Für zwei Liegen und einen Schirm blättert man schnell einmal einen Fünziger hin. Hat man nach langen Wartezeiten mit Kind und Kegel endlich die vorgesehene Strandfläche erreicht, ahnt man schon: mit ausgiebiger Sandburgzone und Privatsphäre wird das nix mehr. Menschenmassen dann auch noch an den voll gestopften Bars, wo man in Punkto Verpflegung schon wieder ordentlich zur Kassa gebeten wird. Klassische Mittelmeer-Hotspots erweisen sich vor allem für Familien mit Kindern zusehends als Geduldsprobe.
Denn eines scheint klar zu sein: Dort, wo viele urlauben, ist es meist voll, alles andere als günstig und vor allem total unentspannt.Familiengeführte Pensionen oder Agriturismi statt protzige Hotelburgen und riesige Resorts. Regionale Gastronomie statt All-Inclusive-Anlagen. Genuss und lokale Kultur statt Dauerbespaßung. An weniger prominenten Küstenorten und in kleineren Strukturen abseits klassischer Urlaubsorte lässt sich das Mittelmeer oft ursprünglicher erleben. Und wer es bewusst entschleunigter angeht und auf sanften Tourimus setzt, entlastet nicht nur die stark frequentierten Regionen, sondern kommt an Ende auch erholter zurück.


SANFTES KROATIEN – Charakter statt Krawall
Umag, Primošten, Korčula statt Rovinj, Poreč oder Hvar
Viele Österreicher und Österreicherinnen zieht es vor allem an Istriens Strände rund um Poreč und Rovinj. Oder auf prominente Inseln wie Hvar, Brač oder Krk. Warum in Istrien nicht einmal das weniger überlaufene Umag ansteuern? Premantura oder Novigrad punkten ebenfalls mit guter Infrastruktur, kleinen Badebuchten und familienfreundlichen Stränden. In Dalmatien wartet vor allem das Städtchen Primošten mit durchaus entspannterem Flair auf. Hier gibt es ebenso klares Wasser, Kieselstrände und etwas außerhalb auch ruhige Buchten. Unterkünfte sind hier etwas günstiger und werden überwiegend von privaten Gastgebern angeboten. Die charakteristische Altstadt-Halbinsel ist auch weniger als Party-Ort bekannt und daher bestens für Familien geeignet. Für einen entschleunigteren Inselurlaub bietet sich etwa Korčula an: autofreies Lebensgefühl und mehr unverbaute Natur machen die Insel zu einem deutlich ruhigeren Tourismusort.

Castello di Duino
und der Bucht
von Sistiana



NICHT OHNE OBERITALIEN – Bella Italia ohne Bettenburgen
Grado, Sistiana, Portopiccolo oder Po-Delta statt Rimini, Jesolo & Co
Jesolo, Caorle oder Rimini sind halt Klassiker – Orte mit denen wir oft Kindheitserinnerungen und viele nostalgische Adriamomente verbinden. Wer es etwas entspannter angehen mag, wird rund um Triest und Friaul-Julisch Venetien fündig. Ruhigere Alternativen wie Grado oder auch Sistiana und Portopiccolo punkten mit gemütlicher Atmosphäre, charmantem Altstadtflair, autofreien Zonen und tollen Radwegen. Statt Hotelburgen gibt es hier kleinere, familiäre Anlagen mit regionaler Küche.
Mehr Natur statt Strandtrubel findet man auch in der Region rund um das Po-Delta. Lagunen, Brücken, Fischerboote, Fahrräder – reizende Orte wie Chioggia oder Comacchio warten sogar mit ein wenig Venedig-Flair auf, sind aber deutlich weniger überlaufen und damit auch perfekt für alle Familien, die lieber auf Natur und Alltagsitalien setzen.


LIGURIEN – Dolce Vita statt Dauerdrängeln
Sestri Levante, Nervi & Co statt die überfüllten Cinque Terre
Ligurien war zuletzt ziemlich im Kommen. Und wenn schon die etwas weitere Autofahrt an die italienische Riviera, dann lieber Orte mit weniger Trubel. Sestri Levante etwa begeistert mit seinen bunten Häusern und kleinen Buchen – nicht minder charakteristisch als die Cinque Terre, dafür weniger Selfie-Stau und Touristen-Abzocke. Im eleganten Nervi östlich von Genua finden Familien mediterrane Gärten, charmante Uferpromenaden und authentisches Alltagsflair. Und weiter westlich der ligurischen Hauptstadt bieten die Badebuchten und Altstädtchen von Noli oder Finale Ligure ganz viel Italo-Feeling abseits großer Touristenströme.


SLOWENIENS KLEINE KÜSTE – unterschätzt & überraschend anders
Piran oder Izola statt XXL-Strandreihen
Fast ein wenig versteckt zwischen Italien und Kroatien liegt Sloweniens kurze Adriaküste. Der Ort Piran besitzt nahe venezianisches Flair: In der autofreien Altstadt sowie den mediterranen Gassen lässt sich herrlich entschleunigen. Noch ruhiger ist das kleine Izola mit seinem Fischerhafen und derunaufgeregten Atmosphäre – ideal für Familien, die lieber unkompliziert urlauben.

AB IN DEN SÜDEN! Unsere Checkliste für einen entspannten Urlaub mit Kind & Kegel
Reisezeit realistisch planen
Lange Autofahrten oder mehrere Flugstunden können gerade mit kleinen Kindern anstrengend werden. Unbedingt ausreichend Pausen und mögliche Zwischenstopps einplanen. Verpflegung vorab mitdenken!
Auch mal antizyklisch reisen
Es muss nicht immer von Samstag bis Samstag sein. Wenn möglich probieren montags oder dienstags an- und abzureisen. Ferienbeginn anderer (Bundes)Länder berücksichtigen.
Unterkunft bewusst auswählen
Kurze Wege zum Strand oder Supermarkt erleichtern den Alltag. Gleichzeitig sollte die Unterkunft zum Alter und den Bedürfnissen der Kinder passen.
Verpflegung mitdenken
Ferienwohnung oder Zimmer mit Frühstück? Entscheidend ist, welches Modell am besten zum Familienrhythmus passt. Bei Online-Buchungen genau hinschauenVorsicht vor betrügerischen Schnäppchen oder gefälschten Bewertungen.
Vertrauenswürdige Plattformen nutzen – Double-Check der Rezensionen schadet nicht.
Zusatzkosten im Blick behaltenPark- und Mautgebühren, Ausflüge, Restaurantbesuche oder Liegen am Strand können das Urlaubsbudget schnell erhöhen. Mögliche Extrakosten also vorab recherchieren.
Nicht zu viel Programm einplanen
Familienurlaub sollte nicht komplett durchgetaktet sein. Gerade entspannte Tage ohne großes Programm sorgen oft für die schönsten Erinnerungen.
