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Home » DIE ERSTE ZEIT MIT BABY: Zwischen Euphorie und Erschöpfung
Familienzeit

DIE ERSTE ZEIT MIT BABY: Zwischen Euphorie und Erschöpfung

Sandra LobnigVon Sandra LobnigMai 25, 2024Aktualisiert:Feber 24, 20264 Minuten Lesezeit
© Shutterstock
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Das Baby ist da und die Überforderung groß: Viele Eltern werden von ihren eigenen und den Bedürfnissen ihres Babys überrollt. Unterstützung bieten die ‚Frühen Hilfen‘.

Manchmal helfen weder eine frische Windel noch Mamas Busen. Auch nicht die aufgezogene Spieluhr, das Einpacken ins Tragetuch oder das sanfte Ruckeln im Kinderwagen. Manchmal weinen Babys. Ohne erkennbaren Grund, mit hochrotem Kopf, schriller Schreistimme, geballten Fäustchen. Es kann zur Nervenprobe für Eltern werden, dabei ruhig und besonnen zu bleiben. Das Schreien geht ihnen durch Mark und Bein und löst ein Gefühl der Hilflosigkeit aus. Sie fragen sich: Warum kann ich meinem Kind nicht helfen? Die erste Zeit mit ihrem Baby haben sie sich anders vorgestellt. „Viele Eltern haben eine idealisierte Vorstellung im Bezug auf Elternschaft“, sagt Beate Winzig. Die Sozialpädagogin ist Familienbegleiterin und besucht im Rahmen der ‚Frühen Hilfen‘ Eltern, die in der Schwangerschaft und der ersten Zeit mit ihrem Baby Unterstützung und Ansprache brauchen. „Viele werden von ihren und den Bedürfnissen ihres Babys überrollt.“

Was tun, wenn das Weinen nicht mehr auszuhalten ist?

1. Das Baby an einen sicheren Ort legen, zum Beispiel ins Gitterbett oder auf den Boden.

2. Den Raum verlassen, aber in der Nähe bleiben.

3. Durchatmen. Beim langsamen Ein- und Ausatmen immer bis 4 zählen.

4. Alle paar Minuten nach dem Kind schauen.

5. Wenn nötig unbedingt rechtzeitig Hilfe und Unterstützung holen.

Das hilft, wieder etwas zur Ruhe zu kommen und schadet dem Kind nicht. Es ist viel besser, das Kind ein paar Minuten an einem sicheren Ort alleine zu lassen, als die Nerven zu verlieren. Auf keinen Fall sollen Eltern ihr Baby schütteln oder ihm den Mund zuhalten. Damit können sie ihm bleibende Schäden zufügen.

© Shutterstock

Weinen ist ganz normal

Das wundert nicht: Immer seltener haben Erwachsene vor ihrer eigenen Elternschaft in den echten Alltag mit einem Baby Einblick. Anders als früher in Großfamilien hatten sie keinen näheren Kontakt mit einem Baby und konnten nicht beobachten, wie jemand kompetent mit einem Neugeborenen umgeht. Was sie hingegen überall sehen, sind zufriedene Babys und strahlende Mütter in der Babybreiwerbung, schlafende Babys im Kinderwagen und tiefentspannte Eltern mit ihrem Nachwuchs in den sozialen Medien. „Es fehlt oft das Gespür“, sagt Beate Winzig, „und das Wissen, dass Weinen ganz normal ist, weil es am Anfang das wichtigste Ausdrucksmittel des Babys ist.“ Alle Babys, auch die sogenannten ‚pflegeleichten‘, weinen und lassen sich manchmal schwer beruhigen. Und das kann Eltern, vor allem den Müttern, ganz schön an die Substanz gehen. Überhaupt: Geburt, Hormonumstellung, Schlafmangel, wunde Brustwarzen beim Stillen, all das ist emotional und physisch sehr herausfordernd.

Gefühl der Einsamkeit

Auch Frauen, die davor erfolgreich im Beruf waren, hätten mit den Anforderungen des Mutterseins zu kämpfen, sagt Beate Winzig. Dazu kommt die Einsamkeit. Der Partner arbeitet, die Mutter kümmert sich allein um das Baby. Die Tage sind endlos, das Gefühl, weder den eigenen Erwartungen, dem Kind noch sich selbst gerecht zu werden, nagt.

© Shutterstock

Sorgen ernst nehmen

Damit es nicht zu Kurzschlusshandlungen kommt und Eltern – allein und überfordert – in solchen Situationen ihr Baby schütteln, weil sie sich anders nicht zu helfen wissen, sei es sehr wichtig aufzuklären: Was kann man tun, wenn das Weinen nicht mehr auszuhalten ist? Bei ihren Hausbesuchen hört Beate Winzig der Mutter zu und nimmt ihre Sorgen und Probleme ernst. „Wir nennen das ‚mothering the mother‘ und machen der Mutter ein Beziehungsangebot. Wir bestätigen, dass das, was sie gerade erlebt, normal ist. Und wir schauen, was für Ressourcen es in ihrem Umfeld gibt.“

Nicht alles alleine schaffen

Auf die Väter trifft Beate Winzig bei ihren Hausbesuchen eher selten. Das sei verständlich, meint die Sozialpädagogin, komme sie doch untertags, wenn die meisten Männer in der Arbeit sind. Zugleich sei das aber auch ein Indiz dafür, dass Männer sich bei der Sorge um das Baby allzu oft auf ihre Partnerin verlassen. „Frauen vermitteln das ihren Männern auch so.“ Ist Feuer am Dach, seien Väter meist doch präsent und engagiert. Sie bräuchten manchmal nur etwas Ermutigung. Noch etwas: Mitverantwortlich für viele Probleme in der Babyzeit ist laut Beate Winzig die Ansicht, alles alleine schaffen zu müssen. Ein Missverständnis. „Man sagt, es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind großzuziehen. So ist das auch. Keine Frau, kein Elternpaar muss das ganz alleine machen.“

„Dass Babys weinen, ist ganz normal. Am Anfang ist Weinen das wichtigste Ausdrucksmittel des Babys.“

Beate Winzig, Sozialpädagogin und Elternbegleiterin bei den ‚Frühen Hilfen‘.
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Sandra Lobnig

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