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Home » „Six seven“: Internet-Memes statt Englisch lernen?
Digitale Welt

„Six seven“: Internet-Memes statt Englisch lernen?

Christian NeuholdVon Christian NeuholdMai 17, 20264 Minuten Lesezeit
© Shutterstock
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Wenn „Six seven“ bei Kindern zum Code fürs Dazugehören wird – und was das für den Alltag bedeutet.

Digitale Medien erzeugen immer neue Trends und die meisten davon sind global: Aktuell geht der Ausdruck „Six seven“ um die Welt beziehungsweise erobert er die Schulen und anderen Treffpunkte von Kindern und Jugendlichen. Florian Buschmann (Psychologie B.A.), Experte für Medienkompetenz und Berater bei Mediensucht ist „Six seven“ zum ersten Mal Ende 2025 unter anderem in den USA begegnet. Wenige Monate später wurde er in Laos auf der Straße so angesprochen. Und mittlerweile stößt der Gründer der Präventionsinitiative OFFLINE Helden in seinen Workshops an Schulen permanent auf diese ominösen Wörter.

Code als Signal für Gruppenzugehörigkeit

Sogar in Grundschulen werfen sich Kinder diesen Spruch zu, der für den nicht eingeweihten Erwachsenen keinerlei Bedeutung hat. Hier geht es nicht darum, Zählen zu lernen. Vielmehr haben nicht einmal die Nutzer selbst eine Ahnung, ob „Six seven“ irgendeinen inhaltlichen Sinn hat. Der Ausdruck fungiert als Code, er ist ein Signal von Zugehörigkeit. „Und nichts brauchen Kinder mehr, als in eine Gruppe eingebunden zu sein“, so Buschmann. Am Rande zu stehen, die anderen nicht zu verstehen, ausgeschlossen zu sein, das sei emotionale Folter.

Alles gut also, da es nur um eine harmlose Geheimsprache geht? Nun, „Six seven“ sei eng verknüpft mit der Brainrot-Kultur, sagt Buschmann. Total irrelevante, absurde Inhalte, die in kurzen Sequenzen über Social Media verbreitet werden. Wiederholung und Einfachheit dominieren, einen Lerneffekt gibt es nicht. Brainrot bedeutet übersetzt so viel wie Gehirnfäule und der Experte findet diesen Begriff keineswegs übertrieben. „Es zählt nur noch, ob man sich den Unsinn merken kann, weil man damit Teil einer Community wird.“

Verbreitung in Windeseile

Internet-Memes, also vorwiegend oder ausschließlich über das World Wide Web verbreitete Inhalte wirken deshalb so stark, weil drei Faktoren zusammenkommen:

  1. Dank cleverer Algorithmen funktioniert die weltweite Streuung in kürzester Zeit.
  2. Wegen der Einfachheit der Begriffe wird niemand überfordert, alle können mitmachen.
  3. Weil sich vor allem Kinder und Jugendliche nach sozialer Zugehörigkeit sehnen, lassen sie sich leicht ködern.

Gegen das zutiefst menschliche Bedürfnis, Mitglied einer Gruppe zu sein, sei auch überhaupt nichts einzuwenden, so Buschmann weiter. Aber: „Die Kommunikation wird schneller, oberflächlicher und immer öfter auch völlig bedeutungslos. Und das verändert langfristig, wie Kinder denken und miteinander sprechen.“ Und wohl niemand könne wollen, dass sich Sprache und Gedanken auf das Niveau von Brainrot herabsinken.

Eine solche Gefahr mag für die meisten eine eher abstrakte sein. Konkreter sind direkte Folgen vieler Internet-Memes: Kinder nehmen wörtlich, was nicht so, sondern ironisch gemeint ist. Manchmal geht es um Gewalt, werden bestimmte Gruppen von Menschen beleidigt oder wird mit Sexualisierung gespielt. Auch Manipulationen kommen vor oder es wird respektloses Verhalten gezeigt, dass Kinder dann imitieren.

© Shutterstock

©Shutterstock

Verbote greifen zu kurz

Es hilft allerdings wenig, panisch mit Verboten zu reagieren. Phänomene wie „Six seven“ sind längst Teil der Lebenswelt unserer Kinder. Sie werden nicht wieder verschwinden, nur weil sie uns nicht gefallen. Eltern, Lehrer und andere Bezugspersonen sollten deshalb versuchen zu verstehen, statt nur zu verurteilen. Und: Wie immer beim Thema „Kinder und digitale Medien“ bieten laut Buschmann drei Regeln Orientierung:

  1. Die Medienkompetenz der Mädchen und Jungen sollte bestmöglich gefördert werden – sowohl in der Schule als auch zu Hause.
  2. Erwachsene sollten auf Augenhöhe mit den Kindern kommunizieren und zum Beispiel erfragen, was sie an welchen Inhalten so fasziniert.
  3. Unverzichtbar ist ein tiefes Vertrauen zwischen Eltern und Nachwuchs – ebenso wie das Angebot gemeinsamer Offline-Aktivitäten.

Über Florian Buschmann

Florian Buschmann (Psychologie B.A.) und Mitglied im Fachverband für Medienabhängigkeit. Seit über sieben Jahren ist er in der Prävention und Intervention zum Thema Kinder und digitale Medien aktiv. Mit der von ihm gegründeten Initiative OFFLINE HELDEN erreicht er gemeinsam mit seinem Team jedes Jahr mehr als 13.000 Teilnehmende in über 500 Veranstaltungen. Er begleitet Familien, deren Kinder von einer kritischen oder krankhaften Mediennutzung betroffen sind, gibt ihnen Halt und Stabilität – und trägt so zum Erhalt beziehungsweise zur Wiedergewinnung ihrer psychischen Gesundheit bei.

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Christian Neuhold

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