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Home » Wie geht Schule und Kiga in Corona-Zeiten? – Experten-Interview
Bildung

Wie geht Schule und Kiga in Corona-Zeiten? – Experten-Interview

Daniela JaschVon Daniela JaschSeptember 6, 20204 Minuten Lesezeit
© privat
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„Eltern und Lehrer sollten es sich in der Krise so einfach wie möglich machen und nicht unnötigen Druck aufbauen!“

Familienberaterin Ines Berger erzählt, wie sehr der Lockdown den Kindern zugesetzt hat, welche die größten Herausforderungen der Corona-Krise sind und welche Chancen sie gleichzeitig birgt.

Was hat der Lockdown laut Ihren Erfahrungen mit den Schulkindern gemacht?
Ines Berger: Das war sehr von der Beziehungsebene daheim abhängig und wie gut die Kinder zuhause aufgefangen wurden. Viele Kinder haben das Ausschlafen und die Zeit ohne Schule sehr genossen. Auch abhängig von den Lehrern war das Homeschooling für manche eine Entlastung, für andere mit enormem Druck verbunden. Vielen haben die Sozialkontakte und die Großeltern sehr gefehlt. Kinder aus belasteten Familien oder solche, die etwa zu sechst auf 70 Quadratmeter wohnen, waren plötzlich in einer sehr stressigen Extremsituation. Allgemein lässt sich sagen: je flexibler die Eltern und je besser die Ressourcen, umso besser kamen Familien durch die Krise.

Wie sehr hat die Krise uns insgesamt zugesetzt und was können Familien daraus mitnehmen?
Ich bin der Ansicht, dass die Krise uns nicht anders macht. Menschen, die zum Beispiel vorher schon nicht mit viel Vertrauen oder Zuversicht durchs Leben gegangen ist, legen ihre alten Muster wegen der aktuellen Krise nicht ab. Jene, die vorher schon flexibel und offen mit Herausforderungen umgegangen sind, haben die Krise auch als Chance gesehen und das Beste daraus gemacht.

Was war die größte Herausforderung aus der Sicht der Eltern?
Corona hat uns alle völlig unvorbereitet getroffen. Das Schwierigste in solchen Situationen ist, sich einzugestehen, dass man keine Ahnung hat, wie es weitergeht, da ja niemand Erfahrungswerte gehabt hat. Daher war es eine große Herausforderung, die Situation anzunehmen, wie sie ist, sich zu orientieren und den Druck raus zu nehmen. Stattdessen haben es sich viele Eltern noch schwerer gemacht, weil sie versucht haben zu funktionieren, alle Anforderungen zu erfüllen und den Spagat zwischen Homeschooling und Job zu schaffen. Dabei wäre es sowohl für Lehrer als auch für Eltern im Hinblick auf die Schüler und auch auf sich selbst wahrscheinlich einfacher gewesen, einmal „Stop“ zu rufen und nicht in dieser oft angstbesetzten Stimmung noch unnötigen Druck aufzubauen.

© www.inesberger.at

Welche Sorgen und Ängste haben Sie bei den Kindern wahrgenommen?
Am Anfang gab es – vor allem bei kleineren Kindern – oft Angst davor, dass Menschen in ihrer Umgebung sterben könnten. Manche hatten auch Angst, ihre Großeltern zu gefährden. Die Sorgen waren sehr davon abhängig wie Eltern mit neugierigen Kinderfragen umgangen sind und wie offen daheim darüber gesprochen wurde. Viele Jugendliche haben sich mit den digitalen Medien gut zu helfen gewusst – bis hin zu Partys vor den Bildschirmen. Jene, denen der persönliche Austausch wichtiger war, haben freilich mehr unter dem Social -Distancing gelitten.

Welche Chance sehen Sie in der Krise hinsichtlich des Schulstarts?
Ich hoffe sehr, dass wir in Zukunft den Fokus genauso auch auf die psychische Gesundheit legen. Dass wir zum Beispiel darauf achten, wie Kinder und Jugendliche in einem geschützten Rahmen ihre sozialen Kontakte pflegen können. Dass sich Lehrer neben dem Abarbeiten des Lehrplans auch um das seelische Wohl der Schüler kümmern. Mit dem Homeschooling hat man ja nun die Erfahrung gemacht, dass Lernen auch neu gedacht werden darf. Es wäre also ein guter Zeitpunkt, um das starre Schulsystem aufzubrechen und vermehrt alternative Unterrichtsmethoden auszuprobieren. Vielleicht ist uns insgesamt auch wieder mehr bewusst geworden, dass die Beziehung zwischen Eltern und Kindern oft durch das Thema Schule schon lange massiv belastet und Konfliktpunkt Nummer eins ist. Dabei wäre es auch aus Sicht der Gehirnforschung und Lernpsychologie so wichtig, dass Schule freudvoll und positiv besetzt sind, damit Lernen nachhaltig gelingt.

Weitere Beiträge zu den Themen Bildung bzw. Coronavirus findet ihr hier:

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Daniela Jasch

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