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Home » Wenn Eltern Smartphone-Zombies sind
Digitale Welt

Wenn Eltern Smartphone-Zombies sind

adminVon adminAugust 12, 2021Aktualisiert:April 7, 20265 Minuten Lesezeit
© Shutterstock
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Jugend und Technik – das war immer ein Spannungsfeld. Internetsucht, Smartphonesucht, ein Ding der jungen Leute? Mitnichten: Heute sind es oft die Eltern, die vom Handy abhängig sind. Und unter diesen Smartphone-Zombies leidet die gesamte Familie. Wie finden Eltern aus diesem Zustand heraus?

Ingeborg Häuser-Groß begleitet als Eltern-Kind-Coach Familien in Kindergärten und Kliniken, in Tagesstätten und Sportvereinen. Sie kennt die Probleme nur zu gut. Mehr als 40 Jahre Erfahrung konnte sie in der Zusammenarbeit mit Familien sammeln, dazu ist sie selbst Mutter. Für uns hat sie 8 Tipps zusammengestellt, wie sich Eltern vom Smartphone lösen und sich mehr den Kindern zuwenden.

Große Bildschirme, tolle Farben, flackernde Bilder und viel, viel Abwechslung: Das Smartphone verspricht nicht nur Kurzweil, sondern macht die tägliche Ablenkung auch noch so bequem! Wer sich mit Freuden von dem Gerät lösen will, macht die Nutzung einfach erst einmal unbequemer. Von der maximalen Helligkeit sollte auf eine der Umgebung angepasste Helligkeit umgeschaltet werden. Der nächste Schritt: Graustufen einschalten. Viele der gewohnten Ansichten auf dem Smartphone sind in Graustufen gar nicht mehr so verführerisch. Bei den Graustufen wird offensichtlich, wie anstrengend das Smartphone für die Augen ist.

Smartphone wegschließen und sich einfach mal auf die Familie konzentrieren ist im Alltag nicht immer möglich. Denn viele Menschen müssen beruflich einfach erreichbar sein. Das Smartphone ist der Aufseher, der den modernen Arbeitssklaven rund um die Uhr kontrolliert. Um sich nicht selbst zu ruinieren (und die Smartphonesucht langsam anzugehen) ist ein schrittweises Vorgehen wichtig. Wer in einer wichtigen Präsentation steckt oder einen Spielenachmittag mit den Kindern verbringt, plant das und kommuniziert im Vorfeld, dass er oder sie zu diesen Zeiten nicht erreichbar ist. Und dann kann das Smartphone ohne negative Folgen für ein paar Stunden ausgeschaltet werden.

Welche Apps ziehen am meisten Aufmerksamkeit? Das sind normalerweise nicht die „wichtigen“ Apps wie die für das Online-Banking oder der Wetterbericht. Es sind die sozialen Medien, Musik-Apps, Spiele. Wer vom Smartphone loskommen will, löscht diese Apps zuerst. Alle diese Anwendungen lassen sich auch über den Browser am Smartphone bedienen oder am PC – aber das ist viel unbequemer. Dadurch sind insbesondere Instagram, Facebook, YouTube und Co schnell uninteressant. Für E-Mails gilt das ebenfalls: Einfach mal am PC schreiben. Es reicht völlig, wenn man das einmal täglich tut. Den Briefkasten neben der Haustür kontrollieren wir ja auch nicht im Zehn-Minuten-Takt!

Timer, Notizen, Sprachnachrichten, Wecker, Uhrzeit: Die verschiedenen Apps verführen dazu, im Alltag für alles nur noch das Smartphone zu nutzen. E-Reader und Zeitungen vermitteln den Eindruck, dass das Smartphone sogar für hochwertige Inhalte unverzichtbar ist. Musiker/-innen nutzen Apps statt Metronom, statt Notenbüchern. Warum eigentlich? Küchenwecker, Zeitungen auf Papier, echte Armbanduhren und den guten alten Wecker gibt es noch genauso wie Notenhefte und das Metronom. Und wer jetzt mit Ressourcenschonung und Müllvermeidung argumentieren will, der sollte sich bezüglich Stromverbrauch, Umweltfolgen von hohem Datenverkehr und der Umweltbilanz von Smartphones klar werden! Handysucht bekämpfen bedeutet, den Glauben an das Smartphone als Heilsbringer zu hinterfragen.

Das mag manchen eine drastische Maßnahme sein, aber warum sollte man das Smartphone nicht einfach mal ausschalten und zu Hause liegen lassen? Im Kino wird es genauso wenig benötigt wie im Schwimmbad. Und wer braucht schon ein Smartphone auf Radtour? Klar kann man Navigations-Apps benutzen. Die traditionelle Fahrradkarte ist aber viel, viel cooler und führt auch zum Ziel. Gleichzeitig bedeutet sie Sport für das Gehirn, denn wer kann heutzutage schon noch eine Karte korrekt lesen und ist dabei auch noch so schnell wie mit der Navi-App?

Warum greifen wir eigentlich alle paar Minuten zum Smartphone und klinken uns so aus dem Alltag aus? Ist es jeweils Langeweile, die Angst etwas zu verpassen, oder das Gefühl, nicht dazuzugehören? Um Smartphone-Sucht zu verstehen, müssen wir uns auf Spurensuche begeben. Jedesmal, wenn die Hand sich nach dem Smartphone streckt, sollten wir uns fragen: Warum will ich das tun? Was passiert, wenn ich es sein lasse? Wer sich selbst klarmacht, warum genau er oder sie zum Smartphone greift, wird es in den meisten Fällen für absolut unnötig befinden und kann es in der Folge sein lassen. Langeweile? Dann sollte man sich kurz auf den Gesprächspartner konzentrieren. Wetter checken? Der Blick aus dem Fenster genügt und unterbricht das Legospielen mit den Kindern nicht.

Die meisten Apps senden Nachrichten, die um Aufmerksamkeit betteln. Dann leuchtet das Display auf und ein kurzer Ton zeigt an, dass eine Nachricht eingegangen ist. Das sollte man unbedingt ausschalten. Denn keine dieser Nachrichten ist wirklich wichtig. Meist dreht es sich nur darum, wer in den sozialen Medien gerülpst hat. Wollen wir das wirklich wissen? Oder lenken wir uns damit nur von unserem Alltag ab? Die Benachrichtigungen kann man ganz einfach ausschalten. Keine Push-Benachrichtigungen bedeuteten sofort mehr Zeit für Freunde und Familie.

Für den modernen Smartphone-Nutzer und die -Nutzerin ist die Sache klar: Auch gegen Smartphone-Sucht gibt es eine App. Es gibt kein Problem, das sich nicht per App bekämpfen ließe. Hand aufs Herz: Wie ernsthaft bekämpft man eine Smartphone-Sucht mit noch einer App auf dem Smartphone? Wer in Versuchung ist, die Handynutzung zu tracken und sich vom Smartphone die tägliche maximale Nutzungsdauer vorschreiben zu lassen, sollte die SIM-Karte aus dem Gerät nehmen und sich professionelle menschliche Hilfe suchen. Die Smartphone-App gegen Smartphone-Sucht ist ungefähr so hilfreich wie der Schnaps gegen die Alkoholsucht.

Der Mensch tendiert dazu, Probleme zu lösen, indem er etwas komplizierter macht und mehr dazutut. Das nennt man additive Problemlösungsstrategie. Im Falle der Smartphone-Sucht ist aber weniger mehr: Weniger Smartphone bedeutet mehr Freizeit, mehr schöne Zeit mit den Kindern, mehr Spaß am Leben. Deshalb rät Ingeborg Häuser-Groß unbedingt dazu, Smartphones, Tablets und Computer für das zu nutzen, wozu sie wirklich taugen. Das Smartphone ist immer noch ein Telefon für unterwegs, nicht mehr und nicht weniger.

Weitere Informationen zu Ingeborg Häuser-Groß:

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admin

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