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Home » Alle unter einem Dach
Familienzeit

Alle unter einem Dach

Eva Maria WagnerVon Eva Maria WagnerNovember 19, 2021Aktualisiert:April 7, 20264 Minuten Lesezeit
© iStock
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Mit Oma und Opa zusammenwohnen? Früher war das gang und gäbe. Doch die Zeiten ändern sich und damit auch die Ansprüche aller Beteiligten. Was es heute braucht, damit das Modell gelingen kann und welche Rolle dabei die aufrichtige Kommunikation spielt.

Großeltern, Eltern und Enkelkinder in einem Haushalt. Früher gehörte diese Form des Zusammenlebens vor allem im ländlichen Raum zum Alltag. Heute ist sie eher die Ausnahme und die Kleinfamilie ist konkurrenzlos das am häufigsten gelebte Modell geworden. Laut Psychologin Martina Rammer Gmeiner hat das Modell in früheren Zeiten vor allem deshalb funktioniert, weil es musste. Oft gab es einen Hof, der zu übernehmen war und mit der Hochzeit war für viele Schwiegertöchter oder -söhne klar, dass sie ab nun ihr Leben auch mit den Eltern des Ehepartners teilen werden. Auch gesellschaftlich gesehen war es meist selbstverständlich, dass man gemeinsam mit den Eltern lebt und diese im Alter auch im Familienverband pflegt und betreut.

Trend zur Individualisierung

Im Laufe der Zeit löste sich diese traditionelle Wohnform immer mehr auf. „Wir nehmen heute viel bewusster wahr, was wir wollen und wie wir leben möchten“, so Rammer Gmeiner. „Individualität ist oft wichtiger geworden als Gemeinschaft“. So nehmen Intimität und Eigenständigkeit in der modernen Zeit einen immer größeren Stellenwert ein. Und die besseren, wirtschaftlichen Möglichkeiten erlauben meist, dass sich sowohl die Großeltern als auch die erwachsenen Kinder getrennte Wohnverhältnisse leisten können. Das heißt, dass die Generationsbeziehungen heute immer weniger unter einem Dach, sondern vorrangig über Haushaltsgrenzen hinweg gelebt werden.

Eine moderne Form finden

So viel zu den Fakten. Aber wäre es nicht manchmal schön, die Eltern ein bisschen näher zu haben? Mehr Unterstützung im dichten Alltag zu bekommen? Wäre es für die Kinder nicht auch eine wunderbare Bereicherung mit ihren Großeltern zusammenzuleben? Wie müsste so ein modernes Modell eines Mehrgenerationenhaushaltes aussehen, dass es für alle ein Gewinn sein könnte? Die Grundlage ist zunächst einmal die freie Entscheidung. Man sollte sich sicher sein, dass alle Familienmitglieder auch wirklich zusammenleben wollen. Dann wäre es natürlich ideal, wenn die Familie zwar unter einem Dach, aber in klar abgetrennten Wohneinheiten leben würde. Denn jeder Mensch, egal ob jung oder alt, braucht seine Privatsphäre und seinen Rückzugsort. Wer sich auch mal aus dem Weg gehen kann, kommt später auch immer wieder gerne zusammen. Womit auch schon das große Thema der Abgrenzung angesprochen ist. Nicht nur die Elternseite hat das Bedürfnis nach Auszeit und Freiraum. Auch moderne Großeltern möchten Grenzen setzen. Viele wollen etwa nach langer Berufstätigkeit die wohlverdiente Pension genießen und nicht rund um die Uhr für die Kinderbetreuung zur Verfügung stehen.

Kommunikation als Grundlage

Der Schlüssel, all diese Themen zu klären, ist die Kommunikation. „Bevor man sich für das gemeinsame Wohnen entscheidet, sollten die Vorstellungen an das Zusammenleben besprochen werden“, so Rammer Gmeiner. „Was wollen alle Beteiligten? Ist das kompatibel oder doch zu unterschiedlich?“ Dabei sollten laut der Expertin auch ganz konkrete Fragen geklärt werden:  Hat man den Schlüssel zur Wohneinheit der anderen Partei? Was wird als übergriffig empfunden? Ist es in Ordnung, wenn die Großmutter ungefragt in der Küche der Eltern steht? Wenn die Kinder ohne Ankündigung in den Wohnbereich von Oma und Opa platzen? Und wie sieht es mit den Themen Kinderbetreuung und Erziehung aus? Oft ist es gar nicht so leicht für die Großeltern sich in Erziehungsfragen zurückzuhalten. Vor allem dann, wenn sie häufig auf die Enkelkinder aufpassen müssen. Hier ist es besonders wichtig, einen guten Konsens unter den Erwachsenen zu finden.

Und wenn alles geklärt ist?

Dann kann man die vielen Vorteile des Zusammenlebens genießen. Allen voran die Aufgabenteilung. So kümmern sich etwa die Großeltern um die Enkelkinder und entlasten damit die Eltern. Diese wiederum unterstützen die Großeltern in ihren Belangen und sind auch da, wenn diese älter und eingeschränkter werden. Und die Enkelkinder bringen Freude, Lachen und Leben in die Welt der Erwachsenen. Gleichzeitig übernehmen sie ebenfalls Verantwortung und lernen Rücksicht zu nehmen. Im besten Fall entsteht eine Gemeinschaft, die ihre Kräfte bündelt, sich gegenseitig unterstützt, voneinander lernt und Spaß miteinander hat.

Wohnformen der Zukunft

Seit einiger Zeit ist eine spannende Entwicklung zu beobachten. Es scheint wieder einen leichten Trend zum Mehrgenerationenwohnen zu geben. Das kann einerseits an den steigenden Wohnkosten liegen. Wenn sich junge Familien kein eigenes Haus leisten können, kann durch die Aufteilung der Kosten der Traum vom Haus doch noch wahrgemacht werden. Andererseits nimmt die Einsamkeit in unserer Gesellschaft zu und das gemeinsame Wohnen kann hier entgegenwirken. Nicht umsonst gibt es auch immer mehr alternative Wohnformen in denen Jung und Alt aufeinander treffen. Wie zum Beispiel Altersheime, die mit Kindergärten kombiniert sind oder Wohnprojekte, in denen die aktive Nachbarschaft zwischen den Generationen gefördert wird.

© iStock
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Eva Maria Wagner

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