Wenn in den Herbstferien das Wetter umschlägt und es früher dunkel wird, fordern viele Kinder mehr Medienzeit, um sich zu beschäftigen. Florian Buschmann, Gründer der Initiative OFFLINE HELDEN, führt pro Jahr 500 Workshops zur Medienkompetenz an Schulen durch und erklärt, wie Eltern dem zuvorkommen können.
Laut DAK-Mediensucht-Studie 2026 spielen Kinder und Jugendliche, die regelmäßig digitale Spiele nutzen, an Schultagen durchschnittlich 89 Minuten am Tag. Am Wochenende und in den Ferien wächst diese Zeit auf 138 Minuten. Wo mehr gespielt wird, wird oft auch über Medienzeit verhandelt.
Diese Verhandlungen kennt Buschmann noch aus seiner eigenen Jugend. Auf den Vorschlag „Mach doch mal was anderes“ antwortete er damals: „Ach komm schon, ein bisschen länger geht doch noch.“ So wurde aus einer halben Stunde oft eine Dreiviertelstunde oder eine ganze Stunde. Später entwickelte er selbst eine Mediensucht. Sein Rat: Regeln vorher vereinbaren und dann auch einhalten.
Vorbereitet sein, bevor es regnet
Fallen die Medien plötzlich weg und muss ein Kind selbst überlegen, was es nun tun soll, entsteht nach Buschmanns Beobachtung ein Vakuum, in dem erst einmal nichts ist. Er empfiehlt deshalb, vorzusorgen: Brettspiele oder Malen nach Zahlen sollten im Haus sein, bevor das Wetter umschlägt, dazu eine Liste mit Ausflugszielen für drinnen, etwa einer Kletterhalle. Außerdem empfiehlt er eine Liste mit zehn Ideen gegen Langeweile, die das Kind am besten selbst aufschreibt – sonst bleibe sie eine „Eltern-Ideen-Liste“, und „die ist nicht so cool“.
Ebenso wichtig ist eine Absprache vorab: Die vereinbarte Medienzeit richtet sich nicht nach dem Wetter. Fällt ein geplanter Ausflug ins Wasser, bleibt es bei der vereinbarten Zeit. Auch die AWMF-Leitlinie zur Prävention dysregulierten Bildschirmmediengebrauchs, an der Buschmann als stimmberechtigter Patientenvertreter mitgewirkt hat, empfiehlt Eltern „medienfreie Zeiträume zu schaffen, in denen die Familie gemeinsame Aktivitäten unternimmt“.
Projekte statt Beschäftigung
„Kinder brauchen Projekte, brauchen Dinge, an denen sie selbst wachsen können“, sagt Buschmann. Er rät, Kinder ein Vorhaben selbst aussuchen zu lassen – ein Modell, etwas aus Holz, ein großes Bild. Das Kind schreibt auf, welches Material es braucht, die Eltern besorgen es. So entsteht etwas, an dem ein Kind länger dranbleiben kann. Auch echte Aufgaben im Alltag gehören für ihn dazu, etwa gemeinsam zu kochen, zu backen oder etwas zu reparieren. Die größte Hürde sei oft, überhaupt anzufangen. „Dann kommt die Lust beim Tun von selbst.“
Zeit in der Natur und mit Freunden füllen
Buschmann empfiehlt zudem, täglich eine kurze Runde draußen zu drehen, auch bei Nieselwetter und mit passender Kleidung. Hilfreich ist ein fester Zeitpunkt, zum Beispiel direkt nach dem Mittagessen. So wird die Runde zur Gewohnheit und muss nicht jeden Tag neu verhandelt werden.
Für die langen Abende rät Buschmann, Freunde nach Hause einzuladen. Manche Familien machen daraus ein Ritual: „Ich habe beispielsweise mehrere Familien, die einmal im Monat einen Krimi-Dinner-Abend machen.“ In einer Familie darf das Kind aussuchen, welcher Fall gespielt wird. So wird der Abend zu etwas, zu dem das Kind selbst beiträgt und auf das es sich freuen kann.
Über Florian Buschmann
Florian Buschmann (Psychologie B.Sc.) ist Mitglied im Fachverband Medienabhängigkeit. Seit über sieben Jahren ist er in der Prävention und Intervention zum Thema Kinder und digitale Medien aktiv. Mit der von ihm gegründeten Initiative OFFLINE HELDEN erreicht er gemeinsam mit seinem Team jedes Jahr mehr als 13.000 Teilnehmende in über 500 Veranstaltungen. Er begleitet Familien, deren Kinder von einer kritischen oder krankhaften Mediennutzung betroffen sind, gibt ihnen Halt und Stabilität – und trägt so zum Erhalt beziehungsweise zur Wiedergewinnung ihrer psychischen Gesundheit bei.



