Am 19. November erscheint mit „Grand Theft Auto 6“ das wohl meisterwartete Videospiel dieses Jahrzehnts. Es ist ein Spiel für Erwachsene und trotzdem berichtet Medienexperte Florian Buschmann von Kindern und Jugendlichen, die dem Release entgegenfiebern. Der Gründer der Initiative OFFLINE HELDEN hält den Starttermin für einen Moment, auf den sich Familien rechtzeitig vorbereiten sollten – nicht erst im November. „Wenn sich bereits Neunjährige auf ein Spiel ab 18 freuen, dann ist klar: Die Altersfreigabe hält das Thema nicht aus dem Kinderzimmer fern. Eltern sollten deshalb nicht erst reagieren, wenn das Spiel erscheint, sondern schon jetzt, wenn der Hype ihre Kinder erreicht.“
Wie ernst die Lage genommen wird, zeigt eine Rückmeldung, die Buschmann zuletzt mehrfach erreicht hat. Berufsschulen hätten ihm signalisiert, in den ersten Wochen nach dem Release besser keine Workshops zur Prävention von Mediensucht einzuplanen, weil sie damit rechnen, dass ein Teil der Schülerinnen und Schüler ohnehin fehlen wird. „Dass Schulen ihre Präventionsarbeit um einen Spiele-Release herumplanen, hätte ich vor ein paar Jahren nicht für möglich gehalten“, sagt der Medienexperte. Es handele sich um Erfahrungswerte, nicht um eine Erhebung – aber um ein Signal, das ihn beschäftige. Der Sog beginne dabei lange vor dem Erscheinungstag: Trailer, Countdowns und Clips halten das Thema seit Monaten in den Feeds. Wer nicht mitrede, stehe außen vor. Das betreffe längst nicht nur Jugendliche. Bereits Grundschüler begegneten dem Spiel über Videos, Gespräche und Inhalte in sozialen Netzwerken.
Ein Spiel für Erwachsene, das Kinder längst kennen
GTA 6 wird aller Voraussicht nach die Kennzeichnung „Keine Jugendfreigabe“ erhalten – eine offizielle Einstufung durch die USK steht noch aus, alle bisherigen Hauptteile waren ab 18. Der Grund liegt in den Inhalten: bewaffnete Gewalt, Drogen, ein stark sexualisiertes Milieu. In Buschmanns Workshops mit Kindern und Jugendlichen ist die Reihe dennoch längst bekannt. „In nahezu jeder Gruppe gibt es einige, die GTA kennen und auf die Frage, ob sie sich auf GTA 6 freuen, sagen manche ganz selbstverständlich: auf jeden Fall.“ Ein Kind oder ein Jugendlicher müsse das Spiel dafür nicht selbst besitzen. Auf Videoplattformen sind Spielszenen weitgehend unabhängig von der Altersfreigabe abrufbar.
„Wenn ich mitspiele, ist es doch in Ordnung?“
Diese Frage stellte Buschmann kürzlich ein Vater auf einem Elternabend. Gemeinsames Spielen sei wertvoll, betont der Medienexperte. Es schafft Nähe und Gesprächsanlässe. Eine Altersfreigabe hebe es aber nicht auf, denn sie bezieht sich auf Inhalte, die Kinder in ihrer Entwicklung belasten können. „Begleitung hilft beim Einordnen. Sie macht drastische Inhalte aber nicht altersgerecht“, sagt Buschmann.
Bei GTA 6 erwartet der 25-Jährige, der als Jugendlicher selbst mediensüchtig war, zudem einen stärkeren Sog als bei bisherigen Titeln: „Für mich ist das eine viel größere Parallelwelt mit einer Geschichte, in die man wirklich eintaucht.“ Anders als kurze Spielrunden könne sich eine erzählte Welt über Wochen ziehen, weil es immer ein nächstes Kapitel gebe.

Warum der Kaufpreis nicht das Ende ist
Ein Punkt fällt vielen Eltern erst spät auf: Beim Vorgänger lag das eigentliche Geschäft im Online-Modus, wo sich echtes Geld in Spielwährung tauschen ließ. Auswertungen zufolge kamen dort seit 2014 über fünf Milliarden Dollar zusammen, wobei nur etwa vier Prozent der Spielerinnen und Spieler regelmäßig zahlen. „Ein System, das seinen Umsatz mit wenigen sehr aktiven Nutzern macht, ist für Jugendliche mit Suchtneigung besonders heikel“, sagt Buschmann. Für GTA 6 hat Rockstar Mikrotransaktionen im Story-Modus ausgeschlossen; wie der Online-Modus aussehen wird, ist offen.
Was Eltern jetzt besprechen sollten
Buschmann rät Eltern, die Diskussion um GTA 6 vorzuziehen. Erstens anschauen, worum es in dem Spiel überhaupt geht – Trailer und Beschreibungen sind frei verfügbar. Zweitens die Frage klären, die für ihn im Zentrum steht: Passt dieses Spiel zu dem, was uns als Familie wichtig ist? Drittens die technische Seite regeln – auf PS5 und Xbox lassen sich Spiele ab 18 zum Beispiel über die Familieneinstellungen für Kinderkonten blockieren. Und viertens vor dem 19. November entscheiden, nicht danach. „Am Erscheinungstag diskutieren Sie nicht mehr über Werte, sondern gegen die Vorfreude von Wochen“, so der Experte.
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