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Digitale Welt

Einfach ausgedruckt

Alexandra RotterVon Alexandra RotterSeptember 2, 2019Aktualisiert:April 7, 20265 Minuten Lesezeit
© Stefan Gergely
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Schlüsselanhänger, Ersatzteile fürs Fahrrad, Kugellager oder ganze Häuser lassen sich ausdrucken. Im techLAB des Technischen Museums Wien erfahren kleine wie große Kinder, wie einfach es ist, ein dreidimensionales Objekt zu entwerfen und auszudrucken.

Der Osterhase hat Jakob und Simon ein Brandmalset gebracht, mit dem sie Muster oder Texte in Holz eingravieren können. Ein Lasercutter kann dasselbe und mehr, denn er kann etwa auch Holzplatten zuschneiden – allerdings tut er das in einem Bruchteil der Zeit, die Jakob und Simon brauchen, um ein Werkstück zu gravieren. Und: Die technische Maschine leistet wesentlich präzisere Arbeit als die menschliche Hand.

© Stefan Gergely – Mithilfe eines CAD-Programmes entwerfen Jakob und Simon dreidimensionale Objekte, die sie anschließend mit dem 3D-Drucker ausdrucken werden – als Zwischenschritt wird eine Software die einzelnen Schichten für den Druck berechnen.

Ausprobiert haben die Fleissners den Lasercutter im techLAB des Technischen Museums in Wien, das erst im November eröffnet wurde. Im Zentrum des Interesses stand aber eines der anderen Geräte, welches eine magische Faszination auf die Kinder ausübt: der 3D-Drucker. Die Kinder haben nach einer Einführung selbst ein dreidimensionales Objekt am Computer entworfen und ausgedruckt. Und im Gegensatz zum Lasercutter braucht der 3D-Drucker unglaublich viel Zeit: Bis Jakobs Brücke, die keine zehn Zentimeter lang ist, fertig war, vergingen eineinhalb Stunden.

© Stefan Gergely – Jakob wollte eine Brücke für seine Eisenbahn ausdrucken und musste sie aus Zeitmangel viel kleiner machen als gewünscht. Denn der 3D-Druck ist noch sehr langsam: Jakob konnte seiner blauen Brücke eineinhalb Stunden lang beim Aufbau zuschauen.

Von fest bis beweglich

Schicht für Schicht arbeitet sich der Drucker hoch und presst erhitzten Draht aus Biokunststoff aus einer Düse, bis das Objekt fertig ist. Christopher Roither, Koordinator des techLABs, sagt: „Das Tolle am 3D-Druck ist, dass es ein additives Verfahren ist, also dass man Sachen aufbauen kann – anders als beim Spritzguss oder Fräsen.“ Eine eigene Software, ein sogenannter Slicer, berechnet die einzelnen Schichten, damit der Drucker weiß, was er zu tun hat. Durch diese Technik lassen sich sogar Kugellager inklusive Kugeln oder ein Ei mit Inhalt drucken. Roither: „Das ist mit anderen Verfahren nicht möglich.“ Es gibt sogar schon echte Häuser, die von riesigen 3D-Druckern ausgedruckt werden. Die Fleissners waren erstaunt, dass nicht nur feste Objekte gedruckt werden können. So haben sie im techLAB etwa einen ausgedruckten Oktopus mit beweglichen Beingliedern gesehen.

Es gibt verschiedene Wege, zu 3D-gedruckten Objekten zu kommen: selbst zeichnen, eine Vorlage herunterladen oder etwas einscannen.

Christopher Roither, Koordinator am techLAB des Technischen Museums Wien
© Stefan Gergely
© Stefan Gergely – Der 3D-Drucker hat die Brücke aus einem Material gedruckt, das aus Maisstärke gewonnen wird und sich durch industrielle Verfahren kompostieren lässt. Doch es kann aus vielen Materialien gedruckt werden: So gibt es etwa auch 3D-Drucker, die mit Pasta oder Schokolade drucken.

Wenn das gewünschte Objekt mithilfe eines CAD-Programms, wie es auch Architekten verwenden, am Computer fertig entworfen und vom Slicer bearbeitet wurde, kann die Datei an den Drucker geschickt werden. Auch mit einer Smartphone-App kann der 3D-Drucker angesteuert werden. Man könnte mit einem Handy auch ein Objekt von mehreren Seiten fotografieren und ein Programm daraus ein Modell am Computer entwerfen lassen und ausdrucken. Roither erklärt: „Es gibt verschiedene Wege, wie man zu 3D-gedruckten Objekten kommt: Entweder man zeichnet das Objekt selbst, lädt sich eine Vorlage herunter oder man scannt etwas ein und druckt es dann aus.“ Lizenzfreie Vorlagen, die sich auch anpassen lassen, gibt es etwa auf der Plattform Thingiverse.

© Stefan Gergely – Simon schaut seinem selbst entworfenen Schlüsselanhänger zu, wie er sich Schicht für Schicht aufbaut. Der 3D-Drucker erhitzt dafür Bio-Kunststoff, der aus einer dünnen Düse gedrückt wird. Da die Technik derzeit noch so langsam ist, ist 3D-Druck bisher für die industrielle Erzeugung von Produkten noch nicht geeignet.

Im techLAB lernt man, wie einfach es sein kann, selbst etwas in 3D auszudrucken, wobei es auf die Art des Objektes ankommt. Christopher Roither freut sich besonders, wenn Besucher etwas ausdrucken, das sie selbst brauchen – zum Beispiel eine Halterung für eine Fahrradtasche, die gebrochen ist. Da die verwendete Software Open-Source- bzw. Gratis-Programme sind, können Besucher auch daheim an ihren Objekten weiterarbeiten und wiederkommen, wenn sie fertig sind oder weitere Hilfe brauchen. Wer sich aber intensiver mit 3D-Druck und Prototypen-Entwicklung befassen will, ist in einem der zahlreichen Makerspaces und Fablabs besser aufgehoben, wo mehr Maschinen zur Verfügung stehen und vertiefendere Kurse angeboten werden. Und wer wissen will, welches Potenzial in Technologien wie 3D-Druck steckt und wie sich das auf Industrie und Arbeitswelt auswirkt, der kann an einer Führung durch die Ausstellung „Arbeit & Produktion“ der Reihe „weiter gedacht_“ im Technischen Museum teilnehmen und sich über Innovation, Technologie und Forschung informieren. Für Familie Fleissner war der erste Besuch im techLAB jedenfalls ein toller Einstieg in 3D-Druck & Co. Nur schade, dass an diesem Tag der Schoko-3D-Drucker außer Betrieb war – aber vielleicht drucken sie sich nächstes Jahr zu Ostern dann schon ihre Schokohasen aus.

© Stefan Gergely

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Alexandra Rotter

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