Mit 25 Jahren wurde ich Mutter – mitten im Studium der Rechtswissenschaften. Für viele ist das ein Moment, der als Bruch wahrgenommen wird, als Abweichung von einem klar geplanten Lebenslauf.
Für mich war es eine bewusste Entscheidung – und gleichzeitig der Beginn eines Weges, der mir gezeigt hat, wie viel möglich ist, wenn man nicht bereit ist, sich zwischen Familie und Ausbildung entscheiden zu müssen.
Zwischen Vorlesungen, Prüfungen und dem Alltag mit einem kleinen Kind habe ich gelernt, Verantwortung auf mehreren Ebenen gleichzeitig zu tragen.
Es war nicht immer einfach, oft organisatorisch anspruchsvoll und manchmal auch anstrengend – aber nie ein Grund, meinen Weg aufzugeben. Ich habe mein Studium abgeschlossen, bin drangeblieben und habe heute zwei Masterabschlüsse.
Diese Erfahrung hat mir eines gezeigt: Mutterschaft und Ausbildung schließen einander nicht aus. Auch wenn gesellschaftlich oft noch ein anderes Bild vermittelt wird, ist es sehr wohl möglich, Familie und berufliche Ziele miteinander zu vereinbaren. Genau darüber habe ich gesprochen. In einem Video auf meinem Instagram-Kanal „evamariameidl“, auf dem mir rund 45.000 Menschen folgen.

Was dann passiert ist, hat selbst mich überrascht. Innerhalb kürzester Zeit hat sich dieses Video rasant verbreitet. Es hat meine eigene Community verlassen und über zwei Millionen Aufrufe erreicht. Viele Medien haben darüber berichtet – nicht zuletzt, weil das Thema offensichtlich einen Nerv getroffen hat: junge Mutterschaft, Bildung und die Frage, ob beides gleichzeitig möglich ist.
Doch mit dieser plötzlichen Sichtbarkeit kam nicht nur Zuspruch. Es kam auch eine Vielzahl an Kommentaren, die eine andere Seite dieser Öffentlichkeit zeigen. Besonders auffällig war dabei, dass viele der abwertenden Reaktionen von Männern kamen – häufig in einer Tonalität, die nicht auf inhaltliche Auseinandersetzung abzielte, sondern auf persönliche Herabwürdigung. Sätze wie „Bring dich um“, „Du bist ein absoluter Niemand“, „Arbeitslager wäre gut für dich“ oder „Crackkonsumentin“ stehen exemplarisch für eine Form der Kommunikation, die mit sachlicher Kritik nichts mehr zu tun hat. Es geht nicht um Diskussion – es geht um Entwertung. Was dabei besonders irritiert, ist die Selbstverständlichkeit, mit der solche Aussagen getätigt werden. Viele dieser Kommentare stammen von anonymen Profilen, ohne erkennbare Identität. Die fehlende persönliche Verantwortung scheint die Hemmschwelle deutlich zu senken.Im direkten Gespräch würde kaum jemand so sprechen. Im Internet scheint es für manche normal geworden zu sein.

Rechtlich ist die Situation jedoch klarer, als oft angenommen wird. Die Meinungsfreiheit endet dort, wo die Rechte anderer verletzt werden. Beleidigungen, Drohungen oder Aufforderungen zur Selbstverletzung können relevant sein. Das Internet ist kein rechtsfreier Raum – auch wenn dieser Eindruck im Alltag häufig entsteht.Es stellt sich jedoch auch eine gesellschaftliche Frage: Was sagt es über uns aus, wenn eine junge Frau, die über ihren Bildungsweg spricht, nicht mit Argumenten konfrontiert wird, sondern mit massiver Abwertung? Offenbar geht es in solchen Momenten nicht nur um Inhalte, sondern auch um Rollenbilder. Um Erwartungen daran, wie eine Frau zu sein hat, wann sie Mutter wird und welchen Platz sie in der Gesellschaft einnehmen „sollte“. Hinter jedem Beitrag steht ein Mensch mit einer eigenen Geschichte. Diese Perspektive geht in der Dynamik von Reichweite und schneller Bewertung oft verloren. Die vergangenen Wochen haben mir deutlich gezeigt, dass Sichtbarkeit nicht nur Chancen, sondern auch Risiken mit sich bringt. Sie eröffnet Möglichkeiten, Themen anzusprechen und Diskussionen anzustoßen – konfrontiert aber gleichzeitig mit Reaktionen, die weit über sachliche Kritik hinausgehen.
Was mich dabei am meisten erschüttert hat, ist nicht einmal der einzelne Kommentarsondern die Haltung dahinter. Diese Selbstverständlichkeit, mit der Menschen glauben, sie dürften andere herabwürdigen, entmenschlichen oder ihnen sogar den Tod wünschen, nur weil ihnen ein Inhalt nicht gefällt. Das ist kein Ausrutscher.
Das ist ein Muster. Und genau dieses Muster ist gefährlich. Denn es verschiebt Grenzen. Es macht aus Worten Waffen – und aus Plattformen Orte, an denen Respekt zunehmend zur Ausnahme wird.
Wer glaubt, das sei „nur das Internet“, verkennt, dass genau hier gesellschaftliche Realität entsteht. Wie wir online miteinander umgehen, ist kein Nebenschauplatz – es ist ein Spiegel dessen, was wir bereit sind, als normal zu akzeptieren.
Umso wichtiger ist es, Grenzen klar zu benennen.
HINWEIS:
Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung. Bei rechtlichen Fragen oder Problemen sollte immer ein:e Rechtsanwalt:anwältin konsultiert werden.
