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Home » Mein kleiner Tollpatsch!
Erwachsen werden

Mein kleiner Tollpatsch!

Helene TumaVon Helene TumaApril 9, 2025Aktualisiert:Feber 24, 20265 Minuten Lesezeit
© Shutterstock
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Ist ein Kind extrem ungeschickt, lässt Sachen fallen, stolpert ständig oder ist es grob im körperlichen Umgang mit anderen, sollte man einen Kinderarzt aufsuchen, denn es könnte auch eine Wahrnehmungsstörung dahinterstecken.

Der kleine Bär Bummbumm läuft und springt durch den Kindergarten und stößt dabei auch seine Freunde um. Hilft er seiner Mama beim Abwasch, geht so manches zu Bruch oder fällt ihm aus der Hand. Bummbumm ist ein Tollpatsch. Die Ergotherapeutin Isolde Fehringer hat sich in ihrem Buch „Der kleine Tollpatsch Bummbumm“ diesen Kindern und ihren Problemen gewidmet. Bemerken Eltern, dass ihr Kind ungeschickt ist, motorische Probleme hat oder es im Kindergarten oder auf dem Spielplatz immer wieder zu Querelen mit anderen Kindern kommt, gilt es, die Ursachen für dieses Verhalten zu finden.

Die Ursache herausfinden

Ist das Verhalten eines Kindes auffällig, ist es ratsam, einen Kinderarzt aufzusuchen um die Ursachen des Problems abzuklären. So kann es sich um ein Koordinationsproblem handeln, um neurologische Störungen, um Seh- oder Hörstörungen oder auch um eine Wahrnehmungsstörung handeln. Auch entwickeln manche Kinder ihre motorischen Fähigkeiten deutlich langsamer als ihre Altersgenossen und zeigen deshalb auffällige Schwächen. Bei Bedarf wird der Arzt das Kind an einen Ergotherapeuten überweisen. Beim Ergotherapeuten wird das Kind begutachtet, um festzustellen,  was die Ursache seines Verhaltens ist. Isolde Fehringer nennt dazu ein Beispiel aus ihrer Praxis: „Zu mir kam eine Mutter, die erzählt hat, dass ihr Sohn beim Spazierengehen immer hopst. Er kann nicht normal gehen, und das nervt sie schon so. Ich habe ihr dann erklärt, würde er langsam gehen, dann würde er sich gerade nicht spüren. Durch dieses Hopsen bekommt er einen intensiveren Reiz auf die Gelenke. Er wird damit aufhören, wenn er sich besser spürt, aber jetzt im Moment braucht er  das. Kinder suchen sich immer die Reize, die sie brauchen, aber manchmal versteht man nicht, warum. Da passt der Spruch ‚Kinder geben die richtige Antwort, manchmal muss man nur die Frage ändern‘.“

Aus ihrer langjährigen Erfahrung teilt die Ergotherapeutin diese Kinder in drei Gruppen:

1. Emotional aufgeregt (Exogener Faktor, d. h. vom Umfeld beeinflusst oder Kind macht sich selber zu viel Druck)

2. Berührungs- oder Gleichgewichtsüberempfindlichkeit (= auch eine sensorische Integrationsstörung)

3. Propriozeptive Unterempfindlichkeit (= auch eine der möglichen sensorischen Integrationsstörungen)

© Shutterstock

Zu wenig Auskunft über den eigenen Körper

Kinder, die propriozeptiv unterempfindlich sind, können tiefensensible Reize im Körper, die über Faszien, Sehnen, Muskeln, Gelenke und innere Organe wahrgenommen werden, nicht so verarbeiten wie andere Kinder. Das propriozeptive System ermöglicht es uns auch, Kräfte zu dosieren. Eine Wahrnehmungsstörung in diesem Bereich bedeutet, dass die betroffene Person zu wenig Auskunft über den eigenen Körper bekommt und deshalb öfter etwas fallen lässt, stolpert und grob, also ein richtiger Bummbumm, ist. Verhält sich ein Kind auffällig, gibt es bestimmte Verhaltensweisen, die auf eine gestörte sensorische Integration hindeuten.

Kindergartenalter:

• Verzögerungen in der motorischen Entwicklung

• Tollpatschigkeit und Ungeschicklichkeit

• unabsichtliches Anstoßen anderer Kinder

• Grobheit im körperliche Umgang

• Schmerzüber- oder -unterempfindlichkeit

• Ablehnung von Berührungen

• Verhaltensauffälligkeiten

• Mangelndes Selbstbewusstsein

Schulalter:

• Lernschwierigkeiten

• Verhaltensauffälligkeiten

• Schwierigkeiten in der Hörverarbeitung

• Hyperaktivität

• Anhaltende Bewegungsarmut

Fördern und fordern

Wahrnehmungsschwächen sind kein Zeichen dafür, dass Eltern etwas falsch gemacht haben oder dass bei der Erziehung etwas schiefläuft. Denn diese Störungen bestehen von Geburt an. Die Ursachen dafür können Sauerstoffmangel vor, während oder nach der Geburt sein, ein Trauma oder auch Vererbung. Kinder wie Bummbumm können oft Grenzen schwer erkennen, also ihre eigenen Körpergrenzen, Grenzen anderer Menschen und Emotionen von anderen Menschen. Auch beim Malen im Malbuch können sie die Grenze oft nicht einhalten oder nicht auf der Zeile schreiben. Diese Kinder hantieren mit anderen Menschen so, wie sie es selber gerne hätten, also etwas fester. Es stört sie auch nicht, wenn man ihre Grenze überschreitet. Doch Achtung, denn diese Auffälligkeiten sind Faktoren die ein Problem sein können, aber nicht müssen. „Das heißt, ein Kind tut sich mit Emotionen sehr schwer und ein anderes beim Malen und mit den Grenzlinien. Das heißt aber auch, alles kann sein, aber muss nicht, denn jedes Kind ist anders“, so Isolde Fehringer. Es ist daher wichtig, Eltern in die Therapie mit einzubeziehen, damit sie zum einen Verständnis für die Situation ihres Kindes entwickeln und so mehr Geduld aufbringen, zum anderen müssen sie lernen, wie sie ihr Kind richtig behandeln sollen. Denn Kinder, die propriozeptiv unterempfindlich sind, brauchen mitunter etwas handfestere Reize, und diese muss man ihnen in einem geschützten Umfeld anbieten. Wenn ein Kind zum Beispiel gerne Trampolin springt, das aber immer am Sofa macht, dann muss man einen Reiz anbieten, der möbel- und nervenschonender und weniger gefährlich für das Kind ist. Bei ausreichend Platz könnte man sich vielleicht ein Trampolin zulegen oder eine Matratze auflegen, auf der es springen darf.

© Shutterstock

Unterstützung und Lob

Der absolut falsche Weg wäre es, mit dem Kind zu schimpfen. Sätze wie „Setz dich endlich hin“ oder „Hör endlich auf, herumzuhopsen“ geben dem Kind das Gefühl, etwas falsch zu machen, obwohl es den inneren Drang dazu verspürt. Auch „Sei nicht so ungeschickt“ ist wenig hilfreich, da dadurch das Selbstbewusstsein des Kindes noch mehr leidet. Eltern müssen akzeptieren, dass ihr Kind ein kleiner Bummbumm ist, und jeden noch so kleinen Erfolg loben, denn Erfolgserlebnisse spornen an, sich ein bisschen mehr zutrauen und die eigenen Fertigkeiten kennenzulernen und besser zu verstehen. Sie müssen den Prozess ihres Kindes positiv begleiten und unterstützen und wenn nötig auch den Kindergarten und die Schule mit einbinden, denn Kinder, die als Tollpatsch gelten und zum Beispiel jeden Ball fallen lassen, werden oft gehänselt, finden nur schwer Freunde und sind das Ziel von Spott und Mobbing. Verstehen die Kinder im Kindergarten oder in der Schule die Situation des Kindes und lernen, richtig mit ihm umzugehen und zu spielen, können alle Seiten davon profitieren.

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Helene Tuma

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