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Home » „Dieser Schrott streift uns von außen“
Digitale Welt

„Dieser Schrott streift uns von außen“

Alexandra RotterVon Alexandra RotterOktober 7, 2019Aktualisiert:April 7, 20265 Minuten Lesezeit
© Stefan Gergely
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Vor einem Jahr hat Jakob zu seinem neunten Geburtstag ein Smartphone bekommen. familiii hat ihn, seinen Bruder Simon und seine Mutter Birgit seither begleitet. Birgit und Jakob, der seit Kurzem zehn ist, sprechen über Nützliches, Angstmachendes, Firlefanz und verraten, was Handys und Fahrräder gemeinsam haben.

Jakob telefoniert und schreibt Nachrichten am Handy. Zur Entspannung spielen er und sein Bruder Simon Spiele und schicken einander YouTube-Videos. Jakob hat für seine Fahrradprüfung mit einer App gelernt. Er sagt, man findet viel Blödsinn im Internet, aber auch Nützliches – aber oft sei das schwer zu unterscheiden.

© Stefan Gergely – Im August vor einem Jahr ist Jakob neun Jahre alt geworden und hat zum Geburtstag sein erstes Smartphone bekommen. Er war der Letzte in seiner Volksschulklasse, der ein Handy bekommen hat – manche hatten sogar schon eines seit der ersten Klasse. Trotzdem hielt sich seine Vorfreude in Grenzen.

Jakob, du hast vor einem Jahr, als du dein Handy bekommen hast, sehr unaufgeregt gewirkt. Was hat sich seither geändert?
Jakob: Ich hab mir damals noch nicht so viel dabei gedacht. Ich dachte mir, man kann mit dem Handy telefonieren, Nachrichten schreiben, Spiele spielen, etwas nachschauen und lernen. Aber es gibt noch viel mehr.

Was zum Beispiel?
Jakob: Es waren schon viele Apps auf meinem Handy, die ich gar nicht nutze, Firlefanz.
Birgit: Jakob braucht die Standard-Apps wie Google Drive, Maps oder Play Music nicht.

Wofür hast du das Handy genutzt?
Jakob: Ich hab telefoniert, Nachrichten auf Whatsapp und Telegram geschrieben und bei Google was gesucht, zum Beispiel als wir in London auf Urlaub waren. Der Simon und ich schicken uns manchmal YouTube-Videos. Und ich hab für die Fahrradprüfung mit einer App vom ÖAMTC gelernt. Das fand ich sehr nützlich. Es wurden zum Beispiel Fragen zum Vorrang oder zu Verkehrszeichen gestellt und erklärt, worauf man aufpassen muss.
Birgit: Das war super, weil ich ihn nicht groß abfragen musste. Er hat keinen Fehler bei der Prüfung gemacht. Vorher hat er die Sachen nur langweilig aus dem Heft gelernt.
Jakob: Und ich hab Spiele gespielt. Ich hör meine eigene Playlist auf Amazon Music und Hörbücher.

© Stefan Gergely – Jetzt ist Jakob zehn und hat sein Handy seit einem Jahr. Während viele seiner Schulkollegen ihr Smartphone immer dabei haben, lässt Jakob seines oft zuhause. Er verwendet es manchmal tagelang nicht und findet es dann lange nicht, weil er es auf lautlos gestellt hat.

Was hast du in diesem Jahr mit dem Handy und über das Handy gelernt?
Jakob: Zum Beispiel, wie das Internet funktioniert und dass man mit dem Handy programmieren kann. Und dass man sehr viele sinnvolle Informationen findet, aber auch viel Blödsinn – und das ist oft nicht leicht zu unterscheiden.
Birgit: Oft sehen die Kinder auf YouTube die wildesten Sachen wie eine Wasserrutsche, die von einem Hochhaus runtergeht, oder einen Hai, der ein riesiges Boot auffrisst. Ich erkläre ihnen dann, dass das nicht stimmen kann und montiert ist.

Durch familiii habt ihr euch mit vielen Themen rund ums Handy beschäftigt. Für wie wichtig haltet ihr es, sich als Einsteiger bewusst mit der Handynutzung zu beschäftigen?
Birgit: Ich habe viel Zeit mit der Vorbereitung verbracht, und es war mir wichtig, dass die Kinder von Anfang an mit mir kommunizieren und ich weiß, was sie am Handy tun. Ich halte es für verantwortungslos, wenn Kinder ein Handy kriegen und unbegleitet loslegen – genauso verantwortungslos, wie sie alleine auf der Straße mit dem Rad fahren zu lassen.
Jakob: Ich glaub, manche Eltern schicken ihr Kind zu seinem Handy, weil sie in Ruhe etwas machen wollen. Dann lässt der Papa oder die Mama das Kind damit spielen oder machen, was es will.
Birgit: Weil es dann Ruhe gibt. Beim Radfahren sagen viele Eltern: Du könntest dich verletzen. Aber die Verletzungen, die durch blöde Internetinhalte daherkommen, kann man nicht sehen und nicht dafür bestraft werden.

© Stefan Gergely

Sind euch solche Inhalte untergekommen?
Jakob: Ja. Ein Bub schickt über WhatsApp manchmal so blöde Videos mit Spielen, die total kriegerisch und zerstörerisch sind, wo Menschen getötet werden. Bei einem gibt’s einen Menschen, der wie eine Puppe ausschaut, und man muss ein Klavier auf ihn drauffallen lassen oder ihn mit Pfeilen abschießen.
Birgit: Das Spiel heißt „Kick the Buddy“. Wenn die Puppe zerstört wird, spritzt das Blut. Als Simon das gesehen hat, hat er sofort einen Heulkrampf gekriegt, obwohl er es nur ganz kurz angeschaut hat. Er hat lange gebraucht, bis er sich wieder beruhigt hat. Es ist so wichtig, dass man dabei ist, mit den Kindern redet und sie aufklärt, was das ist.

Was, wenn Jakob und Simon so etwas spielen wollen würden?
Birgit: Dieser Schrott streift uns zwar von außen, aber bei uns gab es von Haus aus die Regel: Ich bin die letzte Instanz. Ich habe mich bewusst gegen Überwachungsapps entschieden, aber alles, was an Apps auf dem Handy landet, wird von mir zensuriert. Sonst ist das Handy wieder weg. Deshalb halten sich die Kinder daran.

© Stefan Gergely – Im techLAB des Technischen Museums Wien haben Jakob und Simon eigene 3D-Produkte entworfen und ausgedruckt. Jakob arbeitet seitdem zuhause an weiteren 3D-Gegenständen, die er später – vielleicht sogar mit seinem eigenen 3D-Drucker – ausdrucken möchte.
© Stefan Gergely – Im DaVinciLab haben die Kinder die Grundregeln des Programmierens gelernt und selbst ein einfaches Spiel am Tablet, kleine Roboter und ein Lego-Auto programmiert. Ob sie dafür einen PC, ein Tablet oder ein Smartphone verwenden, ist egal, denn all das sind – kleine oder größere – Computer, auf die man verschiedene Apps laden kann.

Weitere Beiträge aus der Serie:

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Alexandra Rotter

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