Coronavirus

Corona-Soforthilfe – die direkt ankommt

Ein Einkauf im Weltladen bedeutet gerade jetzt konkrete Solidarität und ein Beitrag für den Soforthilfe-Fonds zusätzliche Unterstützung in der COVID-19-Krise

Weltladen-produzentinnen aus Bolivien

Die Produzent*innen in Afrika, Asien und Lateinamerika sind besonders stark von den Auswirkungen der COVID-19-Krise betroffen. Die COVID-Fälle nehmen zu und die Ausgangssperren und -beschränkungen der vergangenen Wochen führten zu Produktions- und Lieferstopps und damit Einkommensverlusten. „Viele konnten wegen der Ausgangssperren nicht ihrer Arbeit nachgehen. Werkstätten waren geschlossen, aktuell kann, wenn überhaupt, oft nur mit reduzierter Belegung produziert werden. Es ist schwierig, Arbeitsmaterialien einzukaufen, fertige Produkte können teilweise nicht exportiert werden und der Verkauf im Inland ist besonders in Tourismusgebieten zum Erliegen gekommen. Zudem können die Produzent*innen oft auf keinerlei staatliche Unterstützungen wie wir sie kennen hoffen“, erläutert Gudrun Danter, Geschäftsführerin der Dachorganisation, Arbeitsgemeinschaft Weltläden.

Bei uns kehrt langsam wieder „Normalität“ ein. Im globalen Süden dauert das noch.

„Daher haben wir von der Arbeitsgemeinschaft Weltläden bereits vorausschauend im April 2020 den Corona-Solidaritäts-Fonds eingerichtet“, sagt Ernst Gassner, Vorsitzender der Dachorganisation, Arbeitsgemeinschaft Weltläden.
Mehrheitlich werden Produzent*innen der EZA Fairer Handel unterstützt. Zusätzlich wurden an die Mitarbeiter*innen einer Filzerei in Nepal, wichtige Kooperationspartnerin des oberösterreichischen Unternehmens Fairytale Fair Fashion, Mittel aus dem Fonds bereitgestellt. Die ersten beiden Ziele von je 20.000 Euro wurden sehr schnell erreicht. Sofort wurden die Mittel an die Produzent*innen weitergeleitet. Denn: Schnelle Unterstützung ist doppelte Unterstützung. „Solidaritätszahlungen in der Höhe von 40.000 Euro nach Bolivien, Indien, Nepal, Sri Lanka und Tansania. So können wir die Menschen am Anfang der Handelskette stärken, damit sie und ihre Organisationen die Krise gut überstehen. Außerdem unterstützen unsere Lieferant*innen durch Vorauszahlungen und Abnahmegarantien trotz möglicher Lieferverspätungen“, berichtet Gudrun Danter.
„Nachhaltig ist ein Engagement, das in der Krise nicht abebbt, sondern stärker wird,“ sagt Birgit Calix von EZA Fairer Handel. In intensivem Kontakt mit den EZA-Handelspartner*innen erhebt sie laufend deren Situation in COVID-19 Zeiten. „Es ist großartig, wie sehr sich Weltläden und deren Kund*innen am Soforthilfefonds bisher beteiligt haben. Die Gelder sind eine ungemein wichtige Überbrückungsleistung und ein wichtiges Signal an unsere Produzent*innen: Der Faire Handel geht weiter. Trotz, mit und nach Corona.“
Gleichzeitig rufen die Weltläden Verbraucherinnen und Verbraucher zum Einkauf im Weltladen auf. Der Faire Handel der Weltläden trägt u.a. durch höhere Erlöse für die Produzent*innen sowie Verlässlichkeit, Vorauszahlungen, Beratung und weitere Leistungen dazu bei, die Organisationen der Handelspartner*innen zu stärken. Gerade in dieser Zeit sind verlässliche Einnahmen und Solidarität von besonderer Bedeutung für die Produzent*innen. „Im Weltladen erfährt man direkt, wer die Produkte unter welchen Bedingungen hergestellt hat, das ist der faire Unterschied“, so Gudrun Danter.

Schauplatz Indien: „This is what makes Fair Trade different… and meaningful.“

„Fairer Handel ist sinnvoll und macht einen Unterschied“, sagt Johny Joseph, Direktor von Creative Handicrafts, einem wichtigen Fair Fashion Partner mit Sitz in Mumbai, Indien. Die beschäftigten 150 Näherinnen wohnen alle in verschiedenen Slums von Mumbai. Diese Slums sind einer der „COVID-19-Hot Spots“ innerhalb der roten Zone. Aus den Fondsmitteln der Weltläden wurden Monatslöhne der Näherinnen ausgeschüttet, um die wichtigsten täglichen Ausgaben begleichen zu können. Seit der zweiten Juni Woche kann zwar wieder gearbeitet werden, jedoch nur mit der Hälfte der Näherinnen.
„Most of the producers are going through a tough time during this period…. Two months without work and many cancelled or reduced orders…. Further, there is so much uncertainty… The donation ….will help us continue to pay the women during this lockdown…“, so bringt es Johny Joseph auf den Punkt. Die EZA Fairer Handel pflegt eine direkte und intensive Handelspartnerschaft mit Creative Handicrafts und hat weder Bestellungen storniert noch diese reduziert.

Schauplatz Bolivien

Bolivien wurde von der COVID-19-Krise kurz nach der politischen Krise nach dem erzwungenen Abtritt des Präsidenten Evo Morales doppelt hart getroffen. Bereits die politische Krise hat eine massive ökonomische und soziale Krise nach sich gezogen (mit Plünderungen, Ausgangssperren, rassistischen Übergriffen gegenüber der indigenen Bevölkerung, Gewalt auf der Straße, etc.). Die COVID-19-Krise und Ausgangssperren haben die Menschen neuerlich in ihre Häuser gezwungen. Die Situation bedeutet für viele: Keine Arbeit, kein Einkommen. Zusätzlich führen die angespannte Situation, Unsicherheit und strenge Ausgangssperre in den Familien zu innerfamiliären Spannungen und häuslicher Gewalt. Die Organisation ASARBOLSEM ist ein langjähriger Strickpartner mit großem sozialen und politischen Engagement. Es handelt sich um eine anerkannte Fairhandels-Organisation der ersten Stunde aus Bolivien. Die Mitglieder von ASARBOLSEM sind vor allem Handstricker*innen indigener Abstammung aus El Alto, einer Satellitenstadt oberhalb der Regierungsstadt La Paz. Die Organisation unterstützt ihre 72 Mitglieder (davon 85% Frauen) während der COVID-19-Krise. Daher wurde 12.000 Euro aus dem Corona-Soforthilfe-Fonds für  Lebensmittelpakete, Kauf von Masken, Desinfektion und Hygieneartikel überwiesen. J. Carlos Moscoso Rodriguez von ASARBOLSEM schreibt: „Vielen Dank für die Solidarität und die persönliche und institutionelle Unterstützung unserer Mitglieder. Die Unterstützung erreicht uns zu einem kritischen Zeitpunkt der COVID-19-Entwicklung in Bolivien. Ich kann kaum die Worte finden, um euch für eure Unterstützung zu danken.“

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