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Home » So viel Zeit sollten Kinder mit dem Handy verbringen
Digitale Welt

So viel Zeit sollten Kinder mit dem Handy verbringen

Alexandra RotterVon Alexandra RotterFeber 8, 2018Aktualisiert:April 7, 20264 Minuten Lesezeit
© Matt Observe
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„Mama, kann ich dein Handy haben?“ Ich will doch nur spielen!

Schon die ganz Kleinen spielen gerne auf dem Smartphone. Das kann für Eltern praktisch sein, sie sollten Kindern aber unbedingt Grenzen setzen – und das schon früh. Doch wieviel Zeit sollten Kinder mit dem Handy verbringen und ab welchem Alter?

Die vierjährige Emma veranlasst eine Tiefenbohrung. Das Material, das sie an die Oberfläche holt, lässt sie von einem Transportwagen zur Baustelle bringen. Der Hausbau schreitet voran – drei oder vier Bohrungen noch, schon steht der Rohbau. Dann wechselt Emma zur Winter-Version: „Ich roll jetzt eine Schneekugel. Ich bring den Schnee zur Burg.“
Emma spielt hoch konzentriert am Smartphone ihrer Mutter das Kinderspiel „Sagomini“. Ihr zweijähriger Bruder Jakob schaut zu und will selbst spielen. Die beiden sind nicht untypisch für ihr Alter.

Emma hat nur ein Plastikhandy, aber noch kein Smartphone. Sie und ihr Bruder verwenden hin und wieder jenes der Eltern, um zu spielen. Jessica Heggenberger, Jakobs und Emmas Mutter, zeigt ihrer Tochter ab und zu neue Handyspiele: „Jakob interessiert es auch, weil die Große spielt. Aber nach fünf Minuten wird ihm langweilig.“

© Matt Observe

Kein Handy bis zwei

Solch eine natürliche Schranke ist positiv, wenn man Psychologen fragt. Lässt diese aber nach, kann es schwierig werden. Mama und Papa, die einen Handyspiele- Stopp verordnen, können oft was erleben. Martina Leibovici-Mühlberger, Psychotherapeutin, Autorin mehrerer Erziehungsratgeber und selbst Mutter von vier Kindern, betont, wie wichtig ein dosierter Umgang mit Bildschirmmedien für Kinder ist.

In den ersten zwei Lebensjahren rät sie generell von Bildschirmmedien ab: „In der sensiblen Phase ist die Entwicklung durch Bildschirme gestört. Die Teletubbies sind kein Sprachförderprogramm.“ Zudem sei ein „linearer Zusammenhang zwischen Aggression und Bildschirmmedien“ aus vielen Studien bekannt. Ab dem Alter von zwei könne langsam mit Smartphone & Co. begonnen werden – von zunächst höchstens einer halben bis in der Jugend maximal zwei Stunden täglich.

Regeln wie diese und andere Tipps zur Handynutzung kennt auch Claudia Müller, Mutter von fünf Kindern. Die Realität sehe aber meist anders aus. Ihren Töchtern, die 15 und 16 Jahre alt sind und oft mit Freunden videotelefonieren oder YouTube schauen, setzt sie keine Grenzen mehr. Anders beim zehnjährigen Julian. Er bekam sein erstes Handy, als er mit der Volksschule begann, um notfalls zuhause anrufen zu können. Mittlerweile hat er ein Smartphone und spielt täglich darauf. Derzeit gehört „Minecraft“ zu seinen Lieblingsspielen:
„Man kann sich selbst versorgen: mit Blöcken Häuser bauen, Tiere schlachten und sie dann essen.“ Auch „Clash Royale“ steht hoch im Kurs, wo mit Figuren auf einem Feld Türme anderer Spieler zerstört werden müssen. Beides spielt Julian alleine oder mit Freunden über eine Onlineverbindung. Und am Laufenden zu bleiben, schaut er regelmäßig YouTuber, die seine Spiele spielen.

© Matt Observe – Handyverbot bei schlechten Noten?

Verbot bei schlechten Noten

Manchmal mopsen Elias und Raphael, Julians vierjährige Zwillingsbrüder, sein Handy und spielen „Babyspiele“.
Gelegentlich greift auch Claudia ein: „Julian bekommt Handyverbot, wenn er nichts lernt oder schlechte Noten hat. Dann verstecke ich sein Handy.“ Doch der geht dann auf die Suche. Er behauptet verschmitzt: „Ich finde alles.“ Die Grundregel lautet: „Solange Julian im Haushalt mithilft, in der Schule allespasst und er rausgeht, darf er auch mal länger spielen.“ Vor allem im Sommer überwiegt dann doch die Bewegung im Freien: Da schwimmen die Kinder viel im Pool, und Julian geht Radfahren und trifft Freunde.

So lange sollten Kinder Zeit mit dem Handy verbringen

Martina Leibovici-Mühlberger ist oft erstaunt, wie gut Kinder mit der Technik zurechtkommen. Die Herausforderung, rechtzeitig Regeln einzuführen, ist groß: „Erst in den letzten Jahren hat sich die Kultur der Internetmedien flächendeckend entwickelt. Wir haben den Kodex parallel dazu noch nicht gelernt.“ Früh müsse in der Erziehung der Grundstein gelegt werden, denn mit zwölf oder 13 Jahren lässt sich kein Kind mehr das Handy verbieten: „Wir müssen die Kinder so erziehen, dass sie kritische User werden.“ Um zu verhindern, dass Jugendliche das Smartphone als „verlängerten Körperteil“ wahrnehmen, müssen Kinder das Smartphone „als Instrument, nicht als Bestandteil ihrer Identität“ begreifen.

Generationenfrage

Bei Familie Heggenberger wird das Smartphone manchmal auch als Notfallsmittel eingesetzt, vor allem, wenn ein längerer Heimweg ansteht – dann darf Emma im Auto spielen, weil sie sonst einschlafen und dann bis Mitternacht kein Auge zubekommen würde. Jessica Heggenberger: „Ich glaube, dass diese Generation mit Elektronik aufwächst. Sie sehen es ja auch bei uns Erwachsenen.“ Wenn die quirlige Emma nach der Autofahrt aber weiterspielen will, hilft auch kein Jammern und Betteln: Dann ist Schluss.

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Alexandra Rotter

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