Margret ist fassungslos. Eben noch hat sie mit ihrer Tochter Lore (4) gespielt und die Stimmung war großartig. Dann berührte sie unabsichtlich eine Figur und diese fiel zu Boden. Obwohl nichts weiter passiert war, begann Lore zu schreien: „Du bist sowas von blöd. Schau was du gemacht hast. Du bist nicht mehr meine Mama!“ Wenn Eltern ihre Kleinen innig umarmen und sie ganz fest an sich drücken, fühlt sich das nach unendlicher Liebe und purem Glück an. Und sie können sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass diese herzallerliebsten Wesen sie jemals verletzen könnten. Bis die geliebten Schnuckelchen dann plötzlich in der Autonomiephase angekommen sind. Spätestens nach dem ersten richtigen Wutanfall wissen alle Eltern. und die Nachbarn und Umstehenden meist auch: Der Zorn eines kleinen Menschen kann sehr groß sein. Dabei wird nicht nur sichtbar, wie viel Wut in den Kleinen stecken kann, sondern auch, wie viel Macht sie über elterliche Gefühle haben.

Denn auch wenn Mama und Papa wissen, dass sie es nicht so meinen, ein entgegengefeuertes „Ich hasse dich!“ tut verdammt weh. Genauso geht es Eltern, wenn sie Folgendes zu hören bekommen:
„Ich hasse dich du Blöde (oder Blöder)!“?
Kleine Kinder wissen oft gar nicht, was das Wort Hass eigentlich bedeutet und welche Macht es hat. Und so können sie nicht einschätzen, was sie damit auslösen, wenn sie Mutter oder Vater damit anschreien.
„Du bist so gemein, ich habe dich nicht mehr lieb!“
Für ein Kind ist rasch jemand gemein. Nicht persönlich nehmen, bald hören Eltern wieder, wie lieb sie gehabt werden.
„Ich mag Mama/Papa viel lieber als dich!“
In Klassiker der Sätze, die ins Schwarze treffen. Jedes Kind geht durch die Mama-/Papa-Phase – aber sie geht auch wieder vorbei!
„Du liebst mich gar nicht!“
Dieser Satz ist ein Ausdruck von Enttäuschung. Immerhin wissen Eltern bei dem Stich ins Herz sofort, dass das Kind unrecht hat. Aber weh tut es trotzdem.
„Wenn du immer nur arbeitest, hättest du dir keine Kinder anschaffen sollen!“
Das ist die Äußerung eines Kindes, das gefühlt zu wenig Aufmerksamkeit bekommt.
„Dann lade ich dich nicht zu meinem Geburtstag ein!“
Da können Eltern zumindest ein wenig lächeln. Na gut, dann bringen Mama und Papa aber auch keine Geschenke mit.

„Wie können Sie reagieren, wenn Ihr Kind Sie beleidigt?“
Atmen Sie durch. Auch wenn Sie manchmal am liebsten etwas Gemeines erwidern würden – tun Sie es nicht.
Seien Sie ehrlich. Sie dürfen durchaus sagen, dass eine Aussage Sie verletzt hat. So lernen Kinder, sich in andere Personen hineinzuversetzen und dass ihre Worte Konsequenzen haben. Kleine Kinder sind dazu noch nicht in der Lage, aber der Nachwuchs in der Pubertät durchaus. Kinder lernen erst mit durchschnittlich vier Jahren, Einfühlungsvermögen zu entwickeln.
Ganz wichtig: Forschen Sie nach, warum das Kind einen bestimmten Satz gesagt hat. Das fällt in der Situation nicht unbedingt leicht, doch es hilft, die Gefühle Ihres Kindes oder des Jugendlichen einzuordnen. Denn solche Sätze drücken grundsätzlich ein bestimmtes Bedürfnis aus. Durch eine „Warum“-Frage machen Sie ein Gespräch möglich, in dem Sie dann genauer erkennen, worum es wirklich geht.
