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Home » Alkoholikerinnen versuchen möglichst lange, zu „funktionieren“
Familienzeit

Alkoholikerinnen versuchen möglichst lange, zu „funktionieren“

Sabine StandenatVon Sabine StandenatSeptember 19, 2019Aktualisiert:April 7, 20263 Minuten Lesezeit
© Shutterstock
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Alfred Uhl, stellvertretender Leiter des „Kompetenzzentrums Sucht der Gesundheit Österreich“, Vorstandsmitglied des Referats „Suchtpsychologie des BÖP“ (Berufsverband Österreichischer PsychologInnen), Wien.

Wie beginnt Alkoholismus in der Regel?
Manche Frauen ohne größere Probleme gelangen privat oder beruflich in eine Umgebung, in der regelmäßiger, exzessiver Alkoholkonsum üblich ist, und entwickeln langsam eine Alkoholabhängigkeit. Andere haben psychische oder soziale Probleme, die im Laufe ihres Lebens schlimmer werden oder sich spontan im Rahmen von Krisen entwickeln. Diese Probleme bekämpfen sie mit Alkohol. Da sie laufend mehr benötigen, um Erleichterung zu verspüren, werden sie schnell alkoholabhängig.

Gibt es Frauen, die speziell dafür anfällig ist?
Dabei spielt die Genetik ebenso eine Rolle wie das Vorhandensein psychischer Erkrankungen wie Depressionen, Angst- oder Zwangsstörungen. Auch Probleme wie finanzielle Sorgen, Verlusterlebnisse oder eine traumatisierende Kindheit können Gründe sein.

Wie zeigt sich das Problem im Alltag?
Alkoholikerinnen versuchen oft möglichst lange, zu „funktionieren“ und sich nichts anmerken zu lassen. Mit der Zeit können sie ihren alltäglichen Aufgaben immer schlechter nachkommen. Wenn dann der Druck aus der unmittelbaren Umgebung steigt, trinken sie oft heimlich und verstecken ihre Alkoholvorräte.

Welche Auswirkungen hat das Alkoholproblem der Mutter auf den Partner und die Kinder?
Wenn der Partner das Problem bemerkt, versucht er in der Regel, seine Frau zu einer Verhaltensänderung zu bewegen. Er übernimmt auch Aufgaben, die die Betreffende selbst nicht ausführen kann. Denn sie vernachlässigt sich selbst, die Kinder und die Familie. Oft müssen die Kinder dann vorzeitig eine Erwachsenenrolle einzunehmen, was für diese sehr stressig ist und ihre Entwicklung belastet. Sie erleben größte Unsicherheit und fühlen sich auch oft hilflos, weil sie ihrer Mutter nicht helfen können. Kinder reagieren sehr unterschiedlich auf die Sucht der Mutter. Sie machen sich Sorgen, fühlen sich verantwortlich, haben Angst um sie oder vor ihr. Außerdem können sie kein Vertrauen aufbauen.

Vielen Betroffenen kann geholfen werden!

Dr. Alfred Uhl, Klinischer- und Gesundheitspsychologe

Wie kann der Frau geholfen werden?
Durch Ansprechen der Problematik und möglicher Folgen – allerdings ohne ständig zu nörgeln. Der Partner sollte ihr klar machen, dass er nicht endlos zu beliebigen Zugeständnissen bereit ist. Wenn die Frau nichts ändern will und die Situation für alle Beteiligten unerträglich ist, sollte er für sich und die Kinder Konsequenzen ziehen. Wenn die Partnerin allerdings eine Veränderungsbereitschaft bekundet, ist das Annehmen von professioneller Hilfe sehr wichtig. Hier kann der Mann unterstützen, indem er zum Beispiel Kontakte zu Hilfseinrichtungen sucht.

Wie kann der Familie geholfen werden?
Angehörige und Kinder sollten professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, auch wenn die Frau und Mutter sich nicht entschließen kann, dies zu tun und weiter trinkt.

Wie hoch ist die Erfolgsrate, wenn eine Frau sich in Therapie begibt?
Bei Alkoholikerinnen ist sowohl die Behandlung der Grundproblematik wie Ängste, Depressionen oder soziale Probleme als auch die Behandlung der Sucht notwendig. Einige schaffen es dadurch, endgültig abstinent zu leben, manchen gelingt das durch Selbsthilfegruppen. Andere besiegen die Sucht sogar ohne fremde Unterstützung. Definiert man nicht ausschließlich lebenslange Abstinenz als Erfolg, sondern sieht auch eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität mit abstinenten Phasen und dazwischen liegenden Rückfällen als Erfolg an, so kann der überwiegenden Zahl der Betroffenen maßgeblich geholfen werden.

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Sabine Standenat

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