Wenn Volksschulkinder online sind
Die Initiative Saferinternet.at hat das Onlineverhalten von Volksschülern erhoben.

Der Umgang mit dem Smartphone oder der Spielkonsole ist für die große Mehrheit der heimischen Volksschulkinder ganz normal und gehört für sie zum Alltag. Während viele Eltern noch überlegen, wie sie die digitale Medienerziehung angehen sollen, suchen die Sechs- bis Zehnjährigen im Netz nach Spielen, fotografieren mit dem Handy und versenden die Bilder an Freunde und Verwandte, schauen Videos auf YouTube und steigen via Google ins Internet ein. Das zeigt eine Studie, die von der Initiative Saferinternet.at gemeinsam mit der Universität Wien durchgeführt wurde.
Kinder sind gerne online
„Immer mehr Kinder im Volksschulalter verfügen über eigene elektronische Geräte. Daher sind sie bereits im Alter zwischen sechs und neun Jahren mit Online-Themen konfrontiert“, erklärt Bernhard Jungwirth, Koordinator von Saferinternet.at. Für Eltern stellt das meistens ein größeres Problem dar. Da ihnen die Erfahrung aus der eigenen Kindheit im Umgang mit digitalen Medien fehlt, wissen sie nicht so recht, wie sie dem eigenen Nachwuchs den sicheren und vernünftigen Umgang mit digitalen Medien und Endgeräten beibringen sollen. Die laut Studienautoren daher am meisten gestellten Fragen der Eltern hinsichtlich digitaler Medien und Volksschulkinder drehen sich daher um das Alter, ab wann der Nachwuchs ein Smartphone haben darf, über die Nutzungsdauer und über die Sicherheit der Kinder beim Surfen.
Die Macht der Videos
Die bei Volksschulkindern beliebtesten Inhalte sind Spielen, YouTube, Messenger-Kommunikation, Fotografieren und Fotos versenden und Goodle-Suchen. Bei den Spielen steht der Nachwuchs vor allem auf Minecraft und Clash Royal. Bei der Onlinesuche dreht sich alles um Fotos und Videos. Eine wesentliche Rolle im digitalen Medienkonsum spielt in dieser Altergruppe YouTube. YouTuber und ihre Videos. Chaosflo44, Viktoria-Sarina, Julien Bam oder Bibis Beauty Palace sind absolute Stars unter den Volksschülern und beliebter als die meisten Kinohelden.
Kompetenzen aufbauen
Dabei entwickeln schon die Jüngsten ungeahnte Fähigkeiten beim Suchen von Filmen und Videobeiträgen. Sie sind durchaus in der Lage, lästige YouTube-Werbung zu überspringen, kennen Apps und deren Funktionsweise – und nutzen diese auch ganz selbstverständlich – und das Smartphone birgt für sie kaum technische Geheimnisse. Was Kindern allerdings fehlt, ist eine Beurteilung, welche Inhalte für sie geeignet sind und welche nicht. Auch versteckte Werbung oder „Fake News“ sind für Kinder nicht leicht zu erkennen. Daher werden sie immer wieder mit nicht altersadäquaten Inhalten konfrontiert. Barbara Buchegger, pädagogische Leiterin von Saferinternet.at: „Wenn Kinder auf Inhalte stoßen, die sie überfordern oder erschrecken, dann wollen sie das Gesehene vergessen und versuchen schnell wegzuklicken. Sie sprechen aber nur sehr selten mit den Eltern über das Gesehene, da sie das lieber verdrängen.“
Hilfe für Eltern
Den Eltern kommt dabei eine große Vorbildwirkung zu, denn die Kinder orientieren sich in Sachen Smartphonennutzung sehr stark an ihnen. So sind Kinder oft genervt, wenn Eltern ununterbrochen auf das Smartphone starren oder wenn diese Fotos von ihnen ungefragt machen und versenden. Buchegger: „Es ist daher wichtig, dass sich die Eltern gemeinsam mit den Kindern aktiv mit dem Smartphone beschäftigen.“ Das kann durch gemeinsames Spielen von Handyspielen ebenso passieren wie durch die gemeinsame Auswahl von Apps. Wichtig ist auch das gemeinsame Festlegen von Regeln, etwa zur Nutzungsdauer oder welche Seiten Kinder am Smartphone aufrufen dürfen.
Keine heimliche Überwachung
Völlig falsch, so Buchegger, wäre aber eine geheime Überwachung des Smartphones der Kinder. „Das Checken des Handys ohne Wissen der Kinder kann zu einem Vertrauensbruch führen“, so Maximilian Schubert, Generalsekretär der Internet Service provider Austria (ISPA). Schutzprogramme seien zwar durchaus hilfreich, so der Experte, aber das Beste sei, mit den Kindern offen über die digitalen Medien zu reden und Interesse an ihren Online-Aktivitäten zu zeigen.
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