

 

 

familiii Einschlaf-Tipps

Das Dankbarkeitstagebuch

In das Dankbarkeitstagebuch können Kinder jeden Tag 3 Dinge hineinschreiben, für die sie an diesem Tag besonders dankbar waren. Schnell wirst Du merken, dass es mehr wie nur drei Punkte sind. Dann könnt ihr weiter Strukturieren, etwa die Höhepunkte des Tages eintragen oder Gedanken und Träume vermerken. Beim „Gefühlsbarometer“ malt Dein Kind in sein Tagebuch ein Gesicht und wählt eine Farbe, die beschreibt, wie es sich fühlt. 

 

DIY-„Anti-Monster-Spray“

Kinder im Alter zwischen 2 und 4 Jahren fürchten sich oft vor den Monstern unterm Bett oder in dunklen Zimmerecken. Da kann der „Anti-Monster-Spray“ wahre Wunder wirken.

Für den „Anti-Monster-Spray“ benötigst Du eine kleine Sprühflasche (z.B. Blumen-Sprühflasche oder einen leeren Parfumflakon). Dein Kind darf die Sprühflasche gerne mit Stickern oder wasserfesten Stiften ganz individuell bemalen.

→ In die Sprühfalsche füllte ihr Wasser, in das ihr 1-2 Tropfen Lavendelöl mischt, das wirkt beruhigend und schlaffördernd.

→ Vor dem Einschlafen sprüht Dein Kind gemeinsam mit Dir unters Bett und in die dunklen Ecken, um die Monster zu vertreiben. Es wird danach ohne Angst zu Bett gehen und ruhig einschlafen.

 

Einschlafrituale für Kinder zwischen 2 und 4 Jahren

→ Gestalte eine ruhige und entspannte Umgebung, dimme das Licht und schalte ruhige, entspannende Musik ein.

→ Starte mit Deinem Kind eine ruhige Aktivität, etwa ein Puzzle legen oder ein Bilderbuch gemeinsam anschauen. Unterhaltet euch dabei über den Tag und erzählt euch gegenseitig, was heute besonders schön war.

→ Plane genügend Zeit für die abendliche Hygiene ein, etwa das Zähneputzen. Putze gemeinsam mit Deinem Kind die Zähne und mache im Badezimmer keinen Druck. Wenn Dein Kind einmal nicht Zähneputzen will, bricht deswegen nicht die Welt zusammen. Dann setzt ruhig einmal aus, am nächsten Tag wird vielleicht mit Leidenschaft geputzt.

→ Ein schönes Abendritual ist auch die Dankbarkeit. Dein Kind und Du zählt jeweils drei Dinge auf, für die ihr an diesem Tag besonders dankbar wart. Das lädt den Abend mit positiven Erinnerungen auf. 

→ Das Vorlesen einer vom Kind ausgesuchten Gute Nacht-Geschichte fördert die positiven Gedanken zum Einschlafen.

 

Einschlafrituale für Kinder zwischen 4 und 6 Jahren

→ Gestalte eine ruhige und entspannte Umgebung, dimme das Licht und schalte ruhige, entspannende Musik ein.

→ Erkläre Deinem Kind die Abläufe des Abends. Kinder lieben Vorhersehbarkeit, denn das gibt ihnen Sicherheit.

→ Bei einer entspannenden gemeinsamen Aktivität wie ein Buch lesen oder Malen fragst Du Dein Kind, wie dessen Tag war und was es richtig glücklich gemacht hat. Hier ist aktives Zuhören mit mehrmaligem Nachfragen besonders wichtig.

→ Gestalte die abendliche Hygiene spielerisch, etwa durch das Vorsingen eines Zahnputz-Liedes.

→ Gestalte mit Deinem Kind Affirmationskarten, die ihr euch vor dem Schlafengehen gemeinsam anseht. Auf diesen Karten stehen Sprüche, die das Selbstbewusstsein Deines Kindes stärken (z.B.: Ich bin stark und werde geliebt“)

→ Auch in dieser Altersstufe sorgt das Vorlesen einer vom Kind ausgesuchten Geschichte für positive Gefühle vor der Nachtruhe. 

 

Einschlafrituale für Kinder von 6 bis 10 Jahren

→ Dimme das Licht und signalisiere so Deinem Kind, dass die hektischen Stunden des Schultages vorbei sind.

→ Strukturiere den Abend mit klaren Abläufen. Kinder schätzen das, denn sie wissen so immer, was als Nächstes kommt.

→ Dann schreibt jeder für sich in sein Tagebuch. Hilf deinem Kind, indem Du gezielt nach positiven Erlebnissen fragst, etwa „Was hat Dich heute zum Lächeln gebracht?“ So kann Dein Kind den Tag mit positiven Gedanken abschließen.

→ Lass Dein Kind eine Affirmationskarte für den Abschluss des Tages aussuchen, die ihr gemeinsam vor dem Schlafengehen sprecht (z.B. „Ich habe heute mein Bestes gegeben“)

Forum

Diskutieren Sie über diesen Artikel

Insgesamt 0 Beiträge

Wir setzen Cookies auf dieser Website ein, um Zugriffe darauf zu analysieren, Ihre bevorzugten Einstellungen zu speichern und Ihre Nutzererfahrung zu optimieren. weitere Informationen

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close