Medien

YouTube als Informationsquelle

YouTube ist der wichtigste Informationskanal für Kinder und Jugendliche. Dabei ist aber vor allem Teenagern bewußt, dass Infos hier gesteuert werden. Das beweist ein preisgekröntes Projekt steirischer Schüler.

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Bianca Heinecke alias BibisBeautyPalace ist die wohl bekannteste YouTuberin im deutschen Sprachraum. 5,4 Millionen Nutzer, vor allem Kinder und Jugendliche folgen ihr und schauen sich jeden ihrer Clips an. Für Kinder ist BibisBeauty Palace eine der wichtigsten Informationsquellen. Und das, obwohl vor allem Teenager wissen, dass dort vor allem der Kommerz im Vordergrund steht. Das zeigt ein im Rahmen der „Woche der Medienkompetenz“ mit dem Media Literacy Award ausgezeichnetes Projekt der 3. Klasse der Neuen Mittelschule Gleisdorf. Da nehmen die Schülerinnen und Schüler ihre YouTube-Lieblinge in witzigen Clips gehörig auf die Schaufel.

Steirische Schüler entlarven die Methoden der YouTube-Stars

Bei der Preisverleihung  Mitte Oktober 2018 outen sich die 13-jährigen Steirer durchaus als YouTube-Fans, verstehen sich aber gleichzeitig auch als mündige Nutzer. „In unserer Klasse schauen alle YouTube„, sagt etwa Angelina, die durchaus auf BibisBeautyPalace steht. „Jeder in unserer Klasse hat andere Favoriten. Wir haben gemeinsam analysiert, worüber diese influencer reden und was sie zu bestimmten Produkten sagen. Dann haben wir unsere eigenen Videos gedreht . dort zeigen wir überspitzt, was da in Wirklichkeit abgeht.“

Damit wollen die Jugendlichen zeigen, wie YouTuber ihre Zuseher beeinflussen. Da isst Schüler David schon mal im Clip todesmutig Hundefutter, während sich eine Kollegin in einem anderen Spot eimerweise Hautcreme aufträgt. David weiß, dass das Geschäft der YouTuber riesig ist: „Klar müssten die kennzeichnen, wenn sie für ein Produkt Werbung machen. Aber oft halten die einfach etwas in die Kamera und sagen nicht dazu, ob sie dafür Geld bekommen.“

Für Klassenlehrerin Angelika Teller war das Projekt besonders lehrreich: „Ich habe mich davor noch nie richtig mit YouTube beschäftigt. Durch die Projektarbeit ist mir klar geworden, warum das für Kinder und Jugendliche so faszinierend ist. Ich bin froh, dass sich meine Schüler nach unserer Analyse nicht mehr so leicht etwas von den YouTubern einreden lassen.“

 

Hinter jedem Clip steckt reichlich Arbeit

Aufgefallen ist den jungen Steirern auch, wieviel Arbeit hinter den so leicht und locker aussehenden Videoclips auf YouTube wirklich steckt. Angelina: „Man muss da an viele Details denken. Das filmen die YouTuber sicher nicht so locker, wie das dann immer aussieht.“ Wenig verwunderlich, dass trotz des häufig genannten Berufswunsches „YouTuber“ nur einer von 100 Jugendlichen selbst Videos hochlädt.

Was sich Kinder und Jugendliche auf YouTube ansehen

Die YouTube-Begeisterung ist bei Burschen deutlich größer als bei Mädchen. Das zeigt die JIM-Umfrage 2017 (Jugend, Information, Medien), bei der über 1000 Jugendliche im gesamten deutschen Sprachraum über ihr digitales Nutzungsverhalten befragt wurden. Da werden wohl auch so manche Eltern Augen machen, die vieles, was ihre Kinder im Netz beschäftigt, gar nicht mitbekommen.

Was dabei gerne gesehen wird:

  • 56 Prozent der Mädchen und 50 Prozent der Burschen schauen täglich bis mehrmals pro Woche Musikvideos
  • 51 Prozent der Burschen, aber nur 18 Prozent der Mädchen sehen Let’s-play-Videos, in denen Profi-Gamer ihre Strategien bei Videospielen erklären
  • 45 Prozent der Burschen und 34 Prozent der Mädchen schauen lustige Clips, die meistens mit einer gehörigen Portion Schadenfreude versehen sind
  • Comedy und lustige Videos von YouTubern sehen 37 Prozent der Mädchen und 43 Prozent der Burschen regelmäßig
  • Videos von YouTubern, in denen die über aktuelle Nachrichten sprechen begeistern 33 Prozent der Jungen und 24 Prozent der Mädchen
  • Sportvideos sind eindeutig Burschensache. 32 Prozent der Jungen, aber nur 12 Prozent der Mädchen sehen sie regelmäßig
  • Mode- und Beautyvideos sind, wenig verwunderlich, eine weibliche Domäne. 27 Prozent der Mädchen sehen sie regelmäßig, nur drei Prozent der Burschen gaben an, diese Genres auf YouTube zu konsumieren
  • Erklärvideos für Themen aus der Schule sehen sich 17 Prozent der Mädchen und 10 Prozent der befragten Burschen an
  • Tutorials nutzen 24 Prozent der Mädchen und 19 Prozent der Burschen
  • Action Cam Videos begeistern 17 Prozent der Jungen, aber nur 5 Prozent der Mädchen
  • TV-Sendungen konsumieren 14 Prozent der Mädchen und 15 Prozent der Burschen am liebsten via YouTube
  • Produkttests sehen sich immerhin 12 Prozent der Mädchen und der Burschen regelmäßig an
  • nur 1 Prozent der Burschen gab an, selbst Videos auf YouTube zu stellen, von den befragten Mädchen macht das keines

Ab 15 sind andere Inhalte auf YouTube gefragt

Die gesehenen Inhalte auf YouTube sind auch eine Frage des Alters. Mit 15 Jahren ändert sich die YouTube-Nutzung bei fast allen Jugendlichen grundlegend. Den plumpen Influencer-Werbeschmäh durchschauen dabei die meisten. Harald, ein 16-Jähriger Schüler aus Traun, dessen Klasse ebenfalls bei der „Woche der Medienkompetenz“ mitgemacht hat, bringt es auf den Punkt: „Wenn ich mir heute Videos von YouTubern, auf die ich früher gestanden bin ansehe, dann denke ich mir ,wie konnte ich nur auf die reinfallen, das ist ja alles nur Show und Marketing'“. Heute sieht er viel lieber Videos zu medizinischen oder technischen Themen, mit denen sich auch komplexe Probleme wie der Klimawandel erklären lassen.

 

Die meistgesehenen deutschsprachigen YouTube-Kanäle

Dieses sich verändernde YouTube-Konsumationsverhalten schlägt sich auch in den Rankings der meistgesehenen deutschsprachigen YouTube-Kanäle wieder.

Das aktuelle Ranking:

  • Platz 1 geht mit 7.172 Millionen Abonnenten an Kurzgesagt – In a Nutshell. Das ist ein Wissenskanal der Agentur „Kurzgesagt-Design Studios“ aus München, die Videos zu komplexen Themen aus der Weltraumforschung, Physik, Biologie, Politik, Philosophie und Technik produzieren und sie mittels einfach zu vestehender Animationen für das Publikum fassbar und spannend machen
  • Platz 2 geht knapp an Freekickerz. Der Kanal hat sich auf die Veröffentlichung von Videos rund um das Thema Fußball spezialisiert und wird derzeit von 7,171 Millionen Nutzern abonniert
  • Platz 3 geht mit 5,413 Millionen Nutzern an BibisBeautyPalace
  • An der vierten Stelle reiht sich Julien Bam. Der Deutsche singapurischer Herkunft ist vor allem durch seine Tanzvideos bekannt. 4,995 Millionen Menschen haben seinen Kanal abonniert
  • Erst an 5. Stelle kommt der erste TV-Sender, und zwar Kontor.TV. Das ist der offizelle YouTube-Kanal des gleichnamigen Plattenlabels aus Hamburg, das unter anderem Scooter, DJAntoine oder Martin Solveig unter Vertrag hat. 4,883 Millionen Fans haben diesen Kanal abonniert

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