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Home » Bildung beginnt im Kleinkindalter – Chancengerechtigkeit ebenso
Bildung

Bildung beginnt im Kleinkindalter – Chancengerechtigkeit ebenso

adminVon adminAugust 7, 20254 Minuten Lesezeit
© Shutterstock
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Wichtige sprachliche und soziale Kompetenzen werden schon frühzeitig in der Interaktion zwischen Eltern und ihren Kleinkindern angelegt – und damit auch Bildungsungleichheiten. Ein neuer Transferbericht beleuchtet wichtige Einflüsse der frühen familiären Lernumwelt auf die Entwicklung und die Chancengleichheit von Kindern in ihren ersten Lebensjahren.

Bereits im Alter von zwei Jahren zeigen sich bedeutsame Unterschiede im Wortschatz und der Grammatikkompetenz von Kindern – beeinflusst durch den sozialen und ökonomischen Hintergrund der Eltern. So verfügten die zweijährigen Kinder aus benachteiligten Familien über rund 97 Wörter (aus einer Liste von 260 Wörtern). Gleichaltrige Kinder aus ressourcenreicheren Haushalten verwendeten nach Angabe ihrer Eltern hingegen bereits 158 dieser Wörter. Die Autorinnen des Berichts, Dr. Manja Attig (LIfBi – Leibniz-Institut für Bildungsverläufe) und Prof. Dr. Sabine Weinert (Otto-Friedrich-Universität Bamberg) betonen, dass Unterschiede in sprachlichen und sozial-emotionalen Kompetenzen und hiermit zusammenhängende Bildungsungleichheiten nicht erst im Vorschul- oder Schulalter entstehen, sondern ihre Wurzeln bereits in den allerersten Lebensjahren haben.

Demnach haben feinfühlige und anregende Interaktionen zwischen Eltern und Kindern eine große Bedeutung für die sprachliche und sozial-emotionale Entwicklung der Kinder. Besonders hilfreich sind auch gemeinsame Aktivitäten wie das Betrachten von Bilderbüchern. „Gute sprachliche Fähigkeiten ermöglichen den Kindern bessere soziale Kontakte, bessere soziale Problemlösungen und eine bessere Steuerung eigener Emotionen“, so Professorin Sabine Weinert, Mitautorin des Transferberichts. Die Forschungsergebnisse zeichnen dabei ein differenziertes Bild der verschiedenen Merkmale der frühen Lernumwelt (anregendes und sensitives Interaktionsverhalten; gemeinsames Bilderbuch betrachten), die Kinder erfahren, und der Wirkungen, die diese haben. Jedoch sind bereits im ersten Lebensjahr bedeutsame Zusammenhänge mit den sozialen und ökonomischen Ressourcen der Eltern beobachtbar – auch wenn es innerhalb der sozialen Gruppen jeweils große Unterschiede gibt.

Die Analysen der NEPS-Daten legen nahe, dass es Eltern mit sozio-ökonomischen Belastungen – wie geringem Einkommen, niedrigem Bildungsniveau – oft weniger gelingt, entwicklungsförderlich auf ihre Kinder einzugehen. Besonders kritisch wird es, wenn mehrere Stressfaktoren zusammenkommen. In diesen Fällen gelang es den Eltern nur noch sehr eingeschränkt, auf Kinder mit einem herausfordernden Temperament feinfühlig und anregend einzugehen. Die Autorinnen weisen darauf hin, dass diese Problematik sogar noch unterschätzt sein könnte, da die NEPS-Stichprobe nicht schwerpunktmäßig risikobehaftete Familien untersucht hat. „Unsere Studie zeigt deutlich, dass Unterschiede in der kindlichen Entwicklung schon in frühester Kindheit entstehen. Ziel muss es sein, allen Kindern gerechtere Bildungschancen zu ermöglichen und deshalb Eltern in Risikosituationen so frühzeitig wie möglich Unterstützung zukommen zu lassen, um ungleiche Startbedingungen auszugleichen“, so Dr. Manja Attig, Mit-Autorin der Studie.

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© Shutterstock – Die Studie zeigt deutlich, dass Unterschiede in der kindlichen Entwicklung schon in frühester Kindheit entstehen.

Die Erkenntnisse, die mit Daten aus Beobachtungen und Erhebungen von 3.500 Säuglingen mit ihren Eltern über zwei Jahre hinweg entstanden, unterstreichen die Bedeutung von Maßnahmen, die Familien und ihre Kinder frühzeitig unterstützen. Projekte wie die Bremer Initiative zur Stärkung frühkindlicher Entwicklung (BRISE) schließen an die Erhebungen des Nationalen Bildungspanels an und untersuchen, wie Förderprogramme gezielt auf Risikogruppen wirken können. Die Ergebnisse bieten wertvolle Einblicke, um Bildungsungleichheiten in Deutschland entgegenzuwirken. Gerade vor dem Hintergrund des schwachen Abschneidens von deutschen Schulkindern in internationalen Vergleichsstudien wie PISA sei es laut Weinert und Attig wichtig, schon in den ersten Lebensjahren für die Familien Unterstützungs- und Fördermöglichkeiten zu schaffen.

  • Diese Ergebnisse wurden auf Basis der Startkohorte „Neugeborene“ des Nationalen Bildungspanels (NEPS-SC1) erarbeitet. Die Startkohorte umfasst ca. 3.500 Kinder, die seit dem Alter von 7 Monaten bzw. dem Jahr 2012 durch das Nationale Bildungspanel begleitet werden.
  • Wichtige Aspekte der frühkindlichen Lernumwelt wurden sowohl mit Fragebögen erfasst als auch über Beobachtungen von Eltern-Kind-Interaktionen analysiert. Zu drei Messzeitpunkten (die Kinder waren 7 Monate, 17 Monate bzw. 2 Jahre alt) wurden alltagsnahe Interaktionen der Kinder und ihrer Eltern auf Video aufgenommen und im Nachhinein sowohl das kindliche Verhalten als auch verschiedene elterliche Verhaltensweisen (beispielsweise hinsichtlich ihrer Sensitivität und ihres Anregungsverhaltens) eingeschätzt. Dafür wurden den teilnehmenden Eltern (vorwiegend Mütter) Spielmaterialien überlassen und sie wurden gebeten, 8 bis 10 Minuten so wie sonst mit ihrem Kind zu spielen.

Originalpublikation:

Attig, M. & Weinert, S. (2025). Wie frühe Eltern-Kind-Interaktionen die Entwicklöung von Kindern beeinflussen (NEPS Forschung kompakt No. 2). Leibniz-Institut für Bildungsverläufe. https://doi.org/10.5157/NEPS:FK02:1.0

Weitere Informationen:

https://www.lifbi.de/NFK/02

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