Meist denkt man bei Hausmittel an die klassische Erkältungszeit im Herbst und im Winter. An Wickel bei Halsweh oder Husten oder an fiebersenkende Fußbäder. Dabei kann man sich auch im Frühling und Sommer einfacher Hilfsmittel aus der Natur bedienen, die bei verschiedenen Beschwerden Linderung verschaffen. Hausmittel haben das ganze Jahr über Saison, findet auch Claudia Schauflinger, Expertin für Kinder-Hausmittel. „Schnupfenviren gibt es auch im Sommer, genauso wie Durchfall.“ Dazu kommen Insektenstiche, Schürfwunden oder Sonnenbrand – sie alle können die Sommerlaune trüben. Die Autorin dieser Zeilen weiß das genau: Zwei Stunden bevor dieser Text entstand, saß sie auf der Wiese und zog sich vorsichtig den Stachel einer Biene aus der Fußsohle. Ja, der Stich hat ziemlich wehgetan. Zum Glück war rasch eine Zwiebel zur Hand. Die wurde aufgeschnitten und mit der Schnittfläche auf den Stich gelegt. Und siehe da: Binnen weniger Minuten wurde der Schmerz weniger.
Einfach und unkompliziert
Weil die Zwiebel bei Insektenstichen so wunderbar einfach einzusetzen ist, hat Claudia Schauflinger immer eine mit dabei, wenn sie unterwegs ist. Zusammen mit einem Taschenmesser. Die Zwiebel ist ein Allrounder und hilft nicht nur bei fiesen Bienenstichen: Im Zwiebelsäckchen neben dem Bett lassen ihre ätherischen Öle die Schleimhäute abschwellen und verflüssigen das Nasensekret. Das wirkt super gegen verstopfte Nasen – ob im Winter oder im Sommer. In Socken helfen warme Zwiebelscheiben gegen Ohrenschmerzen (siehe Rezept). Claudia Schauflinger ist schon lange Hausmittel-Fan. Das zum Teil jahrhundertealte Wissen rund um die Hausmittel wendet sie in ihrer eigenen Familie an und gibt sie in Büchern und in Vorträgen weiter. Und das aus mehreren Gründen:
Viele Hausmittel sind einfach und unkompliziert herzustellen und anzuwenden. Das, was man braucht, findet man im Haushalt oder in der Natur. Oder aber es lässt sich rasch im Supermarkt besorgen.

Selbstwirksam
„Oft hat man die Medikamente, die man brauchen würde, auch gerade nicht da. Da ist es gut zu wissen, was die Natur hergibt und was Linderung verschafft“, sagt Claudia Schauflinger. Medikamente – so unverzichtbar in manchen Situationen auch sind – haben Nebenwirkungen. Bei banalen Infekten oder kleinen Wehwehchen könne man sich in vielen Fällen auch anders helfen. „Man muss ja nicht immer gleich mit Kanonen auf Spatzen zielen.“ Die Anwendung von Hausmittel hat noch einen schönen Nebeneffekt: „Man fühlt sich selbstwirksam.“ Eltern, die sich Sorgen machen, weil es ihrem Kind schlecht geht, werden ruhig, wenn sie wissen, was sie tun können. Und das wiederum wirkt sich positiv auf das Kind aus.
Bitte bei allen Unklarheiten ärztlichen Rat einholen!

Was tun bei Bienen und Wespenstichen?
Wenn Bienen oder Wespen stechen, kann das ziemlich heftig wehtun! Es gibt einiges, was man gegen den Schmerz tun kann. Zuerst einmal, schnell den Stachel entfernen, den die Biene hinterlassen hat, ohne dabei auf die Giftblase zu drücken.
Man kann den Stich mit kalten Kompressen kühlen oder einen Eiswürfel darauf legen. Es gibt außerdem verschiedene Mittelchen, die bei einem Bienen- oder Wespenstich aufgetragen werden können: Der Klassiker ist die Zwiebel: Diese aufschneiden und mit der Schnittfläche auf den Stich legen. Der Saft wirkt schmerzlindernd, abschwellende und entzündungshemmend. Auch Honig wirkt entzündungshemmend und kann auf den Stich aufgetragen werden. Eine weitere Möglichkeit sind Essig und Zitronensaft, die man verdünnt mit Wasser auf ein Tuch geben und dieses auf den Stich legen kann. Wenn der Stich in den kommenden Tagen weiterhin juckt, hilft das Auflegen von Zwiebelscheiben.

Fieber – wann und wie senken?
Fiebert ihr Kind, kann das Eltern schnell beunruhigen. Vor allem, wenn man sich an einem fremden Ort befindet, wie im Urlaub. Fiebersenkende Mittel gehören in die Reiseapotheke. Aber auch Hausmittel können Fieber senken.
Ein bekanntes Mittel sind Wadenwickel. Viele Erwachsene haben diese aber nicht gut in Erinnerung. Wahrscheinlich deswegen, weil sie mit zu kaltem Wasser durchgeführt wurden. Das Wasser sollte lauwarm sein, ein paar Grad unter der Körpertemperatur.
Für Wadenwickel wird ein Tuch (zum Beispiel ein Geschirrtuch aus Baumwolle) in lauwarmes Wasser getränkt und ausgedrückt. Das Tuch eng um die Wade legen und dabei Knöchel und Knie frei lassen. Darüber ein trockenes Handtuch wickeln. Fünf bis zehn Minuten warten und runternehmen. Falls nötig im Stundenabstand zwei bis drei Mal wiederholen.

Durchfall und Erbrechen – und jetzt?
Der Magen-Darm-Virus macht auch vor urlaubenden Familien nicht Halt. Leidet ein Kind an Durchfall und Erbrechen, wird es wenig Appetit haben. Aber es muss es trinken. Am besten kleine Schlucke Wasser einflößen, so kann es die Flüssigkeit meist leichter bei sich behalten.
Normalerweise klingen Virusinfektionen nach ein, zwei Tagen ab (bei Unsicherheiten, zum Beispiel wenn das Kind keine Flüssigkeit bei sich behält, bitte einen Arzt aufsuchen!). Unterstützen kann man den Körper mit der Karottensuppe nach Moro. Dafür werden Karotten sehr lange gekocht, wodurch so genannte Oligosaccharide entstehen. Im Darm docken die Krankheitserreger an diese an und werden zusammen mit ihnen ausgeschieden.
