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Home » Homeoffice mit den Kids
Digitale Welt

Homeoffice mit den Kids

Gerrit GuboVon Gerrit GuboJuni 10, 2022Aktualisiert:April 7, 20264 Minuten Lesezeit
© Privat
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Die vergangenen Pandemie-Jahre waren vor allem für Eltern eine herausfordernde Zeit – noch mehr, wenn sich die Kinder im Schulalter befanden. Ein Tatsachenbericht zwischen Teams-Call und Mathe-Hausübung.

„Es ist schwer, beides mehr oder weniger zeitgleich unter einen Hut zu bringen – Homeoffice und Homeschooling. Im März 2020 haben wir den Esstisch im Wohnzimmer in einen gemeinsamen Arbeitsplatz für meine beiden Kinder, damals 1. und 4. Klasse Volksschule, umfunktioniert. Dadurch hatte ich zwar alles im Blick, aber nicht immer im Griff“, erzählt Sandra Bayer. Die zweifache Mutter und ihr Mann waren zwei von vielen Elternteilen, die in Zeiten der Pandemie plötzlich vor nahezu unmöglichen Multitasking-Aufgaben standen, die sich kaum vereinen ließen. Neben dem Job, in dem alles in gewohntem Tempo weiterlaufen sollte, waren auf einmal die Kinder den ganzen Tag daheim und mussten während Schulaufgaben und Online-Unterricht betreut werden – ganz nebenbei gab es auch einen Haushalt zu schmeißen. Homeoffice war für etliche Berufstätige eine Bereicherung, da es die Arbeitswoche merklich aufgelockert hat und die Vereinbarkeit mit alltäglichen Tätigkeiten und Todos steigerte. Für Eltern, die daheim zeitgleich Kinder zu betreuen hatten, sah die Situation anders aus.

Kinder brauchen die Schule, das ist spätestens in dieser Zeit klar geworden. Im Homeschooling gab es wenig Unter- stützung und Motivation durch Mitschüler*innen und Lehrkräfte, die sonst vor Ort im Klassenzimmer vermittelt werden. Diese Aufgabe mussten berufstätige Eltern übernehmen: „Ich musste teilweise – schnell zwischen Calls und zu erledigenden Arbeitsaufträgen – die Kinder anspornen und motivieren, ihre Aufgabe abzuarbeiten. Das war oft eine Nervenprobe. An Wissensvermittlung mit Spaßfaktor und Abwechslung war da nicht zu denken, die Kinder haben Arbeitshefte und Aufgaben in ihren Schulbüchern abgearbeitet“, erzählt Bayer. „Kein Wunder, dass ich nicht nur einmal nach einem längeren Call von meinem Laptop aufgeblickt habe, und sie waren in ihre Zimmer im oberen Stockwerk verschwunden, um zu spielen. Es hat mich viel Energie gekostet, sie wieder an unseren ‚Zusammen-‘ oder ‚Nebeneinanderarbeitsplatz‘ zurückzulotsen.“ Für die Eltern waren aber nicht nur die Motivationsschwierigkeiten der Kids ein Problem, sondern die generelle Vereinbarkeit der eigenen beruflichen Tätigkeit mit nebenbei geforderter Rolle als Lehrperson. Dies führte in vielen Familien zu Herausforderungen, auch in puncto Zeitmanagement. Markus und Karin Mild sind ein Paar mit drei Kindern, die alle im Homeschooling betreut werden mussten – bei zwei berufstätigen Elternteilen eine echte Challenge, erzählt Karin Mild: „Als Office-Managerin kann ich meine Tätigkeit nur vor Ort im Büro ausüben. Markus hat in der Zeit, in der ich arbeiten musste, die Kinder, vor allem Mia und Max unterstützt, die häufig im Online- bzw. Home-Learning waren. Paul hat so oft wie möglich die Schule besucht. Da es viele Überschneidungen mit den beruflichen Angelegenheiten von Markus gegeben hat, war dies eine sehr große Herausforderung.“

Ein Faktor, der zur Überlastung von Eltern beigetragen hat, war die mangelnde Work-Life-Balance. Arbeit, in den Pausen die Kinder und ihre Aufgaben managen, rasch den Geschirrspüler ausräumen und für die Familie kochen, dann zurück an den Arbeitsplatz – von Freizeit war wenig zu spüren, bestätigt Bayer: „Definitiv hat die Work-Life-Balance gelitten. Teilweise bin ich wirklich am Zahnfleisch gegangen. Der Stress mit den Kindern auf der einen Seite und der Druck, auch beruflich weiter voll leistungsfähig zu sein und sich an die neuen Online-Gegebenheiten zu gewöhnen auf der anderen Seite.“ Auch von Familie Mild heißt es: „Wir hatten schon sehr oft das Gefühl, dass sich das Rad von früh am Morgen bis spät abends dreht. Dazu trug auch die schlechte Planbarkeit des Pandemiegeschehens und dementsprechend des Stundenplans der Kids bei – ob vom Klassenzimmer oder dem Laptop aus gelernt wird, wussten Eltern oft nur kurzfristig.

Diese Erfahrungen der Pandemiezeit machen Homeoffice im Allgemeinen nicht zu einem schlechten Konzept, sie zeigen nur, dass es wie immer mit Kindern viel Struktur und klare Vorgaben braucht. Es wäre mehr Unterstützung von der Schule aus nötig gewesen, um die Homeschooling-Zeit gut über die Bühne zu bringen, findet Markus Mild. Ein Tipp, den er und seine Frau sich selbst geben würden? „Wir würden die Zeit(en) noch genauer einteilen – Arbeitszeit/Online-Learning/ Freizeit/Pausen, da ohne genaues Zeitmanagement sich alles zu sehr vermischt und man den Eindruck hat, überhaupt keine freien Kapazitäten mehr vorzufinden und den ganzen Tag über beschäftigt zu sein.“ Die Möglichkeit des Homeoffice möchten viele weiterhin in Anspruch nehmen, denn solange sich die Kids in der Schule befinden und dort ihren eigenen „Beruf“ ausüben, entsteht für Eltern mit Teil-Homeoffice ein willkommener Hybrid-Arbeitsalltag, der viel Positives mit sich bringt: „Ich schätze die Möglichkeit des Homeoffice sehr. Es ist hilfreich, weil ich mir dadurch meinen gut einstündigen Arbeitsweg spare und ich eine bessere Work-Life-Balance habe. Ich kann früher zu arbeiten beginnen und falls notwendig später Schluss machen. Ein weiterer Vorteil ist: Viel Ruhe für konzentriertes Arbeiten zu Hause, dadurch bin ich sehr effizient – zumindest, solange die Kinder in der Schule sind“, schließt Sandra Bayer.

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Gerrit Gubo

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