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Home » Rollenbilder auf Social Media
Digitale Welt

Rollenbilder auf Social Media

Helene TumaVon Helene TumaJuni 14, 2024Aktualisiert:April 7, 20265 Minuten Lesezeit
© Shutterstock
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Kinder und Jugendliche verbringen viel Zeit auf Social Media- Plattformen. Influencer dienen ihnen als Vorbilder, denen sie nacheifern wollen. Häufig repräsentieren diese jedoch überaus konservative Rollenbilder.

Geschlechterklischees begegnen uns im Alltag überall. Heranwachsende – Mädchen wie Jungen – brauchen Identifikationsfiguren, die sie stark machen. Dafür müssen veraltete Rollenbilder und Vorbilder durch zeitgemäße ersetzt werden. Die sozialen Medien, insbesondere Instagram und YouTube, spielen dabei eine entscheidende Rolle. Denn auf Social Media werden von Influencern klassische, teils sehr konservative Rollenbilder reproduziert. So beschäftigen sich weibliche YouTuberinnen überwiegend mit Themen, die als typisch weiblich gelten, wie Beauty, Mode, Basteln und Food. In diesen Bereichen bieten sie großteils serviceorientierte Formate und Tutorials an und stellen ihre Tätigkeit als Hobby dar. Bei männlichen Influencern ist der Themenbogen etwas breiter. Sie beschäftigen sich mit Games, Musik, Wissen, Politik, Sport und Training oder Unterhaltung. Außerdem deklarieren männliche Influencer ihre Tätigkeit häufiger als professionelles Handeln. Weibliche Influencer beeindrucken durch Schönheit, Schlankheit und langes Haar. Männliche Influencer, vor allem erfolgreiche Sportstars, repräsentieren überwiegend typische Bilder von Männlichkeit, beispielsweise als muskulöse und selbstbewusste Sportler.

Optimiertes Aussehen

Doch Influencer beschäftigen sich nicht nur mit der tatsächlichen Optimierung des eigenen Erscheinungsbildes, sie bearbeiten ihre geposteten Fotos auch dahingehend. Schöne Haut, eine schlanke Taille oder lange Beine entstehen bei weiblichen Influencern ebenso mit Photoshop wie Muskeln und sportlich fittes Aussehen bei männlichen Influencern. Doch wie wirkt diese optimierte Darstellung auf Kinder und Jugendliche? „Jugendliche wissen in ihrem Kopf ganz genau, dass das, was sie auf Social Media sehen, Fake ist. Dass die Bilder bearbeitet sind und Filter dahinterstehen. Aber trotzdem macht es auf sie einen Eindruck. Es erweckt trotzdem das Bedürfnis, so sein zu wollen und dem nachzueifern. Das hatte aber jede Generation. Ich erinnere mich da an die Generation meiner Eltern, die Filmdiven nachgeeifert sind“, erklärt Barbara Buchegger, Pädagogische Leiterin bei Saferinternet. Den Unterschied zu früheren Zeiten macht bei Social Media der Algorithmus, in den man unweigerlich hineingerät. Hier ist TikTok ein besonders gutes Beispiel. „Wenn ich auf TikTok nach einem neuen Thema suche, stellt sich der Algorithmus sehr schnell auf meine neuen Bedürfnisse ein und zeigt mir immer mehr Inhalte in diesem Bereich. Er wird in den Anzeigen immer ein bisschen extremer, denn der Algorithmus möchte mich bei der Stange halten. Wenn ich mich im Bereich von Rollenbildern, Körperbildern, Schönheitsidealen auf TikTok herumtreibe, merke ich vielleicht nicht, wie diese Spirale passiert und wie man mir immer dünnere Menschen anzeigt. Da muss man Kinder und Jugendliche sehr gut dabei begleiten und sie auf diese Spirale in sozialen Netzwerken aufmerksam machen“, so Buchegger.

© Shutterstock

Sterotype Ansichten

Die Kinderrechtsorganisation Plan International hat bereits vor zwei Jahren für ihren Bericht „Rollenbilder in den sozialen Medien und ihre Auswirkungen auf die Gleichberechtigung“ 1.000 junge Menschen im Alter von 14 bis 32 Jahren befragt. Das Ergebnis zeigt, je intensiver die Nutzung von Instagram, YouTube und Co., desto stereotyper die Ansichten über die Rollenverteilung von Mann und Frau. Dadurch werden veraltete Rollenbilder verfestigt und die Entwicklung der Gleichberechtigung ausgebremst. Ein Drittel der befragten Mädchen und Frauen sowie über die Hälfte der Jungen und Männer, die täglich Instagram, Facebook und YouTube nutzen, finden es in Ordnung, dass Frauen für die gleiche Arbeit weniger verdienen als Männer. Wenn es um die Rollenverteilung im Alltag geht, lässt sich eine ähnliche Tendenz erkennen: 57 Prozent der Männer und 35 Prozent der Frauen sind der Ansicht, dass Hausarbeit immer noch Frauensache ist. „Ich beobachte jetzt schon seit einiger Zeit, dass sich die Rollenbilder zurück in die 50er Jahre entwickeln. Bei den Jugendlichen spielt nicht nur das äußere Erscheinungsbild eine Rolle, sondern auch die „Erhalterrolle“: Ich als Frau habe es gut, ich kann ja einfach Mutter und Hausfrau werden und bin dann versorgt. Das verursacht auf der anderen Seite irrsinnigen Stress bei den Jungs: Ich muss eine Familie erhalten. Ich muss für alle sorgen. Ich erlebe das in der letzten Zeit ganz extrem, wenn ich mit Jugendlichen spreche“, so Buchegger.

Rollenbilder besprechen

Die Expertin rät Eltern diese Rollenbilder auf Social Media aus einer interessierten Haltung heraus mit Ihren Kindern zu besprechen. „Aus meiner Erfahrung ist es am besten, Fragen zu stellen: Wie kommt die Person dazu, das zu behaupten? Was ist ihr Hintergrund, was hat sie gelernt dazu, was berechtigt sie, das zu behaupten? Gerade bei Themen wie Gesundheit, Ernährung und Sport. Nicht ideal ist, zu sagen: Alles was die machen ist Blödsinn. Besser ist es zu sagen: Der sagt einen Blödsinn, weil…“ Aber Eltern kommt auch eine wichtige Vorbildrolle zu. Barbara Buchegger: „Wenn ich diese sehr klassischen Rollenbilder zu Hause sehe, dann sehe ich sie auch in der Onlinewelt. Wenn ich die zu Hause nicht mitkriege, werde ich vielleicht interessiert sein und das als Kuriosität anschauen, aber es wird keinen besonders großen Einfluss auf mich haben.“

© Shutterstock

Sozial Medien – Fluch oder Segen?

KOMMENTAR (Eva Kolbl, Social Media-Expertin bei Drei/ Kurt Stangl, Social Media-Experte bei Drei)

Soziale Medien sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Sie bieten viele Möglichkeiten, um mit anderen in Kontakt zu bleiben und neue Interessen zu entdecken. Doch sie bergen auch Risiken, vor allem für junge Nutzer.

Ein Hauptproblem ist, dass auf sozialen Plattformen häufig nur perfekte Momente gezeigt werden. Filtereffekte und sorgfältig kuratierte Beiträge vermitteln ein unrealistisches Bild von Perfektion. Viele Jugendliche entwickeln dadurch überh.hte Erwartungen an ihr Aussehen und ihren Lebensstil.

Allerdings haben soziale Medien auch positive Seiten. Sie können ein Werkzeug sein, um Kontakte zu pflegen und sich auszutauschen. Entscheidend ist, dass Kinder und Jugendliche einen verantwortungsvollen Umgang damit erlernen.

Eltern spielen hier eine Schlüsselrolle. Sie müssen ihren Kindern beibringen, kritisch mit Inhalten umzugehen und die Grenzen zwischen virtuell und real zu erkennen. Auch Schulen sind gefordert, Medienkompetenz zu vermitteln.

Nur so können wir die Chancen sozialer Medien nutzen und die Risiken minimieren. Denn sie sind fester Bestandteil unserer Gesellschaft und werden es auch in Zukunft bleiben. Verantwortungsvoller Umgang ist daher unerlässlich.

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Helene Tuma

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