Nachhaltigkeit

Das neue Sparen: Nachhaltiges Investment

Das Angebot, Geld ethisch und umweltbewusst anzulegen, steigt. Familien haben damit mehr Möglichkeiten für kommende Generationen Gutes zu tun.

Investment beginnt weit bevor sich jemand entscheidet Geld in Aktien, Fonds, Bonds, Anleihen, Unternehmensanteile oder andere Angebote anzulegen. Vielmehr hat jeder Erwachsene Geld bereits in verschiedenen Formen „investiert“ und mit diesem Geld wird gearbeitet. Auf dem Girokonto liegt mehr oder weniger viel Geld, es gibt das eine oder andere Sparbuch, für jeden Arbeitnehmer in Österreich wird Geld bei einer Betriebsvorsorgekasse eingezahlt und viele haben Lebensversicherungen. Gerade Familien denken dabei natürlich in mehreren Generationen: Was die Eltern geerbt haben und durch ihre Arbeit verdienen, soll den eigenen Kindern einmal zu Gute kommen und das Leben einfacher machen.

Neue Sparformen

Die Zinspolitik der letzten Jahre hat dazu geführt, dass man mit einem klassischen Sparbuch im besten Fall langsamer Geld verliert, als wenn man es einfach in bar aufhebt. Die Zinsen sind oft niedriger als die Inflation. Das hat dazu geführt, dass sich mehr Menschen damit beschäftigen, welche anderen Sparformen es gibt. Und das hat auch dazu geführt, dass immer neue Produkte auf den Markt gekommen sind. Fondssparpläne etwa, in die in kleinen, regelmäßigen Beträgen – ab etwa 50 Euro pro Monat – investiert werden kann. Und das auch in Branchen wie Immobilien, die davor eher nur größeren Investoren zur Verfügung standen. Verschiedene Untersuchungen haben übrigens gezeigt, dass Immobilien der lukrativste Weg sind, das eigene Geld anzulegen. In keinem anderen Bereich haben sich in den letzten Jahrzehnten dauerhaft Wertsteigerungen ergeben, die mit dem Preisanstieg von Wohnungen mithalten. Aktuell gibt es auch in dieser Branche Verunsicherung, ob Corona und die Folgen daran etwas ändern – es sieht aber aktuell eigentlich nicht danach aus. Und: Risiko gibt es abgesehen von Sparbüchern und Bausparverträgen letztlich überall. Streuung und Zeit scheinen dagegen nach wie vor die wirksamsten Mittel.

Ziele für nachhaltige Entwicklung

In den letzten Jahren haben mehrere Entwicklungen dazu geführt, dass man sich ebenso mehr damit beschäftigt, wie man darauf achten kann, dass mit diesem Geld keine Unternehmen unterstützt werden, die in Branchen tätig sind, die man nicht unterstützen will. Mittlerweile gibt es so gut wie keine Anbieter mehr, die nicht mit nachhaltigen Angeboten für sich werben und nachhaltige Produkte anbieten. Es gibt allerdings auch quasi keine Anbieter, die ausschließlich streng kontrolliert nachhaltige Produkte im Portfolio haben. Nachhaltigkeit bezieht sich dabei meist auf ökologische, soziale und ökonomische Nachhaltigkeit gleichermaßen. Und damit letztlich auf die von den Vereinten Nationen definierten 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung, die 17 Sustainable Development Goals, kurz SDGs. Zu diesen gehört „Keine Armut“, genauso wie „Geschlechtergleicheit“, „Nachhaltiger Konsum und Produktion“ oder auch „Maßnahmen zum Klimaschutz“.

Kriterienkatalog

Zumindest im Fondsbereich gibt es in Wien das Investmenthaus ESG Plus, das einerseits Unternehmen und Anbietern von Finanzprodukten hilft ihr Geschäft zu durchleuchten und sich nachhaltiger aufzustellen und andererseits die Plattform Cleanvest betreibt. Auf dieser ist jeder in Österreich angebotene Fonds gelistet und kann sowohl nach Nachhaltigkeitskriterien als auch finanzieller Performance gelistet werden. Dabei stehen wie meistens in diesen Bereich sowohl Ausschlusskriterien als auch Wunschkriterien zur Verfügung. Bei den Ausschlusskriterien geht es darum Investments in Waffen, Kinderarbeit, Atomstrom, Kohle und Öl und Gas zu vermeiden. Ebenso wie in Tätigkeiten, die indigene Rechte oder die Biodiversität bedrohen. Auf der anderen Seite können Investments in Grüne Technologien oder auch Bildung und Gesundheit als Kriterium eingesetzt werden. Die Datenbasis für das Werkzeug kommt von internationalen Unternehmen, die sich darauf spezialisiert haben, die Verstrickungen von Unternehmen in diverse Geschäfte transparent zu machen. Eines der ersten Unternehmen, das in Österreich das eigene Portfolio entsprechend durchleuchtet hat, war die Wiener Städtische. Pressesprecher Christian Kreuzer: „Aufgrund der Langfristigkeit unserer Investments ist für uns auch die Nachhaltigkeit der Veranlagung von besonderer Bedeutung. Kategorisch von einer Neuveranlagung ausgeschlossen, sind Emittenten aus dem Sektor thermischer Kohle und das Gleiche gilt für alle Emittenten, die in das Geschäft mit geächteten Waffen involviert sind. Hier gilt unsere Nulltoleranz Policy.“

Investitionen zum Erreichen der Klimaziele

Die Bemühungen, das internationale Finanzgeschäft transparenter und nachhaltiger zu gestalten, sind übrigens International. Von den Vereinten Nationen gibt es die UN PRI, die Principles of Responsible Investment und die Europäische Kommission hat seit 2015 einen Aktionsplan für nachhaltiges Investment erarbeitet, der 2018 veröffentlicht wurde. In Österreich arbeiten das Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK), das Finanzministerium und das Umweltbundesamt an einer Green Finance Agenda. Diese soll klarer machen, welche Ziele es in dem Bereich gibt und wie diese erreicht werden können. Und sie soll weit über den Bereich von Aktien und Fonds hinaus gehen und alle Finanzgeschäfte betreffen. Grundlage ist die Vereinbarung der Pariser Klimaziele aus dem Jahr 2015, die Erderwärmung unter zwei Grad Celsius zu halten, besser noch unter 1,5 Grad. Um dieses Ziel zu erreichen sind laut Berechnungen Investitionen von rund 17 Milliarden Euro pro Jahr bis 2030 allein in Österreich notwendig. Investitionen in neue Bereiche, die auch wirtschaftlich zukunftsträchtig sind und nicht allein von öffentlicher Hand getätigt werden können. Auch deswegen gibt es hier Bemühungen, private Investments in nachhaltige Kanäle zu lenken.

Mehr Engagement, mehr Einfluss

Einer der Kernpunkte dabei ist, dass es in Österreich nicht unbedingt am Geld mangelt, sondern die Instrumente fehlen, um kleinere, innovative Unternehmen und Projekte mit Investoren zusammenzubringen. Diese sollen entwickelt werden. Privatpersonen haben aber schon heute neben Aktien und Fonds noch andere Instrumente, um ihr Geld in nachhaltige Projekte und Unternehmen anzulegen: Dazu gehören Crowdinvestment-Plattformen, die sich dezidiert an nachhaltige Projekte richten, wie etwa Green Rocket oder Angebote von Regionen etwa für gemeinsame Photovoltaikanlagen. Oder aber die Möglichkeit einer direkten Beteiligung an Unternehmen. Diese sind mindestens genauso risikoreich wie andere
Investmentformen und sprechen eher jene an, die sich aktiv einbringen wollen. Dieses Recht haben übrigens auch Aktionäre großer Firmen. Und so gilt, wie so so oft: Der eigene Einfluss wird mit dem eigenen Engagement höher. Es kann nicht schaden, wenn die neuen Möglichkeiten dazu führen, dass auch Umweltschutz und Finanzen gemeinsam Thema am Familientisch werden.

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