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Home » „Kinder lernen nicht durchs Scheitern, sondern am Gewinnen!“
Bildung

„Kinder lernen nicht durchs Scheitern, sondern am Gewinnen!“

Daniela JaschVon Daniela JaschMärz 21, 20203 Minuten Lesezeit
© Shutterstock
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Herbert Renz-Polster ist Autor mehrerer Elterntratgeber zum Thema kindliche Entwicklung. Laut dem Kinderarzt und Wissenschaftler brauchen Kinder vor allem emotionale Sicherheit, um ihr Leben zu meistern.

Inwiefern ist denn unser Wettbewerbstrieb biologisch veranlagt?
Herbert Renz-Polster: Nun, es lässt sich kulturübergreifend beobachten, dass Kinder sich untereinander messen. Durch dieses Vergleichen erhalten sie ein Referenzsystem, das wichtig für die Gruppe ist, weil sie so einordnen können, wer etwas besonders gut kann. Auch wer sich in welcher Aktivität als Vorbild eignet. Kinder vergleichen übrigens recht paradox: sie wollen einerseits nicht herausragen, um sich in die Gruppe einzuordnen, andererseits wollen sie für bestimmte Dinge besondere Anerkennung, um dann doch hervorzustechen.

Konkurrenz und Kooperation scheinen einander nicht auszuschließen …
Renz-Polster: Keineswegs. Alle Kinder spielen kompetitiv. Dabei switchen sie flexibel zwischen Kooperieren und Konkurrieren und profitieren so von beiden Prinzipien. Denken Sie etwa an Rollenspiele, bei denen Kinder abwechselnd den Guten und Bösen spielen.

In manchen Spielsituationen scheinen die Gewinner und Verlierer allerdings fix zu sein …
Renz-Polster: Sie sprechen eine Grundproblematik der Spielökologie an. In welchem sozialen Umfeld spielen Kinder heute zumeist? Statt in gemischtaltrigen Gruppen, treffen eher Gleichaltrige aufeinander. Vorgegebene Rollen und künstliche Spielwelten geben kaum Raum für Flexibilität, so dass es nicht mehr zum Spiel gehört, in andere Rollen zu schlüpfen, sondern alle (meist Gleichaltrigen) wollen plötzlich nur mehr Held sein.  In gemischtaltrigen Gruppen macht jeder alle Stationen durch: die Kleinsten sind nicht auf Dauer nur hörig, sie entwickeln sich und werden bei Zeiten dann auch gehört.

Vor der Wettbewerbsorientiertheit möglichst bewahren oder so früh wie möglich auf Leistung trimmen – wie ist da Ihre Sichtweise?
Renz-Polster: Beim Versuch, Kinder früh an die Härte des Wettkampfs zu gewöhnen, wird übersehen, dass Kinder nicht am Scheitern lernen, sondern am Gewinnen. Statt Kinder auf die Härte des Lebens vorzubereiten, sollten wir ihnen emotionale Sicherheit geben. Und zwar nicht durch Auslese, sondern indem wir ihnen durch Verlässlichkeit und Vertrauen eine sichere Heimat bieten. Kinder können nur wachsen, wenn sie nicht über- und nicht unterfordert sind. Wir Erwachsenen glauben, dass wir mit unseren klugen Programmen die Entwicklung der Kinder von außen steuern. Dabei sind es die Kinder selbst, die die diesbezügliche Balance finden. Indem sie nämlich im Spiel selbst ihre Welt gestalten. Denn bei Kindern steht immer gerade jenes Spielverhalten im Programm, das genau ihrem Entwicklungsstand entspricht.

Inwiefern sind sportliche Wettkämpfe förderlich, inwiefern schädlich?
Renz-Polster: Es kann unglaublich toll sein, seine Begabungen im Sport oder auch in der Musik voll auszuleben. Spüren Kinder ein inneres Kribbeln, sind sie mit voller Motivation dabei. Es kann aber auch daneben gehen, wenn Kinder keine Anerkennung erfahren, die auf echter Wertschätzung beruht.

Geschwisterkinder sind von Natur aus Konkurrenten. Wie lauten da Ihre Empfehlungen?
Renz-Polster: Da gilt es zu akzeptieren, dass es unter Geschwistern keine Kindheit ohne Verteilungskämpfe gibt. Ich würde auf Vergleiche weitestgehend verzichten und möglichst darauf achten, dass die Kinder vieles selber regulieren können.

Wie gehen wir mit dem Frust beim Verlieren um?
Renz-Polster: Davor kann man Kinder nicht bewahren, er wird am ehesten durch ein normales, wertschätzendes Miteinander überschrieben. Endlose Tröstungsorgien machen das Verlieren manchmal erst zu einem richtigen Drachen. Darüber hinaus würde ich das Verlieren pädagogisch nicht glorifizieren. Durch Schaden wird man schließlich nur selten klüger.

© Kösel-Verlag

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Daniela Jasch

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