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Home » Wenn Kartenspiele Konkurrenz bekommen!
Digitale Welt

Wenn Kartenspiele Konkurrenz bekommen!

Alexandra RotterVon Alexandra RotterOktober 8, 2018Aktualisiert:April 7, 20264 Minuten Lesezeit
© Stefan Gergely
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SERIE: Jakob hat zum Geburtstag im August sein erstes Smartphone bekommen. Jetzt heißt es, die Basics zu lernen, zum Beispiel, wie eine Suchmaschine funktioniert. Der erste Tag mit dem Smartphone kann zu einer Entdeckungsreise werden.

Mitte August war es so weit: Zum neunten Geburtstag hat Jakob sein erstes eigenes Handy bekommen. Zwar wusste er schon, dass man mit einem Smartphone viel mehr machen kann als telefonieren, aber er hat es noch nie wirklich ausprobiert. Zuhause gab es bisher ein Notfallshandy zum Telefonieren und ein Tablet, auf dem Jakob und sein jüngerer Bruder Simon gelegentlich Spiele spielen durften.

„Jetzt habe ich erst voll und ganz gesehen, dass man damit viel mehr machen kann als telefonieren“, erzählt Jakob am Morgen nach seinem Geburtstag. Besonders gefreut hatte er sich auf die Sprachlern-App busuu. Seine Mutter Birgit hat sie – wie auch die Spiele, die er vom Tablet kennt – vorinstalliert. „Wir haben uns die App zusammen angeschaut, und ich hab einen Englisch-Test gemacht“, erzählt Jakob. Obwohl er eine Global Education Primary School (GEPS) besucht, wo täglich ein Schulgegenstand auf Englisch unterrichtet wird, will Jakob noch besser werden. Außerdem wollte er am ersten Tag übers Smartphone Musik hören. Und probeweise riefen ihn seine Großeltern an, um zu testen, ob das Telefonieren klappt.

Schritt für Schritt

Birgit Fleissner will Jakob in der ersten Zeit mit dem Smartphone erst einmal die Basics beibringen, etwa, wie man Informationen sucht: „Meine To-dos sind jetzt, ihm zu zeigen, was  Suchmaschine ist, wie ich die Suchergebnisse beurteilen kann und welche Ergebnisse nur so ähnlich sind wie das, was ich suche.“ Jakob sei kein Kind, „das sich ununterbrochen mein Handy grapscht“, erzählt Fleissner. Andere Kinder in seinem Alter würden sich zum Beispiel schon ohne Hilfe online das Kinoprogramm heraussuchen. Im Hause Fleissner werden die Kinder, die von sich aus nicht übermäßig an Tablet und Co. interessiert sind, langsam an die Technik herangeführt.

Anna Gawin, die gemeinsam mit ihrem Mann das DaVinciLab betreibt und dort unter anderem Workshops zur digitalen Grundbildung anbietet, erklärt, was wichtig ist, wenn ein Kind erstmals ein eigenes Smartphone bekommt. So sollten die Eltern das Gerät zunächst alleine in Betrieb nehmen: „Das ist für die Kinder langweilig.“ Die Sicherheitseinstellungen, also das Deaktivieren von Mehrwert- und Contentdiensten, Roaming, In-App-Käufen etc. sollte am besten gleich beim Kauf im Shop gemacht werden. Wer sich für Schutzsoftware à la Little Nanny oder Screen Time entscheidet, installiert auch diese vorab.

Ein tragbarer Mini-Computer

Sind alle Voreinstellungen erledigt und bekommt das Kind das Handy, wird es aufregend: „Das Unboxing kann zu einer Art Entdeckungsreise werden, bei der die Eltern dem Kind erklären, dass das Smartphone ein kleiner Computer ist.“ Dann kann man gemeinsam die wichtigsten Funktionen ausprobieren und „entdecken, dass es zu mehr dient als zum Filmeschauen und Telefonieren.“
Gawin empfiehlt, für diesen Prozess ca. eine Stunde bzw. bei kleineren Kindern dreimal 20 Minuten einzuplanen.

Handy in der Schule

Birgit Fleissner hat schon vor „Tag eins“ mit Jakob über sein erstes Handy gesprochen, zum Beispiel über „Kettenbriefe“, die über Messenger-Dienste wie Whatsapp verschickt werden: Sie haben vereinbart, dass Jakob solche Nachrichten nicht weiterschicken, sondern ihr zeigen soll. Keine Vereinbarung haben sie über den Handygebrauch in der Schule getroffen. Jakob sagt: „Ich muss es nicht jeden Tag mitnehmen. Wahrscheinlich nehm ich es gar nicht mit, außer wenn was Besonderes ist.“ Mutter Birgit freut sich auf das gemeinsame Entdecken des Smartphones.

Froh ist sie aber auch, dass es auf ihre Kinder noch keinen großen Reiz ausübt: „Ich war sehr glücklich, dass Jakob am Abend seines Geburtstags dann noch ein Kartenspiel spielen wollte.“ Und Jakob hat seinen Bruder an diesem Tag gefragt, ob er traurig ist, weil er noch kein Handy hat. Der meinte nur: „Nein, ich krieg ja später auch eines. Jetzt bin ich noch zu klein.“

5 Tipps für den „ersten Tag mit dem Smartphone

1. Auspacken
Kinder und Eltern dürfen das Auspacken des ersten Smartphones zusammen zelebrieren und sollten rund eine Stunde dafür einplanen.
2. Mehr als telefonieren
Anna Gawin vom DaVinci- Lab rät Eltern, ihren Kindern gleich klarzumachen, dass ein Smartphone ein kleiner Computer ist, mit dem man nicht nur passiv Filme schauen, sondern auch aktiv arbeiten kann.
3. Erste Regeln
Einige Grundregeln vereinbaren: Darf das Kind Apps herunterladen? Wie lange darf es das Smartphone täglich nutzen? Was passiert mit dem Gerät in der Nacht?
4. Budget-Verantwortung
Mit dem ersten Smartphone bekommen Kinder laut Gawin oft erstmals Budget-Verantwortung – entweder durch die Wertkarte oder das begrenzte Datenvolumen.
5. Aktive Freizeit
Das Smartphone ist nicht das Zentrum der Welt. Das sollten Eltern ab dem ersten Tag vorleben, gemeinsam Zeit mit den Kindern verbringen, mit ihnen sprechen und die Freizeit miteinander aktiv verbringen.



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Alexandra Rotter

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