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Home » Fünf Strategien gegen Cybergrooming
Digitale Welt

Fünf Strategien gegen Cybergrooming

Christian NeuholdVon Christian NeuholdApril 29, 20264 Minuten Lesezeit
© Shutterstock
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Kinder geben Privatsphäre preis und machen es Kriminellen leicht – Was Eltern tun können.

Smartphones in Kinderhand führen zu immer neuen Herausforderungen. Etwa dieser: „Jungen geben sich als Mädchen aus und chatten mit Pädophilen im Internet“, erzählt Florian Buschmann. Darauf habe ihn eine Lehrerin an einem Gymnasium aufmerksam gemacht, an dem er Workshops durchführt. Buschmann (Psychologie B.A.) ist Experte für Medienkompetenz und Berater bei Mediensucht sowie Gründer der Initiative OFFLINE Helden.

Die Chats mit Pädophilen können dramatische Folgen haben und seien eine echte Challenge, so Buschmann. Was die Jungen für einen Scherz halten, bedeutet tatsächlich oft die Preisgabe privater Daten. Dasselbe gilt, wenn Kinder, ob Jungen oder Mädchen, mit ihren realen Namen einen schriftlichen Austausch mit fremden Männern beginnen. Teilweise tun sie das laut Buschmann während des Unterrichts und es gebe mittlerweile eine Art Contest, wer am schnellsten ein Dickpic von seinem Chatpartner bekommt.

Kinder lieben den Reiz des Verbotenen

Kinder und Jugendliche sind neugierig, lieben den Reiz des Verbotenen, probieren sich in neuen Rollen aus, sie haben Spaß daran, ihre Identität zu wechseln. Früher haben sie sich verkleidet, heute kann jeder online eine andere Person spielen. Dazu komme die Gruppendynamik, betont Buschmann. Die Clique könne mehr oder weniger Mutproben verlangen. Wer diese besteht, der gewinnt an Status, gilt als cool. Wer sich weigert, der gehört nicht mehr dazu. „Für Kinder gibt es kaum etwas Schlimmeres, als ausgeschlossen zu werden“, weiß der Experte.

Leider seien die Kids kaum darüber aufgeklärt, was solche Chats mit ihnen machen, so Buschmann weiter. Das Gehirn sei in diesem Alter noch nicht ausgereift genug, um die Konsequenzen abschätzen zu können – zumindest nicht deren volle Tragweite. Immer wieder plädiert er deshalb in seinen Workshops an Schulen und in der Beratung von Familien dafür, den Nachwuchs umfassend zu informieren. Das müsse altersangepasst geschehen und sei viel wichtiger, als lediglich sofort mit Verboten zu kommen. Mit Gesprächen auf Augenhöhe gelinge es, Kinder wieder wegzubringen von ihrem gefährlichen Verhalten.

© Shutterstock

Rechtliche Aspekte in den Blick nehmen

Was viele nicht wissen: Eltern müssen ihre Kinder auf die rechtlichen Konsequenzen ihres Verhaltens hinweisen – und am Ende haften sie, solange ihr Nachwuchs minderjährig ist. Die Polizei rät deshalb häufig dazu, die Chats von Mädchen und Jungen zu kontrollieren. Viele Erwachsene empfinden das als übergriffig oder auch lächerlich, aber sie stehen am Ende strafrechtlich für alles gerade, was in diesen Chats passiert. Allein das ist für Buschmann ein ausreichender Grund, ein viel größeres Augenmerk auf Prävention zu legen. Noch viel entscheidender aber sei der Schutz der jungen Menschen.

Oft haben Kinder und Jugendliche das Gefühl, die Kontrolle zu besitzen, obwohl das längst nicht mehr der Fall ist. Pädokriminelle wissen, wie sie Vertrauen aufbauen und manipulieren. Kommen sie an persönliche Daten ihrer Chatpartner, können sie diese später erpressen. Die Jungen und Mädchen geraten enorm unter Druck, sie schämen sich – zum Beispiel für geteilte Bilder – und sind meist komplett überfordert.

Fünf To-dos für Eltern und andere Bezugspersonen

Überfordert fühlen sich auch viele Mütter und Väter, ebenso andere erwachsene Bezugspersonen von Kindern oder auch Lehrer. Sie alle berät Florian Buschmann und erlebt im Rahmen seiner Arbeit immer wieder ziemlich drastische Situationen. Das Cybergrooming, die gezielte Anbahnung sexueller Kontakte mit Minderjährigen im Netz, ist dabei nur einer von vielen Aspekten der Gefährdung durch digitale Medien. Was dagegen hilft? Der Experte rät zu fünf Strategien:

  1. Offen diskutieren statt verurteilen: Kinder wollen ernst genommen werden. Bloße Verbote lassen sie sich klein fühlen und reizen dazu, übertreten zu werden. Deshalb ist es wichtig, Verständnis zu zeigen.
  2. Tatsächliche Risiken erklären: Pauschale Sätze wie „Das Internet ist halt gefährlich“ führen zu nichts. Kinder sind durchaus fähig, differenzierte Erläuterungen aufzunehmen, etwa: „Menschen können dich manipulieren und dann deine Daten benutzen.“
  3. Klare Regeln vereinbaren: Einfach digitale Medien zu verbieten, das wird nicht funktionieren. Aber Mädchen und Jungen sind bereit sich an konkrete Regeln zu halten wie: „Gib keine privaten Daten preis und unterhalte dich nicht mit fremden Erwachsenen.“
  4. Medienkompetenz stärken: Digitale Medien bergen vielfältige Risiken. Sexueller Missbrauch gehört genauso dazu wie das Entstehen von Depressionen, Konzentrationsschwächen, Minderwertigkeitsgefühlen. Statt diese Dinge nur aufzuzählen, sollte erklärt werden, mit welchen Methoden etwa Social Media arbeitet.
  5. Vertrauen fördern: Absolut unverzichtbar ist es, das Vertrauensverhältnis zu den Kindern nicht zu verlieren, denn nur dann werden diese von unangenehmen Erlebnissen berichten.

Über Florian Buschmann

Florian Buschmann (Psychologie B.A.) und Mitglied im Fachverband für Medienabhängigkeit. Seit über sieben Jahren ist er in der Prävention und Intervention zum Thema Kinder und digitale Medien aktiv. Mit der von ihm gegründeten Initiative OFFLINE HELDEN erreicht er gemeinsam mit seinem Team jedes Jahr mehr als 13.000 Teilnehmende in über 500 Veranstaltungen. Er begleitet Familien, deren Kinder von einer kritischen oder krankhaften Mediennutzung betroffen sind, gibt ihnen Halt und Stabilität – und trägt so zum Erhalt beziehungsweise zur Wiedergewinnung ihrer psychischen Gesundheit bei.

PFAU
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Christian Neuhold

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