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Home » Lernen in Rekordzeit
Bildung

Lernen in Rekordzeit

Marlene MayerVon Marlene MayerMärz 25, 20196 Minuten Lesezeit
© Shutterstock
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Eine Fremdsprache in zehn Tagen, der Geografie- Jahresstoff in vier Stunden – Speedlearning hängt klassische Lehrpläne um Längen ab. Lernexperte Sven Frank erklärt, wie das funktionieren kann.

Das Kleinkind, das so lange aufsteht, bis es nicht mehr fällt. Die Ritterburg aus Bausteinen, die Geduld, Geschicklichkeit und Grundwissen der Konstruktion erfordert. Die ersten zögerlichen Fremdworte, die im Sommerurlaub ein Spiel einleiten. Wir lernen ständig. Wir speichern Wissen, integrieren Neues in unseren Alltag und erweitern genau damit unseren Horizont. Und trotzdem: Lernen hat gemeinhin keinen guten Ruf – spätestens mit dem Schuleintritt scheinen die Tage des sorgenfreien Wissensgewinns vorbei. Sven Frank ist Lernexperte und Autor. Mit seinem Buch „Speedlearning“ (Redline Verlag) betreibt er nun eine Art Imagepflege
für das Lernen. Frank, der selbst „ein guter, aber fauler Schüler“ war (und heute immerhin sieben Fremdsprachen spricht), hat sich intensiv damit beschäftigt, welche Faktoren das Lernen eigentlich behindern und welche Techniken dabei helfen, Inhalte schnell und vor allem langfristig abzuspeichern.

Die Lust am Lernen

Die richtige Einstellung zum Lernen ist dabei auch schon eine erste Barriere auf dem Weg zum Erfolg. Sie sei sogar „entscheidend“, so Frank. Ein Blick ins Gehirn liefert die passende Erklärung. Beim Lernen bilden die Synapsen neue Verknüpfungen – es gibt zwei grundlegende Faktoren, die diesen Prozess im Zusammenspiel unterstützen: Wiederholung und Emotion. Besteht schon im Vorhinein Widerwille gegen den Lernstoff, wird die Verknüpfung eher schwach ausgeprägt und umso leichter wieder vergessen. Vergessen ist eine Schutzfunktion des Gehirns. Immerhin sind wir ständig von unzähligen Reizen und Informationen umgeben, damit unser Gehirn also nicht regelrecht „zugespammt“ wird, sind gewisse Filter dringend notwendig. Positive Verknüpfungen (etwa gute Düfte zum jeweiligen Lernstoff oder das Anlegen eines „Dankbarkeitstagebuchs“, in dem statt der üblichen Sorgen und Nöte notiert wird, was gut klappt) können helfen, diese Filter zu umschiffen. Auch die Wahl der richtigen Lebensmittel (Heidelbeeren, Grüner Tee und Kurkuma unterstützen das Wachstum der Nervenzellen), etwas Bewegung und ausreichend Schlaf haben einen messbaren Effekt.

© Shutterstock

Gegen die Kurve des Vergessens

Sind diese Voraussetzungen einmal erfüllt, ist es Zeit, die eigene Lerntechnik auf den Prüfstand zu stellen. Im Kampf gegen die berühmte Vergessenskurve von Ebbinghaus sollte der Lernstoff beispielsweise in bestimmten zeitlichen Abständen wiederholt werden (nach 5 Sekunden, 20 Minuten, einem Tag, einer Woche, einem Monat, sechs Monaten, einem Jahr und fünf Jahren). Auch das Einweben von Lerninhalten in Reimen und Merksätzen wirkt unterstützend. Darüber hinaus baut Frank auf ein Zusammenspiel verschiedener Techniken, denen die Verbildlichung und Strukturierung der Lerninhalte gemeinsam ist (Mnemotechnik, Mind Maps, Selbsthypnose). Aber warum ist es denn nun eigentlich erstrebenswert, den Lernprozess zu beschleunigen? Frank: „Wir könnten die gewonnene Zeit so viel besser nutzen. Zur Vertiefung, Verbesserung unserer Fertigkeiten oder zur Persönlichkeitsentwicklung.“

© privat – Sven Frank, Lerncoach und Autor, www.sven-frank.com

Es gibt kein Talent! Nur Interesse und die richtige Lerntechnik.

Sven Frank, Lerncoach und Autor

4 Speedlearning-Methoden

1. Die Mnemo-Technik
Denken in Bildern. Für die Speedlearning-Methode von Sven Frank ist die Mnemo-Technik essenziell. Dabei werden die Zahlen 1 bis 1.000 mit konkreten Bildern verbunden, die einem logischen Aufbau folgen. Das bedeutet zunächst einen gewissen Aufwand, einmal erlernt, können Telefonnummern, Zahlenfolgen und Spezialwissen jedoch langfristig einfacher gemerkt werden.

2. Der 11er-Schmäh
275. So lautet das Ergebnis von 25 x 11. Wie alle Ergebnisse der 11er-Reihe lässt es sich sekundenschnell im Kopf lösen. Und das geht so: Die zu multiplizierenden Zahlen werden addiert (2 + 5 = 7) und das Ergebnis wiederum in die Mitte gestellt (275). Ist das Resultat zweistellig, wird die erste Zahl mit der ersten Zahl des Ausgangswerts addiert und nur die zweite in die Mitte gestellt. (Beispiel: 38 x 11 / 3 + 8 = 11 / 418) Ein Trick, den man so schnell nicht vergisst und mit dem man garantiert schneller kopfrechnet als der Lehrer.

3. Eselsbrücken und Merkhilfen
Je skurriler, desto besser. Um Wissen langfristig abzuspeichern, dürfen auch Merksätze bemüht werden. Etwa dieser „Ein Wiener Würstchen klagte immerfort, dass die Tölpel Eisen statt Salz in die Burg streuten. Deshalb linste eine graziöse Frau ins Brockhaus Lexikon und fand eine Brezel gänzlich zerbröselt.“ Versteckt sind hier die österreichischen Landeshauptstädte. Erkannt?

4. Die 20+5 Regel
Timing ist alles. Eine Unterrichtsstunde dauert 50 Minuten, dabei ist unser Gehirn gar nicht so lange aufnahmebereit. Damit Wissen optimal gespeichert werden kann, sollten Inhalte in Einheiten von 20 Minuten vermittelt werden. Darauf folgt im Idealfall eine leichte körperliche Tätigkeit, etwa ein kleiner Spaziergang, während dem sich Schüler gerne über das Gelernte austauschen dürfen. Für optimale Ergebnisse schließt die Unterrichtseinheit mit einer fünfminütigen Wiederholung ab.

„Wir zwingen das Gehirn direkt zum Vergessen“ – Interview mit Sven Frank

Dabei hat das Gehirn Leistung verdient, findet Sven Frank. Der Lernexperte über klassische Unterrichtsfehler und richtige Lerntechnik.

Sie unterstützen Schulen dabei, neue Lerntechniken zu vermitteln. Was sind denn die größten Fehler, die an den Schulen gemacht werden?
Frank: Da gibt es grundsätzliche Probleme, etwa dass die vielen unterschiedlichen Fächer, die abwechselnd unterrichtet werden, das Gehirn direkt zum Vergessen zwingen, weil die Lerninhalte der 3. Stunde jene der 2. Stunde überlagern. Der Jahresstoff an sich ist nicht viel. Stellt man es richtig an, kann man das notwendige Wissen in deutlich kürzerer Zeit vermitteln und hätte dann genug Zeit für Fertigkeiten, Erfahrung und Persönlichkeitsentwicklung. Ich biete den Schülern verschiedene Tricks und Techniken an, und dieses Können wirkt sich dann wiederum automatisch auf die Motivation aus.

Wie funktioniert Lernen überhaupt?
Es muss sich die Hardware im Gehirn bilden. Wie bei einer Eiche, die erst wachsen und Wurzeln schlagen muss, bis sie Wetter und Umwelt wirklich trotzen kann. Die Synapsen sehen aus wie Wurzeln einer Pflanze. Immer, wenn wir etwas lernen, verknüpfen sich diese Nervenenden. Diese Verknüpfungen können durch Emotionen oder Wiederholungen unterstützt werden. Das Gehirn wird durch das Lernen aktiviert, gespeichert wird aber in den Ruhepausen. Ideal ist also Lernen vor dem Schlafengehen oder vor dem Sport.

Lernen Kinder anders als Erwachsene?
Kinder lernen zunächst natürlicher und sehr bildlich. Mit der Schule beginnt dann ein System, in dem es um Stillsitzen und Wiederholen geht, und die Kreativität geht verloren. Das spielerische Lernen rückt in den Hintergrund. Kinder werden durch Erfolgserlebnisse selbstbewusst. In der Schule zählt, aber oft nur das Ergebnis, nicht der Weg. Doch wenn man Kinder mit Erfolgserlebnissen konfrontiert, haben sie mehr Spaß und lernen besser.

Sie sagen, es gibt kein Talent …
Richtig, es gibt kein Talent. Es gibt nur Interesse und die richtige Lerntechnik.

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Marlene Mayer

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