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Digitale Welt

Eine Welt ohne TikTok und Co.

Immer mehr Länder diskutieren ein Social Media-Verbot für Kinder und Jugendliche – nach australischem Vorbild. familiii sprach mit Expert*innen, ob das eine gute Idee ist.
Babara FohringerVon Babara FohringerApril 21, 20264 Minuten Lesezeit
© Shutterstock
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Durch TikTok scrollen, ein Selfie auf Instagram oder eine Frage auf Reddit posten – all das ist Kindern und Jugendlichen bis zum Alter von 16 Jahren in Australien nicht mehr möglich. Zumindest offiziell, denn seit Dezember 2025 ist dort ein Social Media-Verbot in Kraft. Die australische Regierung möchte mit dem neuen Gesetz vor Social Media-Sucht, Cyber-Mobbing und -Groo￾ming sowie vor sexualisierter Online-Gewalt schützen. Eines zeigt sich bereits: Viele Kinder und Jugendliche umgehen das Verbot, indem sie neue Konten eröffnen und die Gesichter ihrer Eltern oder älterer Freund*innen verwenden, um die Alterserkennung zu täuschen, oder sie nutzen gleich VPN-Dienste, berichtet etwa CNN. 

Dennoch hat das neue Gesetz hohe Wellen geschlagen und in vielen Ländern wird nun ebenso ein Social Media-Verbot für Kinder und Jugendliche diskutiert. Auch in Österreich.

Unterschiedliche Folgen

Viele österreichischen Eltern befürworten eine Social Media-Altersgrenze: Laut einer aktuellen Umfrage von Marketagent unter 1.000 Befragten gaben sogar 90 % der Befragten an, dass dies eine gute Idee sei und Social Media-Plattfor￾men erst ab 15 Jahren genutzt werden sollten. Jolien Trekels hat an der Universität Wien eine Professur für Medienkompetenz inne. Über die Nutzung von Social Media und deren Folgen für junge Menschen sagt sie: „Die Forschung zeigt, dass Social Media ziemlich komplexe und differenzierte Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche haben kann. Einerseits kann Social Media Stress, Ängste, Schlafprobleme oder Konzentrationsschwierigkeiten verstärken – vor allem, wenn viel Zeit online verbracht wird oder man negativen Inhalten ausgesetzt ist. Andererseits sind diese Effekte nicht bei allen gleich und hängen stark von Persönlichkeit, sozialem Umfeld und bisherigen Erfahrungen ab.“

© Shutterstock

Vorteile von Social Media

Social Media-Plattformen haben auch Vortei-le: Sie bieten Räume, um die Persönlichkeit auszudrücken und sich auszutauschen. Kinder und Jugendliche erfahren Anerkennung und Verbundenheit und finden auf Social Media Infos und Inspiration. Jolien Trekels erinnert zudem daran, dass Eltern eine Vorbildfunktion haben: „Wenn Eltern ständig am Smartphone hängen oder Schwierigkeiten haben, Grenzen zu setzen, merken das Kinder und Jugendliche.

Noch wichtiger ist, dass Eltern beteiligt bleiben:

Interesse zeigen, Gespräche führen und zusammen über Erfahrungen im Netz reflektieren.“ Ein Verbot hätte daher laut der Expertin ambivalente Folgen: „Einerseits könnte es bestimmte Risiken reduzieren, zum Beispiel die Konfrontation mit schädlichen Inhalten oder sehr intensive Nutzung. Andererseits könnten wichtige soziale Funktionen wegfallen. Jugendliche könnten sich etwa von sozialen Interaktionen ausgeschlos￾sen fühlen, die teilweise online stattfinden, oder weniger Zugang zu Informationen und Gemein￾schaften haben.“

© Shutterstock

Gefahr von Kurzvideos

Barbara Buchegger, die pädagogische Leiterin bei Safer Internet, erinnert daran, dass es mit der DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung) bereits ein EU-weit gültiges Gesetz gibt, das Kinder bis zum Alter von 14 Jahren vom Zugang zu Social-Media-Apps ausschließt. Das Problem: „Weder Kinder, noch Eltern und auch nicht die Plattformen halten sich daran.“ Sie sieht außerdem eine Unschärfe im aktuellen Diskurs, der klassische Social-Media- und Kommunikations-Apps mit Kurzvideoplattformen vermischt — und das nicht nur weil die Programme zuneh￾mend beide Funktionen erfüllen: „Snapchat, WhatsApp und andere Apps sind für die Kinder und Jugendlichen eine wichtige Kommuni￾kationsplattform. Worum es bei dem Verbot gehen sollte, sind Kurzvideos, die tatsächlich zweifelhafte Inhalte verbreiten, eine Radikali￾sierung in unterschiedlichsten Lebensbereichen unterstützen können und über ihre Algorithmen auch dafür sorgen, dass es schwer fällt, das Handy wegzulegen.“ Pläne den Zugang über die Bereitstellung des Reisepasses zu lösen (wie es TikTok teilweise macht), erachtet sie als vollkommen ungeeignet, da die Plattformen bereits genug persönliche Daten haben. In ihrer Beobachtung und Arbeit mit Kindern, sieht sie, dass die Jugendlichen beginnen, das Problem zu erkennen und auf der Suche nach Hilfe gegen die ungleich mächtigeren Plattform-Betreiber sind. Sie stehen vor Problemen, die auch ältere Personen haben, die sich im Gegensatz zu den Jungen, mit manchen Phänomenen, etwa dem Erkennen von KI-generierten Inhalten, noch schwerer tun. Die aktuelle Diskussion ist für Barbara Buchegger sinnvoll und nötig, weil sie das Problem benennt. Sie plädiert dafür, die bereits vorhandenen Gesetze einzuhalten und die Kinder und Jugendlichen auf der Suche nach Lösungen zu unterstützen.

© Shutterstock

Medienkompetenz fördern

Verbote seien zwar in manchen Fällen grund￾sätzlich sinnvoll, ohne Kontext und Begleitung blieben sie aber eher wirkungslos. Jolien Trekels von der Universität Wien sagt: „Ich halte ein totales Social-Media-Verbot nicht für eine gute Idee – Kinder und Jugendliche müssen lernen, mit diesen Plattformen umzugehen.“ In diesem Zusammenhang sei die Förderung von Medien￾kompetenz wichtig: Es sollten digitale Kompeten￾zen erlernt werden, etwa wie Algorithmen und Online-Manipulation funktionieren. Zudem sollte die Regulierung von Emotionen forciert werden, wie etwa der Umgang mit Feedback, Ablehnung und sozialem Druck. Kritisches Denken sollte ebenso gefördert werden, etwa um Fake News zu erkennen. Weiters brauche es die Unterstüt￾zung von Eltern, Lehrer*innen und Gleichaltrigen für Austausch und Reflexion über den Social Media-Konsum. Schlussendlich dürften aber auch die Unternehmen, die Social Media-Platt￾formen betreiben, nicht aus ihrer Verantwortung gezogen werden, erinnert Jolien Trekels. 

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Babara Fohringer

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