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Erwachsen werden

Alles wird gut!

Daniela JaschVon Daniela JaschJänner 8, 2025Aktualisiert:Feber 24, 20264 Minuten Lesezeit
© Shutterstock
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Schlechte Träume, wunde Knie, schlechte Noten oder wundes Herz: Gründe für Kindertränen gibt es viele. Doch wie trösten wir eigentlich richtig?

Die kleine Ava stürzt beim Radfahren und weint bitterlich. Ihre Mama reagiert mit gleichmütigen Worten: „Ach, das hat ja nicht weh getan! Hör schon auf zu weinen.“ Der fünfjährige Leonard ist nach sieben Stunden Kindergarten ziemlich aufgewühlt und müde. Statt im Supermarkt weiter zur Kasse zu gehen, wirft er sich brüllend auf den Boden. „Jetzt stell dich nicht so an und reiß dich zusammen“, schreit der Papa das Kind an und geht weiter. Weil Leonard daheim noch immer „so ein Theater macht“, soll er so lange alleine in seinem Zimmer bleiben, bis er sich „wieder beruhigt hat“.

Schwieriges Erbe

Szenen wie diese zeigen: Der Unwille bzw. die Unfähigkeit, unseren Kindern angemessen Trost zu spenden, ist immer noch weit verbreitet. Zu verdanken ist diese Haltung großteils der Art und Weise, wie bereits unsere Eltern und Großeltern mit diesem Thema umgegangen sind. Lange Zeit war es nämlich gang und gäbe, die Emotionen der Kinder nicht zu beachten oder mit weinenden Kindern „hart durchzugreifen und ja nicht nachzugeben“, selbst nicht bei hilflosen Säuglingen. Erziehungspraktiken, die aus dem Ratgeber „Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind“ stammen. Mit 1,2 Millionen verkauften Exemplaren war der Bestseller lange Zeit die Erziehungsbibel schlechthin – geschrieben von Johanna Haarer, wohlgemerkt: in der Nazi-Zeit.

© Shutterstock

Warum Kinder Trost brauchen

Nicht umsonst kommen uns oft ganz automatisch Sätze über die Lippen, die das antrainierte und oftmals kaum hinterfragte Verhalten ganzer Generationen widerspiegelt, denen das Trösten verwehrt geblieben ist. „Ist doch eh nichts passiert“, heißt es dann zum Beispiel, wenn das Kind hinfällt oder weint. Oder: „Stell dich doch nicht so an“, wenn etwas misslingt, wenn Streit, Verlust oder Beschämung Kummer bereiten. Es ist eben nicht „eh nichts passiert“, zumal ein Kind signalisiert, dass es gerade sehr wohl schlimm ist. Wir täten also laut der Kinderpsychotherapeutin und Buchautorin Gundula Göbel gut daran, die Gefühle und Bedürfnisse unserer Kinder wahrzunehmen und feinfühlig zu begleiten. „Trost ist eine Form der zwischenmenschlichen Zuwendung. Er kann durch Blicke, Worte, Gesten und Berührungen gespendet werden. Die schmerzlichen Gefühle des Kindes werden so gelindert; es spürt, dass es nicht allein gelassen ist“, sagt Göbel. Demnach brauchen Kinder immer Trost, wenn sie überfordert sind, bei Müdigkeit und Übermüdung, wenn sie Schmerzen haben, wenn sie keiner versteht, wenn die Welt anders ist, als sie es sich wünschen,  oder wenn ihre Welt sich verändert. Weiters, wenn sie beschämt oder erniedrigt werden, bei Verlusterfahrungen, Streit oder Erkrankungen in der Familie.

Wer tröstet, signalisiert: Ich sehe, dass es dir schlecht geht, und ich möchte dir dabei helfen, deine Traurigkeit oder Trauer zu bewältigen. Zahlreiche Studien belegen, dass Kinder, die richtig getröstet werden, mit dem Gefühl aufwachsen, dass sie mit ihrem Kummer nicht alleine sind. Das wiederum führe zu einer emotionalen Sicherheit, die im späteren Leben hilft, in herausfordernden Situationen Halt zu finden. Mental gestärkt lernen wir, schmerzhafte Gefühle nicht einfach wegzuschieben oder zu unterdrücken, sondern einen Weg zu finden, mit ihnen angemessen umzugehen.

Ermutigung statt Entmutigung

Trotzdem sind viele Eltern der Ansicht, Trost würde Kinder verwöhnen oder gar deren Wehleidigkeit fördern. „Trost braucht die richtige Balance, dem Kind etwas zuzutrauen und es nicht zu schwächen durch zu viel oder unangemessenen Trost“, weiß Gundula Göbel. Trösten bedeutet also nicht, ständig das Kind vom Schmerz abzulenken oder Medien als Tröster einzusetzen. Und es bedeutet auch nicht, das Weinen oder die Trauer zu beenden. Vielmehr gehe es ums Begleiten, um ein Spiegeln von Emotionen, damit sie spüren: Da ist jemand, der mich wahrnimmt, der meine Gefühle spiegelt und mir sagt: „Ich sehe deinen Schmerz. Ich bin für dich da. Es wird wieder gut.“ Erwachsene sind also darin gefordert, eben „erwachsen“ zu handeln. Nicht hingegen das Kind, das weint, schreit, ängstlich schaut oder ausrastet. Kinder dürfen Kinder sein und haben ein Recht auf Halt und Trost. Auf die direkte Zuwendung und Liebe ihrer Bezugspersonen. Erlaubt ist alles, was gut tut: Kuscheln, Massieren, Wiegen, Umarmen, Trostverse, Pflaster, Singen, Humor. Drohungen, Strafen, Ausgrenzungen und ständige Ablenkungen hingegen sind keine angemessenen Antworten.

Genauso wenig ein überbehütendes Verhalten, um Kindern schmerzliche Erfahrungen zu ersparen. Nur wer Traurigkeit oder Trauer durchlebt, kann gestärkt daraus hervor gehen. Und über kurz oder lang selber geeignete Bewältigungsstrategien entwickeln.

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Daniela Jasch

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