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Home » Wieviel Spaß muss sein?
Familienzeit

Wieviel Spaß muss sein?

Daniela JaschVon Daniela JaschSeptember 19, 2023Aktualisiert:März 7, 20267 Minuten Lesezeit
© freepik
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Das hier ist kein Kindergeburtstag! Dieses Bonmot müsste wohl umgedeutet werden. Nämlich angesichts der ultimativen Spaß-Events, die für den Nachwuchs heutzutage oft organisiert werden.

Alles-Gute-Singen. Schoko-Kuchen mit bunten Streusel. So viele Kerzen drauf wie das Geburtstagskind alt wurde. Alle auf einmal ausblasen und sich gleichzeitig etwas wünschen. Dann genüsslich Torte mit Saft verputzen und anschließend noch gemeinsam Spielen. So war mal ein Kindergeburtstag – weitestgehend stressfrei und mit fröhlichen Gesichtern. Heutzutage kommen Eltern oft kaum drumherum, die Geburtstage ihrer Sprösslinge als ultimative Spaß-Events zu gestalten – und das schon ab dem Kindergartenalter. Und so verlangt ein unvergessliches Geburtstagsereignis auch nach perfekter Planung – in der Regel fest in den Händen fleißiger und pflichtbewusster Mütter. Denn eines ist fix: Die Latte liegt hoch.

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Mottos & extravagante Locations Das Ganze beginnt schon mit der Einladung. Da werden hübsch dekorierte Einladungs-Kärtchen oft schon Wochen vor dem Großevent an die eingeladenen Kinder verschickt. Dann müssen schicke Girlanden, 3-D-Ballons und farblich abgestimmte Luftballons besorgt werden. Das Fest braucht schließlich eine tolle Deko. Dazu am besten selbst gebastelte Tisch-Asseccoires und Becher, Servietten und Trinkhalme, die einer bestimmten Themenwelt zugeordnet sind. Geburtstage haben nämlich neuerdings meist ein bestimmtes Motto. Dabei soll auch das gefeierte Kind nicht einfach nur Geburtstagskind sein, sondern Prinzessin, Superheld, Fußballprofi oder Piratenkönig. Entsprechend soll es verschiedene Programm-Highlights geben wie zum Beispiel Kinderschminken, allerlei sportliche Wettkämpfe oder Kostümbewerbe. Aufwändig gestaltete Schnitzeljagden und Rätselralleys durch den halben Ort sind ebenfalls gefragt. Oder gleich ein komplett gebuchtes Abenteuer am Ponyhof, in einer Kletterhalle oder in sonst einem Freizeit-Park. Der Kuchen heißt neuerdings nicht selten Überraschungstorte, aus deren Innerem sich Spielsachen oder bunte Smarties ergießen. Die Verzierungen der mitunter dreistöckigen Tortenkunstwerke sind freilich auf das Motto der Feier abgestimmt. So stellen Pokemon-Figuren, Fußballhelden, Einhörner oder Dinos aus Zuckerguss den Marzipanzauber so mancher Hochzeitstorte in den Schatten. Pastellfarbige Cupcakes, märchenhaft gestaltete Muffins oder ein Schokoladenbrunnen kommen ebenso gut an.

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Süßes für die kleinen Süßen Süßkram scheint es auf jedem Kinderge- burtstag jedenfalls in Hülle und Fülle zu geben. Als wäre die Geburtstagsbande nicht schon nach dem Kuchen aufgedreht wie unsereins nach fünf Espressi, gibt es auch noch bei jeder Fun-Station – ob Ratespiel, Schatzsuche oder Schnitzeljagd – jede Menge Süßigkeiten zu ergattern. Außerdem kommt heutzutage fast keine Kinderparty ohne Piñata aus. Jene, irgendwo oben befestigten Figu- ren aus Pappmaché, die zum Bersten mit Süßigkeiten gefüllt sind, auf die die Kinder so lange mit dem Piñatabuster klopfen, bis es den ganzen süßen Inhalt kalten Zeit gilt: Nichts wie raus, damit sich die Kinder austoben können. Kuchen und warmer Kakao aus der Thermoskanne, eventuell auch Fackeln oder Laternen sorgen für Feierstimmung. Nix gewesen außer Stress & Spesen Das Allerbeste an solchen Kindergeburtstagen kommt definitiv zum Schluss: nämlich die am Ende des Abends völlig überreizten Kinder – und nicht zu vergessen: die total erschöpften Eltern. Das Organisieren und Überwachen der Kids während der Party entpuppen sich nicht selten als regelrechter Kraftakt. Die Kinder werden schließlich von Programmpunkt zu Programmpunkt lauter und überdrehter. Kaum ist der letzte Bissen Torte verschlungen, wird zum nächsten Party-To-Do gehetzt. Geschenke werden in Windeseile ausgepackt, dem Inhalt oft kaum Beachtung geschenkt, während schon das Papier vom nächsten Packerl herunter gezerrt wird. Meist gibt es irgendjemanden, der sich langweilt und andauernd fragt, was denn als nächstes komme. In der Regel gibt es auch irgendein Gezanke und irgendwann heult wahrscheinlich nicht nur ein Kind. Kein Wunder, dass nach so viel Action, Zuckerschock und Überreizung die Luft draußen ist. Dabei wird das elterliche Durchhaltevermögen oft noch länger strapaziert. Es soll nämlich vorkommen, dass binnen von zwei Tagen bis zu 50 Muffins und zwei bis drei Kuchen gebacken werden. Einen für den Kindergarten oder die Schule. Ein Kuchen für den Geburtstagsnachmittag, einer für die Feier im engeren Kreis. Verwandte wollen das Geburtstagskind ja auch noch standesgemäß hoch leben lassen. Was die Geschenke betrifft, wissen die wenigsten so recht, womit man den Kindern noch eine Freude bereiten könnte. Und trotzdem werden mitunter beträchtliche Summen für Spielzeug und Fun-Artikel ausgegeben, die oft letztendlich in einer Ecke der ohnedies schon übervollen Kinderzimmer landen. Auch die Kosten für die Party insgesamt summieren sich – von der Deko bis hin zur Verpflegung. Wer eine spezielle Location mit exklusiver Betreuung und Austattung bucht – samt Bastelmaterial, Spielen, Snacks, Kuchen, Getränken und Verabschiedungsgeschenken – legt für das Gesamtpaket durchaus ein paar hundert Euro hin.

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Weg von Super-Size: Einfach und gut feiern! Weil jeder das Beste für sein Kind will, mutiert so ein Kindergeburtstag nicht selten zum Statussymbol. Bei dem gezeigt wird, was man als Familie zu bieten hat und dass man den anderen um nichts nachstehen möchte. Der Druck steigt natürlich, wenn Kinder von den tollen Partyereignissen im Freundeskreis erzählen und dann eben- falls aufwändig feiern wollen. Selbst Eltern, die es unkompliziert angehen möchten, fühlen sich irgendwann zu einem speziellen Entertainment verpflichtet. Psycholog:innen warnen jedoch davor. Kinder würden durch das ganze Drüberhinüber ein völlig falsches Selbstbild aufbauen. Mit völlig überzogenen Erwartungshaltungen. Letztendlich sollten folgende Fragen im Vordergrund stehen: Was braucht mein Kind? Was ist nötig und was nicht? Der Hirnforscher Gerald Hüther etwa verweist in seinem Buch „Was schenken wir unseren Kindern“ auf das, worauf es wirklich ankomme: „Wünsche haben Kinder viele, aber das sind noch lange keine Bedürfnisse. Am wichtigsten sind nun mal lebendige Beziehungen“. Und die würden sich am besten gestalten lassen, in dem Konsum und Materielles in den Hintergrund rücken und ein wertschätzendes Miteinander gepflegt werden.

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Klein, aber fein. Anstatt die halbe Klasse einzuladen, kann das Kind sich auf die engsten Freun:innen beschränken. Es ist keine Schande, sich bei den Einladungen zu überlegen, wie gut die Gruppe harmoniert. Zwei Stunden Party sind mehr als genug. Wertvolle Zeit mit Freunden. Ein Nachmittag mit den besten Freund:innen ist allein schon ein freudiges Ereignis. Ganz ohne aufwändige Programmpunkte und spezielle Location. Ein Kinderbande in der Wohnung kann freilich ganz schön anstrengend sein. Warum also nicht was im Freien unternehmen? Eine Wanderung in den Wald zum Beispiel oder ein Picknick im Bad oder Park. Auch in der kalten Zeit gilt: Nichts wie raus, damit sich die Kinder austoben können. Kuchen und warmer Kakao aus der Thermoskanne, eventuell auch Fackeln oder Laternen sorgen für Feierstimmung. Partykiller Perfektion. Eltern sollten gut überlegen, was sie selbst wollen und umsetzen können. Es geht nicht darum, um des Hausfriedens Willen den Kindern jeden Wunsch von den Lippen zu lesen. Von vorne herein klar kommunizieren, was geht und was nicht, damit es später nicht zu Enttäuschungen kommt. Keine farblich abgestimmten Servietten? Küchenrolle tut es auch! Kein Zeit fürs Backen? Gekaufte Kuchen und Fertigteige kommen ebenso gut an. Das Rad nicht neu erfinden. Kinder brauchen keine Dauer-Animation. Oft spielen sie am liebsten daheim und ganz von allein friedlich miteinander. Es ist allerdings hilfreich, einige Spiele oder Basteleien vorbereitet zu haben. Dafür braucht es keine Neu-Anschaffungen. Werden die Kinder unruhig, sind Stopptanz, eine Polonaise, Reise nach Jerusalem, Stille Post oder Blinde Kuh sowohl für Drinnen als auch Draußen geeignet. Bitte mehr Wertschätzung. Scheinbar Selbstverständliches wie Kuchen essen oder Singen wieder zu echten Highlights machen! Die Kinder könnten dabei ihre Lieblings- Geburtstagslieder singen. Beim Geschenke- Auspacken kann mittels Flaschendrehen ermittelt werden, wer mit dem Überreichen dran ist. Jedes Kind könnte erklären, warum es dieses oder jenes Geschenk ausgewählt hat oder was es kann. Nachhaltig feiern. Pappteller, Plastikteller & Co müssen nicht sein. Normales Geschirr ist umweltfreundlicher und günstiger. Bei der Deko auf Langlebigkeit achten: Stoffgirlanden oder Selfmade-Geburtstagskronen können immer wieder verwendet werden. Luftballons gibt es auch aus Naturlatex oder Kautschuk. Auch Geschenke müssen nicht immer neu sein: es können Second Hand Geschenke vereinbart werden. Also Dinge, mit denen das Gastkind selber nicht mehr spielt.

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Daniela Jasch

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