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Home » Kuhmilch: Allergie oder Unverträglichkeit?
Gesund bleiben

Kuhmilch: Allergie oder Unverträglichkeit?

Gerit FischerVon Gerit FischerAugust 21, 2019Aktualisiert:März 6, 20264 Minuten Lesezeit
© Shutterstock
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Was genau sind Milchunverträglichkeit und Milchallergie? Können Kinder ohne Milchprodukte gesunde Knochen aufbauen? Und wann ist der Verzicht überhaupt sinnvoll?

Milch und Milchprodukte sind bekannt als optimale Nährstoffquelle. Sie sind bei Kindern beliebt, preisgünstig, kulinarisch vielseitig und überall erhältlich. Und schließlich ist ein guter Knochenaufbau in der Kindheit und Jugend die beste Osteoporose-Vorsorge.

Gleichzeitig heißt es, Milch sei für Tierkinder gedacht und zur Ernährung des Menschen ungeeignet. Milch nicht zu vertragen, wäre demnach keine Krankheit, sondern ein Überbleibsel unserer Evolution. Die große Zahl der Betroffenen, die Milch nicht vertragen, scheint dies zu bestätigen. Was also tun, wenn ein Kind keine Milch verträgt? Sind Mangelerscheinungen nun unvermeidbar?

Milchunverträglichkeit – was ist das?

Wann immer Milchverzehr zu Beschwerden führt, obwohl weder eine Allergie noch eine Stoffwechselkrankheit vorliegt, spricht man – vorerst undifferenziert – von einer Milchunverträglichkeit. Die Ursache muss medizinisch geklärt werden, sie ist die Grundlage für die richtige individuelle Nahrungsmittelauswahl. Der häufigste Grund ist ein Enzymmangel.

Wenn die Laktase, das Laktose spaltende Enzym im Darm, ganz oder teilweise fehlt, kann der Milchzucker, die Laktose, nicht verdaut werden. Sie wird stattdessen von Darmbakterien gefressen, es kommt zu Bauchweh und vielfältigen anderen Beschwerden. Weltweit dürften rund 90 Prozent aller Menschen betroffen sein, in Österreich liegt die Rate unter 15 Prozent.

© familiii

Leben mit Milchunverträglichkeit

Der Milchzucker ist in der Milch aller Tiere gleich. Wer also eine Laktoseintoleranz hat, muss Milch generell meiden – oder vor dem Verzehr Laktase einnehmen. Anders bei gesäuerten Milchprodukten wie Buttermilch, Joghurt, Topfen, Käse, die von Natur aus wenig oder keine Laktose enthalten. Ein vollständiger Verzicht auf Milch und Milchprodukte ist daher oft gar nicht nötig. Zudem sind im Handel Milchprodukte erhältlich, bei denen die Laktose bereits aufgespalten ist. Es gibt auch Unverträglichkeiten ungeklärter Ursache; oft hängt die Reaktion direkt mit der Haltbarkeit zusammen.

Milchallergie – was ist das?

Bei jeder Allergie reagiert das Immunsystem. Und zwar auf Eiweiß. Milch enthält eine ganze Reihe verschiedener Eiweiße, gegen jedes einzelne kann man allergisch sein. Die meisten Kuhmilch-Allergiker sind gegen Caseine allergisch, andere gegen Vertreter der Molkenproteine. Manche gegen beide. Zwei bis drei Prozent der Neugeborenen sind allergisch gegen Milch, bei den meisten verschwindet die Allergie noch vor dem Schuleintritt.

© Shutterstock – Weniger als 15 Prozent der Österreicher leiden unter Milchunverträglichkeit. Der häufigste Grund ist ein Enzymmangel.

Leben mit Milchallergie

Je nachdem, ob die betreffenden Proteine auch in der Milch anderer Tiere vorkommen, werden diese vertragen oder nicht. Wer gar keine Milchprodukte verträgt, kann seinen Nährstoffbedarf problemlos mit anderen natürlichen, unverarbeiteten Lebensmitteln decken (siehe Grafik).

© Shutterstock/Grafik: familiii

Caseine kommen in jeder Tiermilch vor. Casein-Allergiker müssen also alle Milcharten auslassen. Einzelne Kuhmilchprodukte können dennoch vertragen werden, nämlich Molke und reine Molkenprotein-Käse wie Ricotta.

Molkeneiweiß-Allergiker müssen auf die meisten Kuhmilchprodukte verzichten. Hier sind Milch und -produkte von Ziegen, Schafen und Wasserbüffeln einen Versuch wert! In der Bodybuilder- und Fitness-Szene kennt man das Molkeneiweiß als Whey Protein. Es ist viel hitzeempfindlicher als Casein und ist in stark erhitzten Milchprodukten zerstört – der Grund, warum bei einer gemäßigten Molkeneiweiß-Allergie Topfen, fetter Käse, Haltbarund „Länger frisch“-Milch oft keine Probleme machen.

Gesund ohne Milchprodukte?

Milch und ihre Produkte sind zweifellos sehr nahrhaft, aber kein Muss. Das machen uns Menschen in anderen Ländern vor. Auch sind Milch und Kalzium alleine noch kein Garant für starke Knochen. Knochengesundheit ist eine Kombination aus verschiedenen Mineralstoffen, Vitaminen und Proteinen – und den Bewegungsgewohnheiten.

Gute Eiweißquellen sind Hülsenfrüchte und Nüsse, sie liefern eine ganze Reihe Mineralstoffe gleich mit. Nuss-Mus macht Müsli, Kompott, Smoothie und Porridge extracremig.

Auch Vollkornprodukte können entgegen der verbreiteten Meinung eine gute Kalzium-Quelle sein, aber nur wenn sie fermentiert sind. Zum Beispiel echtes Sauerteigbrot.

Kalzium-Räuber

Nahrungsergänzungsmittel sind im Normalfall die schlechteste Art der Nährstoffversorgung. Oft geht es vielmehr darum, Kalzium-Räuber zu reduzieren als die Kalzium-Zufuhr zu erhöhen. Und auch eine übermäßige Proteinzufuhr kann eine optimale Kalzium-Verwertung stören.

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Gerit Fischer

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