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Home » Wie Rollenbilder die Entwicklung der Kinder beeinflussen
Erwachsen werden

Wie Rollenbilder die Entwicklung der Kinder beeinflussen

Gerrit GuboVon Gerrit GuboNovember 29, 2021Aktualisiert:Feber 26, 20263 Minuten Lesezeit
© iStock
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Hilfswerk NÖ-Expertin und Diplompädagogin Andrea Wunder zeigt anhand von drei in der Entwicklungspsychologie beschriebenen Zeiträumen, warum der Zugang zu unterschiedlichen Rollenbildern für Kinder wichtig ist – eine wissenschaftliche Erklärung, wie Männer die Entwicklung der Kinder essentiell beeinflussen können.

Erstes bis drittes Lebensjahr – Die Triangulierungsphase

Wenn sich das Kind aus der Symbiose mit der Mutter löst, erlebt es eine ständige Ambivalenz: Auf der einen Seite steht der Wunsch nach Abgrenzung und eigener Identität. Auf der anderen Seite will das Kind die frühere, stabile Mutter-Kind-Einheit aufrechterhalten, da diese für Sicherheit sorgt. Nach dem Triangulierungskonzept nimmt der Vater, also der „Dritte“ im Bunde, eine Art „Pufferfunktion“ ein. Er sorgt für die nötige Sicherheit, dass das Kind die Chance hat, sich weg von der Mutter hin zur „fremden“ Welt und der eigenen Identität zu bewegen. Ausschlaggebend ist hier nicht nur die Rolle der Mutter, wie einfühlend sie auf den Spannungsaspekt des Kindes reagiert. Mit einem präsenten Vater kann es dem Kind gelingen, sich aus der gemeinsamen Hülle mit der Mutter zu lösen. Darüber hinaus ist entscheidend, wie weit die Mutter dem Vater in seiner Rolle vertraut und sein Engagement schätzt. Gelungen ist eine Triangulierung dann, wenn ein wechselseitiger Kreislauf mit positiver Bezogenheit innerhalb des Dreiecks stattfindet.

Viertes bis sechstes Lebensjahr – Die erste ödipale Phase

Laut dem Psychoanalytiker Sigmund Freud bedeutet diese Entwicklungsphase, dass sich das Kind vom gleichgeschlechtlichen Elternteil ab- und dem gegengeschlechtlichen Elternteil zuwendet. Die in der ödipalen Phase entstehenden Konflikte bezeichnete Freud als „Ödipuskomplex“. Heute gilt dieser in der Psychoanalyse allerdings umstritten. Ein wesentlicherer Entwicklungsaspekt für die Vater-Kind-Beziehung ist aber zu betonen. Wenn sich das Kind von der Mutter ablöst und eigenständig die fremde Umwelt erforschen möchte, braucht es viel Vertrauen in seine eigenen Fähigkeiten, Selbstvertrauen und genügend Sicherheit. Hier kann die Rolle des Vaters nicht hoch genug eingeschätzt werden. Mutter und Vater setzen in der Regel unterschiedliche Beziehungsangebote: die Mutter bietet Emotionalität und sprachliche Kommunikation; der Vater vermittelt zumeist die Welt durch aktive Konfrontation, Ermutigung, Förderung und vorgegebene  Normensysteme. Beide Angebote sollten sich gut ergänzen.

Zwölftes bis sechzehntes Lebensjahr – die zweite ödipale Phase

Die Pubertät stellt eine Krise dar. Hier kommt die Vaterrolle wesentlicher als die Rolle der Mutter zum Einsatz. In dieser Zeit erleben Mädchen und Jungen den Übergang in die Erwachsenenwelt. Diese bringt Unruhe, Verunsicherung und Orientierungslosigkeit mit sich. Väter repräsentieren hier zentrale Aspekte der Öffentlichkeit und der Gesellschaft, was wiederum den Pubertierenden Orientierung bieten kann. Darüber hinaus kommt in dieser Phase der Schritt zur psychosexuellen Identität. Nur wenn die Tochter vom Vater einerseits ihr weibliches Selbstbild bestätigt bekommt oder andererseits der Sohn ein positives Männerbild verinnerlichen kann, ist die Basis für ein stabiles Selbstbild als Frau oder Mann in der Welt der Sexualität gegeben.

Rollenbilder sind divers

Rollen- und Familienbilder sind in der heutigen Gesellschaft divers gestaltet und lassen sich nicht mehr exklusiv auf eine Frauen- oder Männerrolle reduzieren. Der oben beschriebene, klassische wissenschaftliche Ansatz ist ein Zugang zu dem Thema und zeigt deutlich, wie wesentlich die Rolle der Männer für die Entwicklung von Kindern sein kann. Speziell in institutionellen Betreuungseinrichtungen – wie Kindergärten oder Volksschulen – können Männer eine wichtige Rolle einnehmen. Aufgrund meist berufstätiger Elternteile verbringen Kinder dort viel Zeit. Sie sind sozusagen auf das Beziehungsangebot angewiesen, das ihnen in diesen Einrichtungen geboten wird. In institutionellen Einrichtungen sind meist mehrere Erwachsene tätig, die zusammen ein Team bilden. So wie bei Elternpaaren ist auch hier Zusammenarbeit gefragt, auch profitieren die Kinder von der Vielfalt innerhalb des Teams. Wenn mehrere Rollenbilder präsent sind, haben die Kinder die Chance auf mehrere Blickwinkel, da sich zum Beispiel Lösungswege oder kommunikative Fähigkeiten unterscheiden.

© Hilfswerk NÖ
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Gerrit Gubo

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