Fast jedes Kind in Violettas Volksschulklasse hat täglich eine Trinkflasche dabei. An diesem unscheinbaren Alltagsgegenstand lässt sich ablesen, wie sehr sich der Schulalltag verändert hat: Kinder bleiben länger in Betreuung, dürfen heute selbstverständlich während des Unterrichts trinken – und können ihre Flasche dennoch nicht in jedem Klassenzimmer auffüllen.
Violetta L. ist Volksschullehrerin in Wien-Liesing und kennt aus ihrem Alltag einige Geschichten, in denen Trinkflaschen eine Rolle spielen – oder zumindest vorkommen. »Eine Trinkflasche hat heute fast jedes Kind täglich dabei«, erzählt sie. Ähnliches beobachtet sie bei der Jause: Viele Kinder bringen große Jausenboxen und mehr Essen mit, als sie während eines Schultages tatsächlich benötigen.
Ein Grund dafür könnte sein, dass Kinder heute im Durchschnitt länger in der Schule bleiben. Auch wenn sie dort oder in der Nachmittagsbetreuung grundsätzlich mit Jause und Mittagessen versorgt werden, möchten Eltern sichergehen, dass ihr Kind auch wirklich genug und auch etwas Vertrautes zu essen dabeihat. »Vieles von dem, was mitgegeben wird, kommt allerdings unberührt wieder mit nach Hause«, beobachtet Violetta. Als Lehrerin achtet sie deshalb vor allem darauf, dass es Pausen gibt, in denen die Kinder gemeinsam und in Ruhe essen können.
Auch der Umgang mit dem Trinken hat sich verändert. In Violettas Klasse dürfen die Schüler*innen jederzeit zur Flasche greifen. Das ist praktisch: Die Flasche steht griffbereit auf dem Tisch, niemand muss einen Becher holen oder den Unterricht eigens unterbrechen. Ist sie leer, dürfen die Kinder aufstehen und Wasser nachfüllen.

Doch gerade das ist nicht überall möglich. Wo klassische Kreidetafeln durch Smartboards ersetzt werden, wird bei Schulneubauten oder Umbauten mitunter auch auf Waschbecken in den einzelnen Klassenräumen verzichtet. Für das feuchte Abwischen der Tafel werden sie schließlich nicht mehr benötigt. Nun fliegen zwar weniger nasse Schwämme durch die Klasse, doch auch das Händewaschen oder Auffüllen einer Trinkflasche wird damit umständlicher. »Dass sich die Kinder zwischendurch die Hände waschen sollten, ist offenbar nicht mehr überall mitgedacht«, sagt Violetta leicht amüsiert. Den kleinen Mühen des Alltags begegnet sie möglichst lange gelassen. Nicht nur bei Ausflügen, sondern auch während des gewöhnlichen Schultages komme es vor, dass Kinder ihre Flasche nicht selbst öffnen können. Manchmal seien Modelle undicht und würden in der Schultasche auslaufen. Passiert das wiederholt, sucht Violetta das Gespräch mit den Eltern. Sie bittet dann darum, eine dichte Flasche mitzugeben, die das Kind selbstständig öffnen und sicher wieder verschließen kann. Was beim Kauf selbstverständlich klingt, erweist sich im Schulalltag keineswegs immer als selbstverständlich.
Bei Jugendlichen und Erwachsenen ist die wiederbefüllbare Trinkflasche längst auch zum Modeaccessoire geworden. Bestimmte Marken, Farben und übergroße Modelle werden in sozialen Medien zelebriert und mitunter zu erstaunlichen Preisen verkauft. In der Volksschule beobachtet Violetta dieses Phänomen bislang kaum. Marke und Modell seien für die Kinder noch von untergeordneter Bedeutung. Entscheidender sind Motive und Farben – und natürlich die Frage, ob die Flasche im Alltag funktioniert.
Allzu billige, undichte Modelle, die vielleicht einmal als Werbegeschenk verteilt wurden, werden meist rasch ersetzt. Glasflaschen wiederum sind wegen ihres Gewichts und der Bruchgefahr eher selten. Aus Sicht der Lehrerin muss eine gute Schulflasche vor allem vier Dinge können: Sie soll dicht sein, in die Schultasche passen, sich auffüllen lassen und vom Kind ohne fremde Hilfe geöffnet und wieder verschlossen werden können.
Damit ist die Trinkflasche im Volksschulalter zwar eine ständige Begleiterin – aber noch kein Lifestyle-Accessoire. Sie ist ein Gebrauchsgegenstand, an dem sich täglich zeigt, ob bei seiner Auswahl tatsächlich an jene gedacht wurde, die ihn benutzen sollen.

Trinken in der Schule: Das brauchen Kinder wirklich
Unter normalen Bedingungen benötigen Kinder im Volksschulalter über den Tag verteilt rund einen Liter Flüssigkeit durch Getränke. Die gemeinsamen Referenzwerte der Deutschen und Österreichischen Gesellschaft für Ernährung betragen für Vier- bis unter Siebenjährige 940 Milliliter, für Sieben- bis unter Zehnjährige 970 Milliliter. Bei Hitze, sportlicher Betätigung oder Fieber steigt der Bedarf.
Für den Schulalltag oder kurze Ausflüge sind leichte, auslaufsichere Flaschen mit 350 bis 500 Millilitern Fassungsvermögen meist ausreichend – vorausgesetzt, sie können zwischendurch aufgefüllt werden. Andernfalls muss die Flasche entsprechend größer sein. Wichtig ist, dass das Kind sie selbst öffnen und zuverlässig wieder verschließen kann. Eine ausreichend große Öffnung sowie zerlegbare Verschlüsse und herausnehmbare Dichtungen erleichtern die Reinigung. Ob eine Flasche in den Geschirrspüler darf, ist den Angaben des Herstellers zu entnehmen. Flasche und Verschluss sollten regelmäßig gründlich gereinigt und vollständig getrocknet werden.
Edelstahlflaschen sind robust und vergleichsweise leicht, Glasflaschen geschmacksneutral, aber schwerer und trotz Schutzhülle nicht völlig bruchsicher. Unabhängig vom Material gilt: Dichtheit, geringes Gewicht, gute Reinigungsmöglichkeiten und eine einfache Handhabung sind wichtiger als Marke oder Design.
Ideale Durstlöscher sind Wasser sowie ungesüßte Kräuter- und Früchtetees. Sind Kinder an süße Getränke gewöhnt, kann stark verdünnter Fruchtsaft den Umstieg erleichtern. Die Organisation SIPCAN bietet online Orientierung zum Zucker- und Süßstoffgehalt von Getränken. Ihr Getränke-Check empfiehlt Produkte ohne Süßstoffe und Zuckeraustauschstoffe.


